Für echten Masala Chai kochst du kräftigen Schwarztee mit Kardamom, Ingwer, Zimt und Nelken erst in Wasser, dann rund zehn Minuten mit Milch, und zwar in etwa zwei Teilen Wasser auf einen Teil Milch.Geschichte des Chai, Tee und Gewürze, ein Rezept für zwei Tassen und der Chai Latte im Café.

Chai heißt auf Hindi einfach Tee. Gemeint ist in Indien meist ein süßer, milchiger Schwarztee, den Straßenhändler in großen Töpfen kochen. Masala bedeutet Gewürzmischung, und genau die macht den Unterschied zum Teebeutel mit Milch. Das Gute: Du brauchst keine Spezialausrüstung, nur einen Topf, ein Sieb und ganze Gewürze.

Assam, Eisenbahn und Chaiwalas: wie Tee zum Volksgetränk wurde

In Assam im Nordosten Indiens wuchs Tee seit langer Zeit wild. Getrunken wurde er dort lange eher als Heilmittel denn als Genussgetränk. Das änderte sich mit dem kommerziellen Teeanbau unter britischer Herrschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts warb die britisch geführte Indian Tea Association mit Zeitungsanzeigen dafür, Tee auch in Indien selbst zu trinken.

Ein Gesetz von 1903 lenkte Abgaben aus dem Teehandel in die Werbung für Tee im In- und Ausland. An Bahnhöfen hingen Plakate in mehreren Sprachen, die das Aufbrühen erklärten. In den 1930er-Jahren gab es an fast jedem Bahnsteig einen Teestand. Chaiwalas liefen mit Kessel und Bechern durch die Abteile und riefen „Chai, Chai“.

Die Händler kochten den Tee allerdings auf ihre Art: mit viel Milch, viel Zucker und Gewürzen wie Ingwer, Kardamom und Nelken. Die Indian Tea Association sah diese Art der Zubereitung anfangs kritisch. Durchgesetzt hat sich trotzdem der gewürzte Milchtee, den wir heute Masala Chai nennen.

Gebündelte Zimtstangen und Sternanis auf einem Teller
Zimt, Kardamom, Nelken und Ingwer geben dem Masala Chai seinen Duft.

Der richtige Tee: kräftiger Assam statt feiner Darjeeling

Als Basis dient meist Assam, daneben auch Darjeeling oder Nilgiri. Für Chai eignet sich besonders Assam im CTC-Verfahren. CTC steht für crush, tear, curl: Die Blätter werden zerdrückt, zerrissen und zu kleinen Kügelchen gerollt. Der Tee gibt dadurch schnell viel Farbe und Kraft ab und behauptet sich gegen Milch und Gewürze.

Ein feiner Darjeeling ist im Chai eher verschenkt, sein blumiges Aroma geht unter. Wie sich die Pflückungen dort unterscheiden, liest du bei Darjeeling First und Second Flush. Hast du nur Teebeutel im Haus, funktioniert ein kräftiger Frühstückstee als Notlösung.

Die Gewürze: Kardamom, Ingwer, Zimt und ihre Begleiter

Eine feste Mischung gibt es nicht, jede Familie und jeder Chaiwala hat eine eigene. Am häufigsten sind Kardamom, frischer Ingwer und Zimt. Dazu kommen oft Nelken, schwarzer Pfeffer oder Sternanis, manchmal auch Minze oder Zitronengras. Fenchelsamen tauchen in vielen Hausrezepten auf, gehören aber nicht zum festen Kern.

Gewürz Form im Topf Was es beiträgt
Grüner Kardamom Kapseln leicht angedrückt das typische, frisch-süßliche Chai-Aroma
Ingwer frisch in Scheiben oder gerieben Schärfe und Wärme
Zimt Stange, am besten Ceylon-Zimt Süße und Holzigkeit
Nelken ganz, sparsam dosiert würzige Tiefe, wird schnell dominant
Schwarzer Pfeffer ganze Körner Schärfe im Abgang
Fenchel oder Sternanis optional Anisnote

Ganze Gewürze halten ihr Aroma länger als gemahlene. Stoß sie kurz vor dem Kochen im Mörser an, damit die ätherischen Öle schneller ins Wasser gehen.

Rezept für zwei Tassen: Mengen, Milch und Kochzeit

Unser Rezept ist von uns halbiert nach dem Masala Chai aus dem Kochbuch „Dishoom: From Bombay with Love“ des gleichnamigen Londoner Restaurants. Das Original ist für vier Personen gedacht. Weil der Chai rund 20 Minuten kocht, verdampft ein Teil der Flüssigkeit, es bleiben etwa zwei große Tassen.

  • 1 EL loser Assam (im Original Assam oder Darjeeling)
  • 6 Scheiben frischer Ingwer
  • ¾ TL schwarze Pfefferkörner
  • 6 grüne Kardamomkapseln
  • 1 Zimtstange
  • 2 bis 3 Nelken
  • 25 g Zucker
  • 250 ml Vollmilch
  • 500 ml kochendes Wasser
  1. Tee, Ingwer und Gewürze in einen kleinen Topf geben und mit dem kochenden Wasser übergießen.
  2. Aufkochen, Hitze reduzieren und etwa 10 Minuten köcheln lassen, bis es kräftig duftet.
  3. Zucker und Milch einrühren, wieder aufkochen und etwa 10 Minuten unter gelegentlichem Rühren kochen lassen.
  4. Die Haut auf der Milch abnehmen, durch ein feines Sieb in die Tassen gießen und sofort servieren.

Schneller geht es nach dem Prinzip der Kochbuchautorin Madhur Jaffrey: Gewürze und Tee in Wasser 10 Minuten zugedeckt köcheln, dann Milch und Zucker zugeben und nur noch etwa eine Minute ziehen lassen. Ihr Verhältnis liegt bei drei Teilen Wasser auf zwei Teile Milch. Der Chai wird so milder und weniger karamellig als nach Dishoom.

Unser Tipp

Damit dein Chai gelingt:

  • Erst Gewürze und Tee in Wasser auskochen, die Milch kommt später dazu.
  • Nimm einen Topf mit hohem Rand, Milch kocht schnell über.
  • Knack den Kardamom nur auf, so lässt er sich später leicht absieben.
  • Probier nach dem Abseihen und süß lieber nach, als zu früh zu viel Zucker zu nehmen.
  • Verwende Ceylon-Zimt, wenn du oft Chai trinkst, er enthält deutlich weniger Cumarin.

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Varianten: Pflanzendrink, Jaggery und weniger Zucker

Statt Kuhmilch kannst du einen Pflanzendrink nehmen. Haferdrinks bringen eigene Süße mit, Sojadrinks sind etwas neutraler. Manche Pflanzendrinks flocken beim langen Kochen aus. Gib sie deshalb erst zum Schluss dazu und erhitze nur noch kurz. Welche Drinks sich zum Aufschäumen eignen, steht in unserem Ratgeber Milchschaum mit Haferdrink.

In Indien wird statt Zucker oft Jaggery verwendet, ein unraffinierter Rohrzucker oder Palmzucker mit malzigem Geschmack. Auch Honig ist möglich, rühr ihn aber erst in den fertigen Chai. Die Zuckermenge aus dem Rezept kannst du problemlos halbieren, die Gewürze tragen den Geschmack.

Chai Latte, Sirup und Zimt: was im Café-Becher steckt

Ein Chai Latte im Café ist meist kein gekochter Chai, sondern aufgeschäumte Milch mit Sirup oder Konzentrat. Ein verbreiteter Chai-Sirup für Cafés enthält laut Händlerangabe 60,9 Gramm Zucker pro 100 Gramm, Zucker steht an erster Stelle der Zutatenliste. Für einen Grande Chai Latte einer großen US-Kette nennt ein US-Foodportal 42 Gramm Zucker. Ob die deutschen Rezepturen genauso süß sind, haben wir nicht geprüft.

Beim Zimt lohnt ein Blick auf die Sorte. Cassia-Zimt, die günstigere und häufigere Variante, kann viel Cumarin enthalten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt eine tolerierbare tägliche Aufnahme von 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Erwachsener mit 60 Kilogramm erreicht diesen Wert laut BfR bereits mit 2 Gramm Cassia-Zimt pro Tag, ein Kind mit 15 Kilogramm mit 0,5 Gramm. Trinkst du regelmäßig Chai, ist cumarinarmer Ceylon-Zimt die bessere Wahl.

Masala Chai ist eher eine Methode als ein festes Rezept. Mit kräftigem Tee, ganzen Gewürzen und Geduld am Herd kommst du dem Bahnhofs-Chai näher als mit jedem Sirup. Mehr Ideen für die Teepause findest du bei Tee-Rituale am Nachmittag.

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Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Wikipedia: Masala chai, abgerufen 23.10.2026.
  2. Lafayette College, Andie Mitchell: The Evolution of Chai in India, 2017.
  3. Onmanorama: History and evolution of Indian chai interwoven with railways, 02.11.2024.
  4. loveFOOD: Dishoom’s masala chai recipe, abgerufen 23.10.2026.
  5. MasterClass: Madhur Jaffrey’s Masala Chai Recipe, aktualisiert 04.10.2026.
  6. piccantino: Monin Chai Tea Syrup 0,70 l, abgerufen 23.10.2026.
  7. Tasting Table: Your Starbucks Chai Latte Has More Sugar Than You Think, 25.05.2025.
  8. Bundesinstitut für Risikobewertung: Cassia-Zimt mit hohen Cumaringehalten nur maßvoll verzehren, 27.09.2012.
  9. Ronnefeldt: Assam Bari, abgerufen 24.10.2026.
  10. frogcoffee: Ronnefeldt Assam Bari, 100 g loser Tee, abgerufen 24.10.2026.
  11. butch.de: Riess Classic Weiß Schnabeltopf 14 cm / 1,7 L, abgerufen 24.10.2026.
  12. emaille24: Riess Schnabeltopf weiß 1,7 Liter, abgerufen 24.10.2026.

Bildnachweis

  1. Gebündelte Zimtstangen und Sternanis auf einem Teller – Foto: Magdalena Zofia Kmiecik / Unsplash

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