Oolong ist ein teilweise oxidierter Tee zwischen Grün- und Schwarztee. Je nach Oxidation und Röstung schmeckt er blumig und hell oder dunkel und geröstet.Herstellung, bekannte Sorten aus China und Taiwan, Geschmack und Zubereitung in Kanne und Gaiwan.
Grüntee, Oolong und Schwarztee stammen von derselben Pflanze, Camellia sinensis. Den Unterschied macht die Verarbeitung nach der Ernte. Beim Grüntee stoppt Hitze die blatteigenen Enzyme sofort. Beim Schwarztee arbeiten sie fast bis zum Ende, beim Oolong hält der Teemacher sie mittendrin an.
In China und Taiwan heißt Oolong oft halbfermentiert. Gemeint ist keine Gärung durch Hefen oder Bakterien, sondern Oxidation. Sobald die Blattzellen verletzt werden, verändern Enzyme die herben Catechine des Tees. Je weiter das läuft, desto dunkler und fruchtiger wird das Blatt.
Oxidation: von gut 10 bis 70 Prozent
Wie weit ein Oolong oxidiert, legt der Teemacher fest. Eine taiwanische Forschungsgruppe hat 2020 die bekannten Spezialtees der Insel nach ihrem Oxidationsgrad geordnet. Grüntee liegt bei 0 Prozent, ein taiwanischer Schwarztee bei über 90 Prozent.
| Tee | Herkunft in Taiwan | Oxidation | Form des trockenen Blatts |
|---|---|---|---|
| Wenshan Pouchong | New Taipei | 12 bis 15 % | gedreht, grün |
| Hochlagen-Oolong | Kreis Chiayi | 20 bis 30 % | halbkugelig, grün |
| Dong Ding | Kreis Nantou | 20 bis 30 % | halbkugelig, grün |
| Tieguanyin aus Taiwan | Taipeh | 30 bis 40 % | kugelig, dunkelgrün |
| Oriental Beauty (Baihao) | Kreis Hsinchu | 60 bis 70 % | kugelig, mehrfarbig |
Einzelne Partien können abweichen, Tees aus Fujian fehlen in der Studie. Die Spanne zeigt aber, warum das Wort Oolong allein wenig über den Geschmack verrät. Ein Pouchong steht dem Grüntee nah, ein Oriental Beauty eher dem Schwarztee.

Herstellung: welken, schwenken, erhitzen, rollen, rösten
Die Grundschritte sind bei den meisten Oolongs gleich. Für den Tieguanyin aus Anxi beschreibt die chinesische Kulturerbeliste 16 Arbeitsschritte nach dem Pflücken. Vereinfacht läuft es so ab:
- Welken: Die frischen Blätter liegen erst in der Sonne und kühlen danach ab. Sie verlieren Wasser und werden weich.
- Schwenken: Die Blätter werden in Trommeln oder Sieben bewegt und ruhen dazwischen. Ihre Ränder reiben sich wund und oxidieren zuerst.
- Erhitzen: Ist der gewünschte Grad erreicht, stoppt kurze, starke Hitze in der Pfanne die Enzyme.
- Rollen: Das Blatt wird zu Strängen gedreht oder in Tüchern zu Kugeln geknetet. Beim Tieguanyin wechseln Kneten und Trocknen mehrmals.
- Trocknen und Rösten: Nach dem Trocknen rösten viele Hersteller den Tee noch einmal mit trockener Hitze, teils über Holzkohle.
Wie stark geschwenkt wird, prägt das Aroma. Forscher aus Fujian ließen Tieguanyin-Blätter bis zu neun Runden in einer Trommel drehen, mit je 30 Minuten Pause dazwischen. Mit steigender Intensität entstanden mehr fruchtige und grüne Duftstoffe aus Fettsäuren. Das angenehmste Aroma fanden sie nach fünf Runden, also bei mittlerer Intensität.
Oxidation und Röstung sind zwei getrennte Schritte. Die Oxidation läuft im frischen Blatt vor dem Erhitzen. Die Röstung kommt am Ende und prägt den fertigen Tee ein zweites Mal. Ein mäßig oxidierter Oolong wie Dong Ding kann deshalb trotzdem deutlich geröstet sein.

Fujian: Wuyi-Felsentee und Tieguanyin aus Anxi
Die Provinz Fujian im Südosten Chinas gilt als Heimat des Oolong. Das Außenamt der Provinz nennt das Wuyi-Gebirge im Nordwesten den Geburtsort von Oolong und Schwarztee. Die Tees von dort heißen Felsentee und sind für ihren eigenen Felsengeschmack bekannt. Die Bauern rösten sie traditionell über Holzkohle.
Der bekannteste Felsentee ist Da Hong Pao, der Große Rote Mantel. Seine sechs Mutterbäume stehen bei Jiulongke am Tianxin-Felsen. Seit 2006 werden sie nicht mehr beerntet. Wuyi-Felsentee ist eine geschützte geografische Angabe, die Herstellung des Da Hong Pao steht auf Chinas nationaler Kulturerbeliste.
Im Süden Fujians liegt der Kreis Anxi, die Heimat des Tieguanyin. Laut der Kulturerbeliste begann der Teeanbau dort am Ende der Tang-Dynastie. Den Namen Eiserne Guanyin bekam der Tee im 18. Jahrhundert unter den Qing-Kaisern Yongzheng oder Qianlong.
Taiwan: Hochlagen-Oolong, Dong Ding und Oriental Beauty
Nach Taiwan kam Oolong aus Fujian. 1866 brachte der britische Kaufmann John Dodd Teepflanzen aus Anxi auf die Insel und lieh den Bauern Geld für den Anbau. 1869 schickte er Kisten mit der Aufschrift Formosa Oolong Tea vom Hafen Tamsui nach New York.
Als Hochlagen-Teegärten gelten in Taiwan Gärten ab etwa 1.000 Metern, so die staatliche Teeforschungsstation. Dort wächst vor allem die Sorte Qingxin Wulong, gepflückt wird von Hand. Die Hochlagen-Oolongs sind halbkugelig gerollt und nur zu 20 bis 30 Prozent oxidiert.
Dong Ding kommt aus der Gemeinde Lugu im Kreis Nantou. Als entscheidender Schritt gilt die Röstung, traditionell im großen Wok über Holzkohle aus Longan-Holz. Ist die Hitze zu niedrig, wird der Tee laut Taiwans Kulturministerium bitter. Handgemachter Dong Ding wird bernsteinfarben, maschinell hergestellter eher hellgolden.
Oriental Beauty, auch Baihao Oolong, stammt aus dem Kreis Hsinchu und aus Shiding bei Taipeh. Geerntet werden Knospen und junge Blätter im Juni und Juli. Im Sommer saugt die Grüne Teezikade an den Trieben. Eine Studie von 2024 zeigt, dass der Befall Catechine abbaut und den Tee weniger bitter und fruchtiger macht. Die Landwirtschaftsbehörde von New Taipei beschreibt ein Aroma von reifen Früchten mit Anklängen von Honig.

Geschmack: blumig und hell oder dunkel und geröstet
Wie ein Oolong schmeckt, hängt vor allem an Oxidation und Röstung. Wenig oxidierte, kaum geröstete Tees wirken blumig und frisch. Mehr Oxidation bringt Fruchtnoten, eine kräftige Röstung bringt Röstaromen. Die Tabelle ordnet die bekannten Stile grob ein.
| Stil | Beispiele | Typische Eindrücke |
|---|---|---|
| hell, wenig geröstet | Wenshan Pouchong, Hochlagen-Oolong | blumig, frisch, nah am Grüntee |
| mittel, geröstet | Dong Ding aus Lugu | Röstnoten, Aufguss bis bernsteinfarben |
| dunkel, über Holzkohle geröstet | Wuyi-Felsentee, Da Hong Pao | Felsengeschmack, Duft von Grüntee, Süße von Schwarztee |
| stark oxidiert | Oriental Beauty, 60 bis 70 % oxidiert | reife Früchte, Honig, kaum bitter |
Was die Röstung im Blatt verändert, hat eine Studie von 2021 an Tieguanyin gemessen. Die Forscher rösteten bei 105 und bei 130 °C. Die Röstung senkte Bitterkeit und Adstringenz und verstärkte den süßen Nachgeschmack. Bei hoher Temperatur nahmen blumige Duftstoffe wie Beta-Ionon und Nerolidol ab, Röststoffe wie Pyrazine dagegen zu.
Pyrazine prägen auch das Aroma von geröstetem Kaffee. Wie sich helle und dunkle Röstungen dort unterscheiden, steht in Röstgrad hell, mittel, dunkel. Beim Oolong-Kauf hilft ein Blick auf die Angaben. Gute Händler nennen Sorte, Herkunft und Erntejahr, oft auch, wie stark der Tee oxidiert und geröstet ist.
Zubereitung: in der Kanne oder im Gaiwan mit vielen Aufgüssen
Für die westliche Kanne nennt ein deutscher Teefachhändler für Formosa-Oolong 12 g Blatt pro Liter. Das sind 3 g für 250 ml. Du gießt mit sprudelnd kochendem Wasser auf und lässt den Tee 3 Minuten ziehen.
Beim Gongfu-Stil nimmst du viel mehr Blatt, wenig Wasser und gießt dieselben Blätter mehrmals kurz auf. Dafür eignet sich ein Gaiwan, eine Deckelschale, oder ein kleines Tonkännchen. Ein Londoner Teehändler empfiehlt 4 bis 6 g im Gaiwan. Der erste Aufguss zieht 5 bis 10 Sekunden, die folgenden 10 bis 20 Sekunden. Mindestens sechs Aufgüsse sind so möglich.
Ein Schweizer Teehändler unterscheidet nach der Blattform. Fest gerollte Kugeln aus Taiwan brauchen beim ersten Aufguss länger, weil sich die Blätter erst öffnen müssen. Offen gedrehte Tees aus Wuyi oder die Dancong-Oolongs aus Guangdong lässt du kurz ziehen, Dancong wird schnell bitter. Tieguanyin aus Anxi liegt dazwischen, für Oriental Beauty nimmt er etwas kühleres Wasser.
| Zubereitung | Blatt | Wasser | 1. Aufguss | danach |
|---|---|---|---|---|
| Kanne, Formosa-Oolong | 12 g pro Liter, 3 g pro 250 ml | 100 °C | 3 min | keine Angabe |
| Gaiwan, allgemein | 4 bis 6 g | 100 °C | 5 bis 10 s | 10 bis 20 s, mindestens 6 Aufgüsse |
| Gaiwan, fest gerollt (Taiwan) | 5 bis 8 g / 110 ml | knapp 100 °C | 1,5 bis 2 min | 30 s bis 1 min, dann länger |
| Gaiwan, gedreht (Wuyi, Dancong) | 5 bis 8 g / 110 ml | knapp 100 °C | 20 bis 30 s | 10 bis 20 s, dann langsam länger |
| Gaiwan, Oriental Beauty | 5 bis 8 g / 110 ml | 90 bis 95 °C | 20 bis 30 s | 10 bis 20 s, dann länger |
Beim ersten Aufguss gerollter Oolongs gehen die Händler also verschieden vor. Fest gerollte Oolongs spülst du nach dem Londoner Händler kurz mit kochendem Wasser und gießt es nach wenigen Sekunden weg. Offene Blätter wie Da Hong Pao brauchen das nicht. Grundregeln für alle Teesorten stehen in Tee richtig aufgießen.

So holst du mehr aus deinem Oolong:
- Wieg den Tee ab, große Kugeln und gedrehte Blätter lassen sich mit dem Löffel kaum dosieren.
- Gieß jeden Aufguss vollständig ab, sonst zieht der Tee im Gaiwan weiter.
- Wird ein Aufguss bitter, verkürz die nächste Ziehzeit oder nimm etwas kühleres Wasser.
- Verlängere die Ziehzeit von Aufguss zu Aufguss, bis der Tee dünn schmeckt.
- Nimm weiches Wasser, hartes Wasser dämpft zarte Aromen. Mehr dazu in Wasser für Kaffee.
Für den Einstieg nimmst du am besten einen hellen Oolong aus Taiwan und einen dunklen Felsentee aus Wuyi. Gieß beide nacheinander im Gaiwan auf und vergleich die Aufgüsse. So schmeckst du selbst, was Oxidation und Röstung ausmachen.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Liou, B.-K.; Jaw, Y.-M.; Chuang, G. C.-C.; Yau, N. N. J.; Zhuang, Z.-Y.; Wang, L.-F., Foods 9(1):100: Important Sensory, Association, and Postprandial Perception Attributes Influencing Young Taiwanese Consumers’ Acceptance for Taiwanese Specialty Teas, 18.01.2020.
- China Intangible Cultural Heritage Network: 乌龙茶制作技艺(铁观音制作技艺), Herstellungstechnik des Tieguanyin, Listeneintrag 2008, abgerufen 24.10.2026.
- Ni et al., PeerJ 10:e13453: Effects of turning over intensity on fatty acid metabolites in postharvest leaves of Tieguanyin oolong tea (Camellia sinensis), 2022.
- Foreign Affairs Office of Fujian Province: Moments in Fujian: Wuyi Rock Tea, 27.07.2022.
- Taipei Travel, TAIPEI Quarterly Vol. 14: Dadaocheng and the history of Formosa Oolong Tea, 11.12.2018.
- Wang Wei-yi, Tea Research and Extension Station, Fengnian 58(24): 合理化施肥, 高海拔茶園合理化施肥 (Düngung in Hochlagen-Teegärten), 16.12.2008.
- Ministry of Culture, Taiwan: Master of Handcrafted Tea: Su Wen-zhao, 19.07.2019.
- Agriculture Department, New Taipei City Government: Oriental Beauty Tea, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
- Food Frontiers: Effect of tea green leafhopper (Empoasca onukii Matsuda) sucking on the quality of Oriental Beauty, Juli 2024.
- Food Chemistry: X: Sensory and chemical characteristics of Tieguanyin oolong tea after roasting, Dezember 2021.
- TeeGschwendner, Produktseite: Formosa Fancy Superior Oolong, abgerufen 24.10.2026.
- Rare Tea Company (Händlerangabe): How to Make Oolong with a Gaiwan, abgerufen 24.10.2026.
- Teamania, Benjamin Witt (Händlerangabe): How to Brew Oolong Tea, 07.08.2020, aktualisiert 16.01.2024.



