Neun von 15 Kakaopulvern, die Öko-Test 2023 für Kinder untersucht hat, bestanden zu mehr als 80 Prozent aus Zucker – Hauptzutat war in jedem einzelnen Produkt der Zucker, nicht der Kakao.Kakao für die große Kanne zum Martinstag, das passende Pulver, eine milchfreie Variante und die richtige Temperatur.

Am Abend des 11. November ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen, und danach wird es kalt. Eine Thermoskanne mit heißem Kakao ist an diesem Abend das Naheliegendste der Welt. Das fertige Pulver aus dem Supermarkt macht die Sache einfach, aber süß: Zwei gehäufte Teelöffel davon bringen mehr Zucker in den Becher als die meisten Eltern vermuten.

Selbst mischen dauert keine fünf Minuten und du bestimmst, wie viel Zucker hineinkommt. Dafür musst du nur wissen, was die Pulversorten im Regal unterscheidet und bei welcher Temperatur du die Kanne vom Herd nimmst.

Drei Pulver, ein Regal: Kakao, Schokoladenpulver und Getränkepulver

Die deutsche Kakaoverordnung regelt, was die Begriffe auf der Packung bedeuten. Reines Kakaopulver besteht aus gereinigten, geschälten, gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen und muss mindestens 20 Prozent Kakaobutter in der Trockenmasse enthalten, bei höchstens 9 Prozent Wasser. Liegt der Fettanteil darunter, heißt das Erzeugnis fettarmes, mageres oder stark entöltes Kakaopulver. Beide Varianten enthalten keinen Zucker.

Schokoladenpulver ist eine Mischung aus Kakaopulver und Zuckerarten mit mindestens 32 Prozent Kakaopulver. Trinkschokoladenpulver und gezuckertes Kakaopulver brauchen nur noch mindestens 25 Prozent. Und das, was in den bunten Dosen mit Kindermotiven steckt, ist meist ein kakaohaltiges Getränkepulver: Für diese Kategorie nennt die Verordnung keinen Mindestgehalt an Kakao.

Bezeichnung Kakaoanteil laut Verordnung Zucker enthalten?
Kakaopulver mindestens 20 % Kakaobutter in der Trockenmasse nein
Stark entöltes (fettarmes) Kakaopulver weniger als 20 % Kakaobutter in der Trockenmasse nein
Schokoladenpulver mindestens 32 % Kakaopulver ja
Trinkschokoladenpulver, gezuckerter Kakao mindestens 25 % Kakaopulver ja
Kakaohaltiges Getränkepulver kein Mindestgehalt festgelegt ja, meist der Hauptanteil

Stark entölt oder schwach entölt ist keine Qualitätsfrage, sondern eine Frage der Textur. Schwach entöltes Pulver bringt mehr Kakaobutter mit, der Kakao wirkt dadurch voller im Mund. Stark entöltes Pulver ergibt ein leichteres Getränk und ist meist günstiger. Die US-Nährwertdatenbank USDA weist für ungesüßtes Kakaopulver 13,7 Gramm Fett je 100 Gramm aus, das liegt im Bereich der stark entölten Ware. Im Handel sind für schwach entöltes Pulver oft 20 bis 22 Prozent Fett angegeben, für stark entöltes 10 bis 12 Prozent; das sind Handelsüblichkeiten, keine Vorgaben der Verordnung.

Davon zu trennen ist die echte Trinkschokolade: geschmolzene Kuvertüre in heißer Milch, ohne Pulver. Sie wird dicker, schwerer und deutlich fetthaltiger. Wie das geht, steht in unserer Anleitung zu heißer Schokolade aus Kuvertüre, und die dickflüssige Pariser Variante haben wir unter Trinkschokolade wie in Paris beschrieben. Für eine Kanne voll Kinderbecher ist sie ehrlich gesagt zu mächtig, als Nachtisch für zwei Personen dagegen genau richtig.

Warum das Fertigpulver so süß ist und was Selbstmischen bringt

Öko-Test hat im Magazin 5/2023 fünfzehn Kakaopulver untersucht, alle mit kindgerechter Aufmachung, eingekauft im Januar 2023. Neun Produkte enthielten mehr als 80 Prozent Zucker. In jedem einzelnen Produkt war Zucker die Hauptzutat, nicht Kakao. Sieben Pulver enthielten Mineralölrückstände vom Typ MOSH, vier Cadmium. Nestlé Nesquik und Kaba fielen zusätzlich wegen fehlender Angaben zur Lieferkette durch.

Dass das kein neues Phänomen ist, zeigt ein älterer Test der Stiftung Warentest vom 12. Dezember 2008. Dort kamen Kakaogetränkepulver auf bis zu 81 Prozent Zucker. Ein Glas eines Discounter-Pulvers brachte es auf 19,1 Gramm Zucker und 209 Kilokalorien. Die Tester rechneten damals: Ein gehäufter Teelöffel Getränkepulver entspricht im Schnitt etwa einem Stück Würfelzucker. Für Kinder unter sechs Jahren hielten sie zwei Teelöffel auf ein Glas Milch für zu viel und empfahlen anderthalb.

Der Grund dafür ist einfach: Kakao schmeckt pur bitter und etwas sauer, Zucker ist billig und macht ihn sofort kindertauglich. Unsere Hausmischung besteht dagegen aus zwei Teilen Kakaopulver und einem Teil Zucker, dazu eine Prise Salz. Das sind rund 33 Prozent Zucker statt 80.

Die folgende Tabelle rechnet alle Varianten auf einen Kinderbecher mit 200 Millilitern um. Die Zuckermengen sind von uns gerechnet, mit 3 Gramm je Stück Würfelzucker und den jeweils angenommenen Pulveranteilen. Der Milchzucker der Milch ist nicht enthalten: Er steht zwar auf jeder Packung, zählt nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation aber nicht zu den freien Zuckern.

Variante pro 200-ml-Becher Menge Zugesetzter Zucker Entspricht etwa
Kakaohaltiges Getränkepulver mit 80 % Zucker 2 gehäufte TL, rund 8 g rund 6,4 g 2 Stück Würfelzucker
Schokoladenpulver, angenommen 65 % Zucker 2 gehäufte TL, rund 8 g rund 5,2 g knapp 2 Stück
Trinkschokolade aus 70-prozentiger Kuvertüre rund 20 g Kuvertüre rund 6 g 2 Stück
Unsere Hausmischung, 2 Teile Kakao zu 1 Teil Zucker rund 9 g rund 3 g 1 Stück
Reines Kakaopulver, ungesüßt rund 6 g 0 g kein Würfel

Zwei Dinge fallen auf. Erstens ist selbst gemischter Kakao nicht automatisch zuckerfrei, sondern halbiert die Menge etwa. Zweitens ist Trinkschokolade aus Kuvertüre keine zuckerarme Alternative: In einer 70-prozentigen Kuvertüre stecken rund 30 Prozent Zucker, und davon brauchst du für einen Becher deutlich mehr Gramm als von Pulver.

Das Grundrezept: eine Kanne für sechs bis acht Kinderbecher

Die Mengen reichen für 1,5 Liter fertigen Kakao, also sechs Becher à 250 Milliliter oder knapp acht Becher à 200 Milliliter. Eine 1,5-Liter-Thermoskanne nimmt genau das auf.

  1. 1,5 Liter Milch in einen weiten Topf geben und bei mittlerer Hitze erwärmen.
  2. 45 Gramm Kakaopulver, 22 Gramm Zucker und eine kräftige Prise Salz in einer Schüssel trocken vermischen. Das Trockenmischen verhindert Klümpchen zuverlässiger als jedes Rühren im Topf.
  3. Rund 150 Milliliter der warmen Milch abnehmen und mit der Pulvermischung zu einer glatten Paste verrühren.
  4. Die Paste zurück in den Topf geben und mit dem Schneebesen unterrühren.
  5. Bei rund 75 bis 80 Grad Celsius vom Herd nehmen, kurz stehen lassen und vor dem Eingießen noch einmal aufschlagen.

Pro Becher mit 200 Millilitern landen so rund 6 Gramm Kakaopulver und 3 Gramm Zucker im Getränk. Magst du es kräftiger, erhöhst du das Kakaopulver auf 60 Gramm und lässt den Zucker, wo er ist. Mit nur 15 Gramm Zucker schmeckt die Mischung herber und braucht etwas mehr Vanille als Ausgleich.

Für die milchfreie Variante tauschst du die Milch eins zu eins gegen Haferdrink. Haferdrink bringt durch den enzymatisch aufgespaltenen Stärkeanteil eine eigene Süße mit, deshalb reichen hier 15 Gramm Zucker. Barista-Versionen enthalten mehr Fett und machen den Kakao runder; die Hintergründe dazu stehen in unserem Text zu Milchschaum aus Haferdrink. Reisdrink ist dünner und von sich aus süßer, der Kakao wirkt damit wässriger. Beide Drinks sind hier schlicht die Flüssigkeit für ein Getränk und kein Ersatz für Milch in der täglichen Ernährung.

Ein gestrichener Teelöffel Speisestärke auf 1,5 Liter, in kalter Flüssigkeit angerührt und am Ende eingerührt, macht den milchfreien Kakao sämiger. Mehr davon schmeckt nach Pudding.

Gewürze ohne Schärfe: Vanille, Zimt und ein Streifen Orange

Mexikanische Trinkschokolade arbeitet traditionell mit Chili. Für eine Kanne, aus der Vierjährige trinken, ist das keine gute Idee. Mild und trotzdem interessant wird es mit diesen vier Richtungen: Alle lassen sich in die Trockenmischung geben oder als Ganzes mitziehen lassen und vor dem Umfüllen entfernen.

  • Vanille: das Mark einer halben Schote oder ein halber Teelöffel Vanilleextrakt auf 1,5 Liter. Rundet den Kakao ab und erlaubt weniger Zucker.
  • Ceylon-Zimt: eine halbe Stange mitziehen lassen oder ein Viertel Teelöffel gemahlen. Ceylon-Zimt schmeckt feiner und weniger holzig als Cassia-Zimt.
  • Orangenschale: ein breiter Streifen von einer unbehandelten Orange, zehn Minuten mitziehen. Passt gut zur Jahreszeit und bringt Frische ohne Säure.
  • Kardamom: zwei angedrückte Kapseln auf 1,5 Liter. Eine Kapsel mehr und der Kakao kippt ins Parfümierte, also sparsam dosieren.

Nicht in die Kinderkanne gehören Tonkabohne und Chili, und auch Ingwer wird für kleine Kinder schnell zu scharf. Willst du selbst etwas Schärferes, würzt du deinen eigenen Becher nach. Welche Aromen überhaupt im Kakao angelegt sind, hängt stark von der Sorte ab; dazu haben wir die Kakaosorten Criollo, Forastero und Trinitario verglichen.

Temperatur und Transport: heiß genug, aber nie gekocht

Kakao soll nicht kochen. Milch setzt beim Erhitzen eine Haut an, die sich beim Kochen laufend neu bildet und an der Kannenwand festsetzt. Kochende Milch steigt außerdem schlagartig auf und brennt am Topfboden an, und der angebrannte Ton verschwindet aus dem Getränk nicht mehr.

Nimm den Topf deshalb bei rund 75 bis 80 Grad Celsius vom Herd. Der Rand beginnt dann leicht zu dampfen, es steigen aber noch keine Blasen auf. Ein Küchenthermometer macht die Sache einfach, geht aber auch ohne: Sobald sich die ersten feinen Bläschen am Topfrand sammeln, ist der Punkt erreicht.

In die Thermoskanne füllst du den Kakao direkt nach dem Aufschlagen. Spül die Kanne vorher mit heißem Wasser aus, sonst zieht sie die ersten Grad aus dem Getränk. Am Umzugsort schenkst du nicht sofort ein, sondern lässt den ersten Becher eine Minute stehen: Kinder trinken bei etwa 50 bis 55 Grad, nicht bei 75.

Gruppe mit leuchtenden Laternen bei einem Umzug in der Dämmerung
Nicht kochen lassen: Der Kakao wird unter ständigem Rühren nur heiß gezogen.
Unser Tipp

Für die Kanne am Laternenabend:

  • Thermoskanne vorwärmen: heißes Wasser hinein, zwei Minuten stehen lassen, ausgießen, dann befüllen.
  • Vor dem Einschenken schütteln oder umrühren – Kakaopulver setzt sich im Stehen unten ab.
  • Becher mitnehmen, die nicht umkippen: Henkelbecher aus Emaille oder Edelstahl mit breitem Boden.
  • Den ersten Becher als Temperaturtest nehmen und erst dann an die Kinder ausgeben.
  • Reste nicht zurück in die Kanne, sondern zu Hause neu erhitzen – und auch dann nicht kochen.

Theobromin und Koffein: warum der Kakao besser nachmittags läuft

Kakao enthält zwei verwandte Substanzen. Theobromin ist die mengenmäßig größere: Die USDA-Datenbank weist für ungesüßtes Kakaopulver 2.057 Milligramm je 100 Gramm aus, für alkalisiertes Pulver 2.634 Milligramm. Auf die 6 Gramm Kakaopulver in einem Kinderbecher umgerechnet sind das rund 125 bis 160 Milligramm Theobromin (von uns gerechnet). Zum Vergleich: Zartbitterschokolade mit 70 bis 85 Prozent Kakaoanteil kommt auf 802 Milligramm je 100 Gramm.

Die zweite Substanz ist Koffein, und die liegt deutlich niedriger. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt für eine Tasse Kakaogetränk 8 bis 35 Milligramm Koffein, für eine halbe Tafel Zartbitterschokolade 25 Milligramm und für eine halbe Tafel Milchschokolade 10 Milligramm. Laut der dort zitierten EFSA-Einschätzung stammt die Koffeinaufnahme von Kindern in Deutschland zu bis zu 85 Prozent aus Schokolade.

Einen eigenen Grenzwert für Kinder hat die EFSA nicht abgeleitet, weil die Datenlage dafür nicht ausreicht. Als Orientierung gelten 3 Milligramm Koffein je Kilogramm Körpergewicht, sowohl für eine Einzeldosis als auch für den Tag. Für ein Kind mit 20 Kilogramm wären das rund 60 Milligramm am Tag (von uns gerechnet). Eine Tasse Kakao am oberen Ende der BfR-Spanne läge damit bei gut der Hälfte.

Zum Schlaf schreibt die EFSA, dass Einzeldosen von 100 Milligramm – etwa 1,4 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht – bei manchen Erwachsenen Schlafdauer und Schlafmuster beeinflussen können, besonders kurz vor dem Zubettgehen. Die Aussage bezieht sich auf Erwachsene, die EFSA überträgt sie nicht auf Kinder. Auf 20 Kilogramm umgerechnet wären 1,4 Milligramm je Kilogramm rund 28 Milligramm – ein Wert innerhalb der BfR-Spanne für eine Tasse Kakao.

Daraus folgt kein Verbot. Die naheliegende Konsequenz ist schlicht: Der große Becher Kakao passt besser auf den Nachmittag oder den frühen Abend als auf die letzte halbe Stunde vor dem Bett. Am Martinstag ist das kein Problem, die Umzüge starten meist in der Dämmerung.

Für den 11. November brauchst du also nicht mehr als einen Topf, 45 Gramm Kakaopulver, gut 20 Gramm Zucker und eine vorgewärmte Kanne. Du kommst damit auf etwa die Hälfte des Zuckers eines handelsüblichen Getränkepulvers und entscheidest selbst, ob Vanille, Zimt oder ein Streifen Orangenschale dazukommt. Den Rest erledigt der Abend.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Bundesamt für Justiz, gesetze-im-internet.de: Kakaoverordnung (KakaoV 2003), Anlage 1: Kakaoerzeugnisse, abgerufen 24.10.2026.
  2. Öko-Test: Kakao im Test: Nur ein Pulver für Kinder überzeugt mit sehr gut (ÖKO-TEST Magazin 5/2023), 07.12.2023.
  3. Stiftung Warentest: Kakaogetränkepulver: Mehr Zucker als Kakao, 12.12.2008.
  4. Stiftung Warentest: Kakaogetränkepulver: Welches Pulver für wen?, 12.12.2008.
  5. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): EFSA explains risk assessment: Caffeine, 2015.
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Frequently asked questions on caffeine and foods containing caffeine, including energy drinks, 23.07.2015.
  7. USDA FoodData Central, aufbereitet von getfoodfacts.com: Foods highest in theobromine (SR Legacy), Datenstand 30.04.2026.
  8. USDA FoodData Central, aufbereitet von getfoodfacts.com: Cocoa, dry powder, unsweetened (FDC-ID 169593), Datenstand 30.04.2026.

Bildnachweis

  1. Gruppe mit leuchtenden Laternen bei einem Umzug in der Dämmerung – Foto: Ryan Franco / Unsplash