Gewaschener Kaffee schmeckt meist klar und säuerlich, ein Natural fruchtig und vollmundig, Honey liegt mit mehr Süße dazwischen, weil jeweils unterschiedlich viel Frucht an der Bohne trocknet.Die drei Verfahren im Vergleich, Honey-Stufen, anaerobe Gärung und eine Verkostung für zu Hause.

Die Kaffeebohne ist der Samen einer Kirsche. Um ihn liegen Haut, Fruchtfleisch und eine klebrige, zuckerhaltige Schleimschicht. In Mittelamerika heißt diese Schicht „miel“, also Honig. Darunter folgt noch eine dünne Pergamenthaut.

Nach der Ernte muss der Samen trocknen, sonst verdirbt er. Laut dem Rohkaffee-Importeur Cafe Imports finden Mikroorganismen ab etwa 11 % Feuchte keinen Halt mehr. Die Rösterei Ozone nennt als Ziel 10 bis 12 %. Wie viel Frucht bis dahin an der Bohne bleibt, unterscheidet die drei Verfahren.

Die Auswahl ist redaktionell, es gibt keine bezahlten Platzierungen. Mit * markierte Links sind Affiliate-Links zu Amazon: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Wir haben die Produkte nicht selbst getestet; Plus und Minus beruhen auf Herstellerangaben und Händlerbeschreibungen. Preise sind Richtwerte aus deutschen Shops, Stand Oktober 2026, Preis und Verfügbarkeit bei Amazon können abweichen.

Die drei Verfahren im Vergleich: viel, wenig oder keine Frucht

Beim Natural trocknet die ganze Kirsche. Beim Washed wird die Frucht vor dem Trocknen komplett entfernt. Honey liegt dazwischen, denn hier bleibt die Schleimschicht ganz oder teilweise dran. Daraus folgen Aufwand, Risiko und Geschmack.

Washed Honey Natural
vor dem Trocknen entfernt Haut, Fruchtfleisch, Schleimschicht Haut und Fruchtfleisch, Schleimschicht ganz oder teilweise nicht nichts, die ganze Kirsche trocknet
Gärschritt im Tank, 8 bis 72 Stunden kein eigener Tank läuft beim Trocknen in der Frucht mit
Trocknung im Versuch aus Yunnan 9 Tage 10 Tage 19 Tage
Wasserbedarf hoch, je nach Technik gering, die Bohne wird nicht gewaschen kaum
typischer Geschmack klar, deutliche Säure, leichter Körper runder in der Säure, mehr Süße und Schokolade fruchtig bis weinig, schwerer Körper
Hauptrisiko Wasser und Abwasser Schimmel, verklebte Schälmaschinen Schimmel und Übergärung

Die Trocknungstage stammen aus einem einzelnen Versuch mit Arabica aus der chinesischen Provinz Yunnan. Sie zeigen das Verhältnis, keine festen Werte. Wetter, Höhe und Trockenbett verändern die Dauer stark. Die Geschmacksangaben sind Tendenzen. Sorte, Reife und Röstung reden kräftig mit.

Kaffeebauer hält einen Eimer mit frisch geernteten, reifen Kaffeekirschen
Frisch geerntete Kaffeekirschen. Erst danach entscheidet sich, wie viel Frucht beim Trocknen an der Bohne bleibt.Foto: Candes J / Unsplash

Natural: die ganze Kirsche trocknet in der Sonne

Die natürliche Aufbereitung kommt ohne Waschanlage aus. Die Kirschen werden sortiert und ausgebreitet, auf Terrassen, Hochbetten oder Trockentischen. Laut Cafe Imports dauert das Trocknen im Schnitt bis zu 30 Tage, wenn das Wetter mitspielt. Danach schält eine Maschine die harte, getrocknete Hülle ab.

Verbreitet ist das Verfahren vor allem in Äthiopien, im Jemen, in Brasilien und in Costa Rica. Es braucht viel Platz und Arbeit. Die Gärung beginnt schon mit dem Pflücken und läuft beim Trocknen weiter. Die Kirschen müssen deshalb regelmäßig gewendet werden, sonst drohen Schimmel und Übergärung.

Gelingt ein Natural, schmeckt er fruchtig, oft weinig oder leicht alkoholisch. Dazu kommen nussige und schokoladige Noten und ein schwerer, fast sirupartiger Körper. Geht die Gärung zu weit, schmeckt die Tasse nach vergorener Frucht. Manche mögen genau das, andere halten es für einen Fehler.

Washed: ohne Frucht getrocknet, klar im Geschmack

Beim gewaschenen Kaffee kommen die Kirschen zuerst ins Wasser. Unreife und beschädigte Früchte schwimmen oben und werden abgeschöpft. Eine Maschine, der Pulper, quetscht dann Haut und Fruchtfleisch ab. Die Schleimschicht haftet aber fest an der Bohne.

Deshalb gärt der Kaffee meist in einem Tank, bis Hefen und Bakterien die Schicht gelöst haben. Laut Ozone dauert das 8 bis 72 Stunden, je nach Höhe, Temperatur und Absicht des Betriebs. In Kenia folgt nach dem ersten Spülen oft noch ein Einweichen von 12 bis 24 Stunden. Danach trocknet der saubere Kaffee auf 10 bis 12 % Feuchte.

Weil kaum Zucker an der Bohne bleibt, trocknet Washed vergleichsweise sicher. Im Geschmack steht das Verfahren für Klarheit, eine deutliche Säure und einen leichteren Körper. Die Aromen wirken klar voneinander abgegrenzt.

Der Preis dafür ist Wasser. Das kolumbianische Kaffeeforschungsinstitut Cenicafé hat 2014 Waschverfahren verglichen. Gemessen wurde in Litern pro Kilogramm getrocknetem Pergamentkaffee.

Waschverfahren laut Cenicafé Wasser pro kg Pergamentkaffee
Waschkanal (correteo) 28 bis 35 l
Tank, von Hand gerührt rund 4,2 l
Maschine BECOLSUB 2500 1,0 l
Maschine ECOMILL 1500 0,4 l

Hinzu kommt Abwasser voller Zucker und Fruchtreste, das geklärt werden muss. Den ältesten bekannten Bericht über das Waschen von Kaffee schrieb laut Barista Hustle der französische Pflanzer Laborie. Er beschrieb es 1798 für die Karibikkolonie Saint-Domingue.

Honey: Gelb, Rot, Schwarz und was die Farben bedeuten

Bei Honey entfernt der Pulper Haut und Fruchtfleisch. Die Schleimschicht bleibt ganz oder teilweise an der Bohne und trocknet mit. Der Name beschreibt ihre klebrige Konsistenz. Honig wird nicht zugesetzt.

Laut Coffee Review entwickelten Produzenten in Brasilien das verwandte Pulped-Natural-Verfahren, vermutlich in den 1990er-Jahren. In Costa Rica setzte sich der Name Honey durch. Die Mühle Las Lajas kam 2008 unfreiwillig dazu. Ein Erdbeben schnitt sie mitten in der Ernte wochenlang vom Wasser ab, also trocknete sie mit Frucht. Die ersten Verkoster fanden das unsauber, später wurde genau diese Süße gesucht.

Auf Packungen stehen oft Farben. Sie sind nicht genormt, die Quellen beschreiben sie unterschiedlich. Die meisten Mühlen steuern die Farbe laut Barista Magazine darüber, wie viel Schleim sie vor dem Trocknen abnehmen.

Stufe laut Barista Magazine laut Coffee Review
Yellow Honey der größte Teil der Schleimschicht wird entfernt ein Teil wird maschinell entfernt
Red Honey etwa die Hälfte wird entfernt die ganze Schleimschicht bleibt dran
Black Honey die ganze Schleimschicht bleibt dran sehr süße Kirschen aus der Hauptsaison, trocknen dunkler als Red

Las Lajas lässt sogar immer die ganze Schleimschicht dran und steuert die Farbe über die Trocknung. Coffee Review hat 19 Honey-Kaffees aus Mittelamerika verkostet. Sie waren runder in der Säure als gewaschene, weniger zitrisch und schokoladiger, dazu meist süßer. Das größte Risiko sind Schimmel und Schälmaschinen, die von der klebrigen Schicht verkleben.

Was Studien zeigen: Säure, Zucker und ein Versuch aus Yunnan

Ein Forschungsteam hat 2025 Kirschen derselben Arabica-Pflanzung auf alle drei Arten aufbereitet. Der Washed gärte 36 Stunden, Honey kam direkt nach dem Pulpen zum Trocknen. Drei geschulte Verkoster mit Q-Grader-Zertifikat bewerteten die Tassen. Die Säure war beim Washed am höchsten und beim Natural am niedrigsten.

Der Natural schmeckte nach Mandel, Honig, Ahornsirup und Trockenfrüchten, mit einer leicht alkoholischen Note. Washed und Honey ähnelten sich und zeigten Karamell und Zitrus, Honey dazu eine florale Note. Alle Proben kamen über 80 Punkte. Es war eine Partie aus einer Region, die Ergebnisse lassen sich nicht verallgemeinern.

Braunschweiger Forscher haben schon 2010 den Zucker im Rohkaffee untersucht. Gewaschene Bohnen enthalten deutlich weniger Glukose und Fruktose als natürlich aufbereitete. Ausgespült wird der Zucker dabei kaum. Er nahm am ersten Trocknungstag stark ab, ganz ohne Wasser. Die Forscher erklären das mit dem Stoffwechsel des noch lebenden Samens.

Saccharose, der mit Abstand häufigste Zucker im Rohkaffee, blieb dagegen fast gleich, bei rund 6000 mg pro 100 g Trockenmasse. Glukose und Fruktose machen davon nur einen kleinen Teil aus. Auch der Röstgrad verschiebt Säure und Süße, mehr dazu im Vergleich Röstgrad hell, mittel, dunkel.

Grüne, ungeröstete Kaffeebohnen in einem Jutesack, von oben fotografiert
Grüner Rohkaffee im Jutesack. Wie viel einfacher Zucker darin steckt, hängt auch von der Aufbereitung ab.Foto: Yasin Onus / Unsplash
Unser Tipp

So schmeckst du die Aufbereitung selbst:

  • Kauf zwei Kaffees derselben Rösterei und Region, einen Washed und einen Natural.
  • Achte auf einen ähnlichen Röstgrad, sonst vergleichst du die Röstung mit.
  • Brüh beide gleich, am besten im Handfilter mit derselben Dosis und Mahlstufe.
  • Lass die Tassen etwas abkühlen und probier sie im Wechsel.
  • Notiere, wo dir Säure, Frucht und Körper auffallen, und nimm später einen Honey dazu.

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Rezepte und Mahlgrade für den Vergleich stehen im Ratgeber Handfilter V60, Kalita und Chemex.

Anaerob und Carbonic Maceration: Gärung ohne Sauerstoff

Seit einigen Jahren steht auf Packungen auch „Anaerobic“ oder „Carbonic Maceration“. Gemeint ist eine Gärung unter Luftabschluss, in verschlossenen Säcken, Fässern oder Tanks. Laut Coffee Review dauert sie meist rund einen bis sechs Tage, danach wird getrocknet. Bei der Carbonic Maceration wird zusätzlich Kohlendioxid eingeleitet, das den Sauerstoff verdrängt.

Anaerob ist kein viertes Verfahren. Der Gärschritt lässt sich mit ganzen Kirschen kombinieren oder mit entpulptem Kaffee, der danach gewaschen oder als Honey getrocknet wird. Die Idee stammt aus der Weinherstellung. Als Wegbereiter im Kaffee gilt laut Sprudge der Australier Sasa Sestic. Er wurde 2015 mit einem so aufbereiteten Kaffee aus Kolumbien Barista-Weltmeister.

Reihen großer Gärtanks in einem Weingut
Gärtanks in einem Weingut. Die Gärung unter Luftabschluss kam aus dem Wein in den Kaffee.Foto: Joao Vitor Marcilio / Unsplash

Wie die Tasse schmeckt, hängt stark von der Temperatur ab. Der nicaraguanische Betrieb Fincas Mierisch beschreibt warme Gärungen mit Noten von Zimt, Nelke und braunem Zucker. Kühle Gärungen bei 8 bis 10 °C bringen eine klarere, lebhafte Säure. Weil eine misslungene Gärung die ganze Partie kosten kann, arbeitet der Betrieb mit höchstens zehn Säcken zu je 69 kg.

Coffee Review hat 2021 insgesamt 43 anaerobe Kaffees verkostet. Typisch waren große Intensität, voller Körper und oft mehr Süße. Dazu kamen milchsaure Noten wie Joghurt oder Kefir, manchmal auch erdige oder würzige Töne. Lies bei solchen Kaffees die Verkostungsnotizen der Rösterei genau.

Für den Einkauf reicht eine einfache Faustregel. Magst du klare Filterkaffees mit deutlicher Säure, greif zu Washed. Suchst du Frucht und Fülle, probier einen Natural, und für Süße mit weicher Säure einen Honey. Damit die Unterschiede in der Tasse ankommen, hilft frischer Kaffee, Tipps dazu stehen im Ratgeber Kaffee frisch lagern.

Alle Produktangaben beruhen auf Hersteller- und Händlerangaben, wir haben die Produkte nicht selbst getestet.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Cafe Imports: Natural Process, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  2. Ozone Coffee: Washed Process Coffee Explained, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  3. Oliveros, C. E. u. a., Cenicafé 65(1), 44–56: Tecnología de bajo impacto ambiental para el lavado del café en proceso con fermentación natural, 2014.
  4. Anja Rahn, Barista Hustle: Washed Coffee’s Chocolaty Origins, 30.07.2024.
  5. Kenneth Davids, Coffee Review: Honey and Pulped Natural Coffees, 03.09.2012.
  6. Erin Meister, Barista Magazine: Hello, Honey: A Look at the Costa Rican Process That’s Making Coffee Colorful, 16.03.2017.
  7. Wang, Y. u. a., Current Research in Food Science 10, 101108: Lipidomic profiling provides insights on Arabica coffee flavor diversity in different postharvest processing methods, 2025.
  8. Kleinwächter, M.; Selmar, D., Food Chemistry 119, 500–504: Influence of drying on the content of sugars in wet processed green Arabica coffees, 2010.
  9. Kenneth Davids, Kim Westerman, Coffee Review: Anaerobically Processed Coffees, 11.05.2021.
  10. Liz Clayton, Sprudge: What Does Anaerobic Fermentation Mean For Coffee?, 04.10.2022.
  11. Kaffeemacher: Comandante C40 MK4 Nitro Blade Handmühle (Alpine Lagoon, 222,00 €), abgerufen 24.10.2026.
  12. Geizhals, Preisvergleich (u. a. Aromatico, Coffee Circle, Moba Coffee): Comandante C40 MK4 Nitro Blade alpine lagoon (204,85 bis 225,00 €), Preisstand 24.10.2026, abgerufen 24.10.2026.
  13. Hario Europe: V60 Ceramic Colour Drippers, 02 Size (Matte Black, 39,90 €), abgerufen 24.10.2026.
  14. Kaffeemacher: Hario V60 Filter 02 – Glas (18,90 €), abgerufen 24.10.2026.