Echter Pu-Erh kommt laut chinesischem Herkunftsschutz seit 2008 nur aus Yunnan und wird aus großblättrigem, sonnengetrocknetem Tee gemacht, entweder langsam gereift als Sheng oder beschleunigt fermentiert als Shou.Sheng und Shou, der 357-Gramm-Fladen, Lagerung und Aufguss im Gaiwan und Merkmale von Fälschungen.
Pu-Erh ist der Tee, der mit dem Alter besser werden soll. Er wird oft zu Fladen gepresst, jahrelang gelagert und in kleinen Mengen immer wieder neu aufgegossen. Das klingt nach Wissenschaft für Eingeweihte, ist aber leichter, als es aussieht. Mit einem Messer, einer kleinen Kanne oder einem Gaiwan und kochendem Wasser kommst du schon weit.
Was Pu-Erh ist: großblättriger Tee mit geschützter Herkunft
Pu-Erh wird aus der großblättrigen Yunnan-Varietät der Teepflanze gemacht, Camellia sinensis var. assamica. In China ist Pu-Erh seit 2008 ein Produkt mit geografischer Angabe. Die zugehörige Norm GB/T 22111-2008 gilt seit dem 1. Dezember 2008.
Die Spezifikation, die auch im EU-Register für geografische Angaben hinterlegt ist, beschreibt Pu-Erh als Tee aus großblättrigem, sonnengetrocknetem Yunnan-Tee. Das Anbaugebiet umfasst Teile von elf Präfekturen in Yunnan, darunter Pu’er, Xishuangbanna und Lincang. Die Gärten liegen auf 1.000 bis 2.100 Metern Höhe. Tee aus anderen Provinzen darf demnach nicht als Pu-Erh verkauft werden.

Sheng und Shou: Naturreifung gegen das Verfahren von 1973
Sheng, auch roher Pu-Erh genannt, wird nach dem Sonnentrocknen gedämpft, gepresst und getrocknet. Er reift danach über Jahre langsam weiter. Jung schmeckt er oft frisch und herb, mit dem Alter wird er runder.
Shou, der gereifte Pu-Erh, ist eine vergleichsweise junge Erfindung. 1973 entwickelte die Kunming Tea Factory das Wo-Dui-Verfahren, eine Nachfermentation in feuchten Haufen. Sie verkürzt den Reifeprozess stark. Kurz darauf übernahm die Menghai Tea Factory das Verfahren, die Massenproduktion begann 1975. Shou schmeckt erdig, weich und dunkel, ganz ohne jahrelange Lagerung.
| Sheng (roh) | Shou (gereift) | |
|---|---|---|
| Verarbeitung | sonnengetrocknet, gedämpft, gepresst | zusätzlich nachfermentiert (Wo Dui) |
| Reifung | langsam über Jahre | beschleunigt, sofort trinkbar |
| Geschmack | jung frisch und herb, alt runder | erdig, weich, dunkel |
| Spülen vor dem Aufguss | einmal, rund 20 Sekunden | zweimal, je rund 15 Sekunden |
Die Geschmacksbeschreibungen in der Tabelle sind grobe Richtwerte, einzelne Tees weichen ab. Wenn dich die Verarbeitung anderer halb- oder ganz oxidierter Tees interessiert, lies unseren Ratgeber zu Oolong.
Bing, Tuo und Ziegel: Formate und richtig lagern
Der bekannteste Pu-Erh ist der runde Fladen, Bing genannt. Am häufigsten wiegt er 357, 400 oder 500 Gramm. Daneben gibt es das schalenförmige Tuocha, meist mit 100, 250 oder 500 Gramm, und Ziegel zwischen 100 und 1.000 Gramm. Ziegel waren früher die übliche Form für den Transport mit Pferdekarawanen.
Für die Lagerung gilt: Feuchtigkeit beschleunigt die Reifung. Empfohlen werden 60 bis 85 Prozent Luftfeuchtigkeit, große Hitze schadet dem Aroma. Fest gepresste Formen reifen langsamer als locker gepresste. In Plastik eingeschweißt kommt die Reifung irgendwann zum Stillstand. Im Alltag reicht ein Schrank ohne Gerüche, fern von Herd und Gewürzen.
Aufgießen: Gongfu im Gaiwan oder ganz westlich in der Kanne
Pu-Erh will heißes Wasser: 95 bis 100 °C, am besten frisch sprudelnd. Für die chinesische Gongfu-Methode nimmst du 5 bis 7 Gramm Tee auf 100 Milliliter. Zuerst spülst du die Blätter kurz, gießt das Wasser weg und beginnst dann mit kurzen Aufgüssen von 5 bis 15 Sekunden. Mit jedem weiteren Aufguss verlängerst du die Zeit. Ein guter Pu-Erh lässt sich so 10- bis 20-mal aufgießen.
Ohne Gaiwan geht es auch westlich: 3 bis 5 Gramm auf 250 Milliliter und 2 bis 4 Minuten Ziehzeit. Junger Sheng mit kleinen Blättern braucht weniger Zeit als alter Sheng mit großen Blättern. Grundsätzliches zu Temperatur und Ziehzeit steht in unserem Ratgeber Tee richtig aufgießen.
| Methode | Menge | Temperatur | Ziehzeit |
|---|---|---|---|
| Gongfu (Gaiwan, Kännchen) | 5 bis 7 g pro 100 ml | 95 bis 100 °C | anfangs 5 bis 15 s, dann länger |
| Westlich (Kanne, Tasse) | 3 bis 5 g pro 250 ml | 95 bis 100 °C | 2 bis 4 min |
Für deine ersten Pu-Erh-Sessions:
- Fang mit Shou an, er verzeiht Fehler und muss nicht jahrelang lagern.
- Löse den Fladen mit dem Messer von der Kante her, statt von oben zu hacken, so bleiben die Blätter ganzer.
- Spül Sheng einmal und Shou zweimal kurz mit kochendem Wasser.
- Start im Gaiwan mit 6 Gramm auf 100 Milliliter und rund 10 Sekunden, dann schrittweise länger.
- Verwende für Shou und Sheng getrennte Tonkännchen, wenn du poröse Ton-Kannen nutzt.
Unsere Empfehlungen
Teekanne · rund 28 €
Hario ChaCha Kyusu Maru 300 ml
Plus: Hitzebeständiges Glas zeigt die Tassenfarbe, das geräumige Sieb lässt den Blättern Platz, und die Kanne ist spülmaschinenfest.
Minus: Für Gongfu mit 5 bis 7 Gramm auf 100 Milliliter brauchst du hier 15 bis 21 Gramm Tee (von uns umgerechnet); das Sieb wird in China gefertigt.
Pu-Erh · rund 9 €
Ronnefeldt Pu-Erh Bio lose 100 g
Plus: Loses Blatt statt Fladen, also ohne Messer leicht zu dosieren; laut Ronnefeldt erdig mit roter Tassenfarbe, gut für die westliche Kanne.
Minus: Ob Sheng oder Shou und welcher Jahrgang, nennt die Produktbeschreibung nicht; loser Tee statt gepresstem Fladen.
Preise, Fälschungen und Koffein: worauf du beim Kauf achtest
Gefälschter Pu-Erh ist verbreitet. Fälscher kopieren Verpackungen bekannter Marken samt eingepresstem Etikett (Nei Fei) und Beizettel (Nei Piao). Sie geben ein höheres Alter oder einen berühmteren Berg an oder verwenden Tee von außerhalb Yunnans. 2021 beschlagnahmte die Polizei in Shanghai mehr als 10 Tonnen gefälschter Fladen, ihr Wert wurde auf rund 1,8 Milliarden Yuan geschätzt.
Ab 2008 fielen die Preise nach einem Boom stark, viele Produzenten machten Verluste. Gereifte 357-Gramm-Fladen bekannter Fabriken kosten im europäischen Fachhandel rund 50 €. Jahrzehntealte Fladen zum Schnäppchenpreis sind ein Warnsignal. Kauf bei Händlern, die Herkunft, Jahrgang und Fabrik angeben.
Pu-Erh ist kein koffeinarmer Tee. Ein Teehaus aus Montreal ließ im Labor für zwei Shou 57 und 70 Milligramm Koffein pro Tasse messen, für einen Sheng 52 Milligramm. Zum Vergleich: Ein Matcha kam auf 93 Milligramm. Die Werte stammen aus einer kleinen Stichprobe, die Methodik ist auf der Seite nicht ganz eindeutig beschrieben. Mehr zu Tee aus China liest du bei Chinesischer Grüntee.
Pu-Erh belohnt Neugier: Ein Fladen reicht für viele Sessions, und jeder Aufguss schmeckt etwas anders. Fang mit einem guten Shou an, nimm dir Zeit für ein paar kurze Aufgüsse und taste dich dann an Sheng heran. Mehr Ideen für die ruhige Teepause findest du bei Tee-Rituale am Nachmittag.
Alle Preise sind Richtwerte und können sich ändern.
Alle Produktangaben beruhen auf Hersteller- und Händlerangaben, wir haben die Produkte nicht selbst getestet.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Wikipedia: Pu’er tea, abgerufen 23.10.2026.
- chinesestandard.net: GB/T 22111-2008 Product of geographical indication – Puer tea, 17.06.2008.
- Europäische Kommission, eAmbrosia: Technische Spezifikation Pu’er Tea, abgerufen 23.10.2026.
- Yunnan Sourcing: Brewing guide for green, black, oolong and pu-erh teas, abgerufen 23.10.2026.
- Teasenz: How Long to Steep Pu Erh Tea? A Complete Brewing Guide, abgerufen 23.10.2026.
- Tea & Coffee Trade Journal, J.W. Kaler: Fake cake: the business of counterfeit pu’er teas, 06.09.2023.
- Camellia Sinensis Teahouse: Analysis of caffeine, abgerufen 23.10.2026.
- Teasenz: 2017 Xiaguan FT7573 Ripe 357 g, abgerufen 23.10.2026.
- Teasenz: Chaze Da Hong Yin Ripe Pu Erh 357 g, abgerufen 23.10.2026.
- HARIO Global: ChaCha Kyusu „Maru“ Tea Pot, abgerufen 24.10.2026.
- Green Plantation: Hario Chacha Kyusu-Maru 300 ml Teekanne, abgerufen 24.10.2026.
- Ronnefeldt: Pu-Erh, abgerufen 24.10.2026.
- Teeshop Berlin: Ronnefeldt Pu-Erh Bio, abgerufen 24.10.2026.
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