Assam lieferte 2024 rund 650 Millionen Kilogramm Tee und damit etwa die Hälfte der indischen Ernte – knapp neun von zehn Kilo davon nach dem CTC-Verfahren.Der malzige Second Flush, CTC und Orthodox, die Blattgrade FTGFOP und BOP und die Dosierung.

Assam ist der Tee, den viele täglich trinken, ohne ihn beim Namen zu kennen. Er steckt im Frühstücksbeutel, in der ostfriesischen Mischung und im Masala Chai. Gleichzeitig gibt es aus derselben Region lose Blatttees mit goldenen Spitzen, die im Fachhandel über 100 € pro Kilo kosten. Beides wächst im selben Tal, nur das Verfahren in der Fabrik ist ein anderes.

Brahmaputra-Tal: Tee aus dem Tiefland statt aus den Bergen

Assam liegt im Nordosten Indiens. Die Teegärten ziehen sich durch das Tal des Brahmaputra, auf nährstoffreichen Schwemmlandböden. Anders als Darjeeling ist Assam kein Hochlandtee: Der Großteil wächst im Tiefland, vielfach auf oder nahe Meereshöhe, bei feuchtheißem Monsunklima.

Die Pflanze ist eine eigene, in der Region heimische Varietät: Camellia sinensis var. assamica. Sie bildet deutlich größere, weichere Blätter als die chinesische Varietät. Großes Blatt plus warmes Tiefland ergibt die Kombination, für die Assam bekannt ist: viel Substanz, dunkle Tassenfarbe, kräftiger Körper.

Die Größenordnung zeigen die Zahlen des Tea Board of India: 2024 produzierte Assam rund 649,8 Millionen Kilogramm Tee, die indische Gesamtproduktion lag bei rund 1.285 Millionen Kilogramm. Assam stellt damit rund die Hälfte des indischen Tees (von uns gerechnet).

1823 bis 1839: vom wilden Strauch zur ersten Londoner Auktion

1823 sah Robert Bruce auf einer Handelsreise wilde Teepflanzen in Assam, vermittelt über einen Kontakt zum Volk der Singpho. Ein Jahr später bekam sein Bruder C. A. Bruce Pflanzen und Samen von einem Singpho-Anführer. Die britische Kolonialverwaltung setzte 1834 ein Tea Committee ein, 1835 folgte eine Kommission für Versuchsgärten.

1836 gingen die ersten Proben einheimischer Pflanzen nach Kalkutta, 1838 acht Kisten Assam-Tee nach London. Am 10. Januar 1839 kam die Ladung dort unter den Hammer. Diese Auktion gilt als Startpunkt des Welthandels mit indischem Tee. Einer der frühen Versuchsstandorte lag bei Chabua, rund 25 Kilometer östlich von Dibrugarh.

Die Kommission war sich damals uneins, ob chinesische Pflanzen oder die einheimische Assam-Varietät gesetzt werden sollten. Durchgesetzt hat sich die heimische Pflanze.

First Flush und Second Flush: der malzige Ton kommt im Sommer

Assam wird nicht ganzjährig gleich geerntet. Die Pflückperiode reicht grob von März bis Dezember, und die Ernte zerfällt in Pflückrunden, die Flushes heißen. Der First Flush beginnt im März. Er ergibt einen vergleichsweise frischen, leichteren Tee mit weniger Tiefe.

Der Second Flush beginnt im Sommer, in vielen Jahren ab Mai und voll ausgeprägt im Juni. Er ist der Grund für den Ruf des Assam. Die Blätter bringen viele junge, goldene Blattspitzen mit, auf Englisch Tips, weshalb der Tee als „tippy“ gehandelt wird. Er gilt als voller, süßer und malziger als der First Flush; Händlerbeschreibungen nennen regelmäßig Malz mit einem Hauch Honig.

Der Vergleich mit dem bekanntesten indischen Hochlandtee lohnt sich: Beim Darjeeling First und Second Flush liegt der Reiz des First Flush in der Frische, beim Assam dagegen im Second Flush. Zwei Regionen, dieselben Begriffe, umgekehrte Vorzeichen.

Pflückrunde Zeitraum Charakter
First Flush ab März leichter, frischer, weniger Tiefe
Second Flush ab Mai, voll ab Juni malzig, süßer, voller Körper, viele goldene Tips
Spätere Pflückungen bis Dezember meist Massenware, oft CTC

Die Monatsangaben sind Richtwerte: Witterung und Garten verschieben den Start um Wochen.

CTC gegen Orthodox: zwei Verfahren, zwei Preisklassen, viele Kürzel

Der größte Unterschied im Assam-Regal ist nicht der Garten, sondern die Maschine. Bei der orthodoxen Herstellung wird das Blatt gewelkt, gerollt, fermentiert, getrocknet und sortiert. Es bleibt dabei weitgehend erhalten, mit sichtbaren Spitzen.

CTC steht für Crush, Tear, Curl, also quetschen, reißen, rollen. Statt des schonenden Rollens laufen die Blätter zwischen Walzen mit hunderten scharfen Zähnen durch und werden zu kleinen, harten Kügelchen geformt. Die erste CTC-Maschine ging 1930 im Teegarten Amgoorie in Assam in Betrieb, entwickelt unter William McKercher. Ab 1950 verbreitete sich das Verfahren rasch in Indien und Afrika.

Der Effekt in der Tasse ist deutlich. CTC gibt sehr schnell Farbe und Gerbstoff ab, der Tee wird dunkel und kräftig, aber eher gleichförmig. Die Kritik am Verfahren lautet entsprechend, dass CTC die Unterschiede zwischen Schwarztees einebnet.

CTC Orthodox
Verfahren Blätter zwischen gezahnten Walzen zerquetscht, gerissen, gerollt gewelkt, gerollt, fermentiert, getrocknet, sortiert
Blattbild kleine, harte Kügelchen ganze bis gebrochene Blätter, oft mit goldenen Tips
Menge in Assam 2024 574,89 Mio. kg 71,84 Mio. kg
Aufguss sehr schnell dunkel und kräftig langsamer, mehr Zwischentöne
Typische Verwendung Teebeutel, Mischungen, gekochter Chai loser Blatttee, Einzelgarten-Tees
Preislage niedrig höher

Das Kräfteverhältnis ist klar: 2024 entfielen in Assam rund 88,9 Prozent der Produktion auf CTC und rund 11,1 Prozent auf Orthodox (von uns aus den Tea-Board-Zahlen gerechnet). Orthodox ist in Assam also die Ausnahme, nicht die Regel.

Orthodoxe Tees werden anschließend nach Blattgröße und Spitzenanteil sortiert. Die Kürzel auf der Packung beschreiben das Aussehen des trockenen Blattes, nicht den Geschmack und nicht die Qualität des Gartens. Trotzdem helfen sie beim Einordnen.

  • OP (Orange Pekoe): lange, drahtige ganze Blätter, eher leichte Tasse. Mit Orangen hat der Name nichts zu tun.
  • FOP (Flowery Orange Pekoe): überwiegend ganze Blätter mit einem Anteil junger Knospen.
  • GFOP und TGFOP (Golden beziehungsweise Tippy Golden Flowery Orange Pekoe): sichtbare goldene Spitzen, bei TGFOP mehr davon.
  • FTGFOP (Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe): feine Pflückung mit vielen Spitzen, oft mit angehängter 1 als FTGFOP1.
  • SFTGFOP (Special Finest …): oberste Stufe mit besonders vielen feinen Spitzen.
  • BOP (Broken Orange Pekoe): gebrochene, kleinere Blätter, ziehen schneller, kräftigere Tasse.
  • BOPF und Dust: feine Partikel und Staub, sehr schnelle, kräftige Infusion, typisch für Beutel.

Praktisch heißt das: Ein FTGFOP1 ist ein feiner Blatttee mit vielen Tips und braucht etwas mehr Ziehzeit. Ein BOP legt schneller los und verträgt Milch gut. Kräftige Frühstücks- und Ostfriesenmischungen setzen traditionell auf gebrochene Grade und CTC.

Aufgießen: rund 13 Gramm pro Liter, kochendes Wasser, kurze Zeit

Assam ist unkompliziert. Anders als Grüntee verträgt er volle Hitze: Fachhändler empfehlen sprudelnd kochendes Wasser mit 95 bis 100 °C. Eine gängige Dosierung sind 13 Gramm loser Tee pro Liter, also rund 1,3 Gramm auf 100 Milliliter.

Bei der Ziehzeit gehen die Empfehlungen auseinander, und das liegt am Blattgrad. Für feinen Blatttee werden bis zu 4 Minuten genannt, für kräftigere Mischungen eher maximal 3 Minuten, damit die Tasse nicht zu bitter wird. Fang mit 3 Minuten an und verlängere in 30-Sekunden-Schritten. Die Grundlagen stehen in unserem Ratgeber Tee richtig aufgießen.

Variante Menge Temperatur Ziehzeit
Assam Blatttee (FTGFOP, TGFOP) rund 13 g pro Liter 95 bis 100 °C 3 bis 4 min
Assam gebrochen (BOP) oder Mischung rund 13 g pro Liter 95 bis 100 °C 2 bis 3 min
CTC für gekochten Chai nach Rezept, mit Milch kochend mehrere Minuten im Topf

Zwei klassische Einsatzgebiete nutzen genau diese Kraft. Die ostfriesische Teemischung ist in Deutschland der bekannteste Ort für Assam: dunkel, kräftig, serviert mit Kandis und Sahne. Masala Chai wird nicht aufgegossen, sondern mit Milch, Zucker und Gewürzen aufgekocht. Dafür passt CTC gut, weil er beim Kochen schnell Farbe und Kraft abgibt.

Junge Triebe und Blattspitzen eines Teestrauchs in Nahaufnahme
Die jungen Blattspitzen heißen auf Englisch Tips. Verarbeitet färben sie sich golden und prägen den malzigen Second Flush.
Unser Tipp

So holst du mehr aus deinem Assam heraus:

  • Nimm für den ersten Versuch einen Second Flush: malzig, süßer und typischer als ein First Flush.
  • Dosiere mit der Waage, rund 13 Gramm pro Liter, statt mit dem Löffel zu schätzen.
  • Wasser sprudelnd kochen lassen, Assam braucht die volle Hitze.
  • Starte bei 3 Minuten und verlängere schrittweise, statt den Tee von Anfang an lange ziehen zu lassen.
  • Lagere losen Tee dunkel und trocken in einer dichten Dose, nicht neben Kaffee oder Gewürzen.

Assam-Logo, Preise und Kauf: worauf du achtest

Für Assam gibt es einen Herkunftsschutz. Das Tea Board of India ließ die Wortmarke „ASSAM (Orthodox)“ und das zugehörige Logo am 19. November 2007 nach dem indischen Geographical-Indications-Gesetz von 1999 eintragen; als Zertifizierungsmarken für Tee wurden beide 2012 angemeldet. Verwenden darf sie nur ein lizenzierter Authorized User.

Die Bedingungen sind konkret: Der Tee muss aus einem gelisteten, nach dem Tea Act von 1953 registrierten Garten im festgelegten Gebiet stammen, dort verarbeitet werden, Tassenfarbe und Spritzigkeit eines Assam zeigen und von Prüftastern bestätigt werden. Wichtig: Der Schutz gilt ausdrücklich für Orthodox-Tee, nicht für CTC.

Bei den Preisen spannt sich ein weites Feld. Im deutschen Teefachhandel kostet ein loser Bio-Assam Second Flush im Grad FTGFOP1 in der 500-Gramm-Packung 25,25 €, also 50,50 € pro Kilo. Einzelgarten-Tees in kleinen Dosen liegen höher: 12,00 € für 100 Gramm entsprechen 120,00 € pro Kilo, beim Kilo-Gebinde sinkt derselbe Tee auf 102,00 € pro Kilo (deutsche Shops, Stand Oktober 2026). CTC-Ware aus dem Supermarkt liegt weit darunter.

Beim Kauf achtest du sinnvollerweise auf vier Angaben: Verfahren, Pflückrunde, Blattgrad und bei teureren Tees den Gartennamen samt Erntejahr. Fehlen alle vier, hast du eine anonyme Mischung in der Hand. Das muss nicht schlecht sein, rechtfertigt aber keinen hohen Preis.

Unsere Empfehlung: ein loser Assam zum Einstieg

Tee · rund 25 € für 500 g

Teekampagne Assam Second Flush FTGFOP1 bio, 500 g

loser Blatttee aus Assam, Bio, orthodox hergestellt

Plus: Second Flush im Blattgrad FTGFOP1, laut Händlerbeschreibung malzig mit einem Hauch Honig. Mit 50,50 € pro Kilo klar günstiger als 100-Gramm-Dosen im Fachhandel.

Minus: Teegarten und Erntejahr werden auf dieser Packung nicht benannt. 500 Gramm sind für einen Einpersonenhaushalt viel, Aroma verliert loser Schwarztee über die Monate auch in der dichten Dose. Preis 25,25 €, deutscher Shop, Stand Oktober 2026.

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Derselbe Name steht auf dem günstigsten Beutel und auf dem Blatttee mit goldenen Spitzen, und der Unterschied entsteht vor allem in der Fabrik. Probier einmal einen orthodoxen Second Flush neben deinem gewohnten Frühstückstee, gleiche Dosierung, gleiche Zeit. Mehr dazu in unserem Text zu Tee-Ritualen am Nachmittag.

Alle Preise sind Richtwerte aus deutschen Shops und können sich ändern. Wir haben die Produkte nicht selbst getestet.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Ministry of Commerce / Tea Board of India: Lok Sabha Question No. 4130: CTC und Orthodox in Assam, 25.03.2025.
  2. Tea Board of India: Regulations governing the use of the ASSAM (Orthodox) certification marks, abgerufen 24.10.2026.
  3. Indian Tea Association: The History of Assam Tea, abgerufen 24.10.2026.
  4. Tocklai Tea Research Institute: History of Tea Cultivation, abgerufen 24.10.2026.
  5. Wikipedia (Sekundärquelle): Assam tea, abgerufen 24.10.2026.
  6. Wikipedia (Sekundärquelle): Crush, tear, curl, abgerufen 24.10.2026.
  7. Tea Epicure: Tea Harvest Dates, abgerufen 24.10.2026.
  8. Tea and Coffee: Tea Grades, abgerufen 24.10.2026.
  9. Teekampagne (Projektwerkstatt GmbH): Assam-Tee: Warenkunde CTC und orthodoxe Herstellung, abgerufen 24.10.2026.
  10. memo AG: Teekampagne Assam Second Flush FTGFOP1 bio, 500 g, 25,25 €, abgerufen 24.10.2026.
  11. TeeGschwendner: Assam SFTGBOP Tonga Second Flush organic: Preise, 13 g pro Liter, abgerufen 24.10.2026.

Bildnachweis

  1. Junge Triebe und Blattspitzen eines Teestrauchs in Nahaufnahme – Foto: Pritindra Das / Unsplash

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