Drei Teetraditionen machen aus dem Tee am Nachmittag ein kleines Ritual: die vielen kurzen Aufgüsse des Gongfu Cha, die ostfriesische Teezeremonie mit Kluntje und Wulkje und ein Kännchen Hojicha.Die Herkunft der drei Rituale, das nötige Zubehör und der Koffeingehalt von Hojicha.
Ein Stück Kandis liegt in der Tasse, heißer Tee läuft darüber, und der Zucker knistert. Das Knistern zeigt, dass der Tee heiß genug ist. Dann kommt ein Löffel Sahne dazu. Umgerührt wird nicht.
Am Nachmittag lohnt sich so eine feste Abfolge von Handgriffen. Sie schafft eine Pause mitten im Tag.

Viele kleine Aufgüsse: Gongfu Cha
„Gongfu Cha“ heißt übersetzt etwa „Tee mit Können zubereiten“. Gemeint ist eine Brühmethode aus China, keine feierliche Zeremonie, auch wenn sie oft so genannt wird. Sie ist wahrscheinlich in Fujian und in der Region Chaoshan im Osten Guangdongs entstanden und geht vermutlich auf das 18. Jahrhundert zurück. Ob die Wuyi-Berge oder die Stadt Chaozhou ihr Ursprung sind, darüber sind sich Fachleute uneinig.
Das Prinzip ist einfach: viel Blatt, wenig Wasser, sehr kurze Ziehzeiten. Du brühst in einem kleinen Kännchen oder einem Gaiwan, einer Deckelschale mit Untertasse. Diese Gefäße fassen oft nur 60 bis 200 ml. Den fertigen Aufguss gießt du in ein Kännchen, das im Chinesischen „Gongdao Bei“ heißt, die „Gerechtigkeitskanne“. Von dort verteilst du ihn auf die Schalen. So zieht der Tee nicht nach, und jede Tasse ist gleich stark.
Gut eignen sich dafür Oolong-Tees. Was Oolong ausmacht, liest du in unserem Artikel über Oolong. Für eine Pause am Nachmittag ist Gongfu Cha vor allem eine Übung in Aufmerksamkeit: Jeder Aufguss schmeckt etwas anders, und du merkst, wie sich die Blätter Runde für Runde öffnen.

Einen Gaiwan oder ein kleines Kännchen mit etwa 100 ml Inhalt, ein Ausgießkännchen, zwei bis vier kleine Schalen, 3 bis 5 g Oolong (Richtwert: 3–5 g pro 100 ml Wasser), Wasser mit etwa 85 °C.
- Vorwärmen Spüle Gaiwan, Kännchen und Schalen mit heißem Wasser aus und gieß es weg.
- Blätter spülen Gib den Tee in den Gaiwan, übergieße ihn mit wenig heißem Wasser und gieß dieses sofort ab.
- Erster Aufguss Fülle mit 85 °C heißem Wasser auf und lass den Tee 10 bis 15 Sekunden ziehen.
- Abgießen Schieb den Deckel leicht zurück, sodass er die Blätter zurückhält, und gieß den Tee vollständig ins Ausgießkännchen. Dann verteilst du ihn auf die Schalen.
- Weitermachen Verlängere die Ziehzeit mit jedem Aufguss. Üblich sind 15 bis 40 Sekunden und 4 bis 10 Aufgüsse mit denselben Blättern.
Drei Schichten in einer Tasse: Ostfriesentee
„Seit rund 300 Jahren ist Ostfriesland eine Teetrinkerregion“, schreibt die Deutsche UNESCO-Kommission. Die Nähe zu den Niederlanden spielte eine Rolle: Deren Ostindische Kompanie brachte Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals Tee in die Region. Tee galt als gesund und wurde als Alternative zu Bier beworben. Seit 2016 steht die Ostfriesische Teekultur im bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
Das Besondere ist die Reihenfolge. In der Tasse liegt ein Stück Kandis, weiß oder braun, der „Kluntje“. Darauf kommt der Tee, dann am Rand ein wenig Sahne. Sie sinkt erst ab und steigt dann wieder auf. Diese Wolke heißt „Wulkje“.
Weil nicht umgerührt wird, schmeckt jeder Schluck anders: zuerst die milde Sahne, dann der kräftige Tee, am Ende die Süße des Kandis. Ostfriesentee ist eine Mischung aus verschiedenen Schwarztees, unter anderem aus Assam. Ein Faltblatt der Ostfriesischen Landschaft empfiehlt losen Tee statt Beuteln und weiches Wasser.

Eine Teekanne mit etwa 1 l Inhalt, ein Stövchen (Warmhalter mit Teelicht), ein Teesieb, 10 g Ostfriesen-Teemischung für 1 l Wasser, braunen Kandis, flüssige Sahne und einen kleinen Sahnelöffel.
- Kanne vorwärmen Spüle die Kanne mit kochendem Wasser aus.
- Aufgießen Gib den Tee in die Kanne und gieße kochendes Wasser auf, bis sie etwa zu einem Drittel gefüllt ist. Lass den Tee 3 bis 5 Minuten ziehen.
- Auffüllen und warm halten Fülle mit kochendem Wasser auf und stell die Kanne aufs Stövchen. Gieß den Tee durchs Sieb, damit keine Blätter in die Tassen gelangen.
- Kluntje Leg ein Stück Kandis in jede Tasse und gieß den heißen Tee darüber.
- Wulkje Gib mit dem Sahnelöffel etwas Sahne am Tassenrand auf den Tee. Traditionell gießt man sie gegen den Uhrzeigersinn ein; das, so heißt es, „hält die Zeit an“.
- Nicht umrühren Trink den Tee in Schichten. Hast du genug, stellst du den Löffel in die Tasse.
Geröstet und mild: Hojicha
Hojicha ist ein japanischer Grüntee, dessen Blätter geröstet werden. Das gibt ihm sein nussiges, röstiges Aroma. Er ist vergleichsweise jung: Laut einer verbreiteten Erzählung röstete ein Teehändler in Kyoto um 1920 unverkauften Bancha samt Stängeln. Mehr über Herkunft und Herstellung findest du in unserem Porträt Hojicha: gerösteter Grüntee.
Als Ritual für zwischendurch eignet sich Hojicha, weil er pur und ohne viel Zubehör auskommt: eine kleine Kanne, ein paar Minuten Ruhe. Wenn du ihn lieber mit Milch trinkst, steht alles Nötige in unserer Anleitung Hojicha zubereiten. Wie Cafés ihn gerade servieren, liest du in Hojicha servieren: Trends.

Eine kleine Teekanne, 5 g Hojicha, 150 ml Wasser mit 80 °C.
- Wasser abkühlen lassen Bring das Wasser auf etwa 80 °C.
- Aufgießen Gib den Hojicha in die Kanne und gieß das Wasser auf.
- Ziehen lassen Lass den Tee etwa eine Minute ziehen und gieße ihn dann vollständig ab.
- Nachgießen Wenn du die Kanne jedes Mal ganz leerst, kannst du dieselben Blätter bis zu etwa fünfmal aufgießen.
Und das Koffein?
Hojicha gilt als koffeinarm. Die japanische Außenhandelsorganisation JETRO stuft seinen Koffeingehalt als „niedrig“ ein, Sencha als „mittel“. Ganz so eindeutig sind die Zahlen aber nicht. Die offizielle japanische Lebensmitteltabelle (Standard Tables of Food Composition in Japan, 8. Ausgabe, Ergänzung 2023) nennt für einen Hojicha-Aufguss 0,02 g Koffein pro 100 g, gebrüht mit 15 g Tee, 650 ml Wasser bei 90 °C und 30 Sekunden Ziehzeit. Für Sencha steht dort ebenfalls 0,02 g, gebrüht mit 10 g Tee, 430 ml Wasser bei 90 °C und einer Minute Ziehzeit. Hojicha ist also nicht koffeinfrei, und wie viel Koffein am Ende im Tee ist, hängt von Blattmenge und Zubereitung ab.
Zur Einordnung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hält fest, dass Koffein bei manchen Menschen schon ab etwa 100 mg den Schlaf beeinflussen kann, besonders wenn es kurz vor dem Schlafengehen getrunken wird. Wenn du empfindlich reagierst, ist der Nachmittag deshalb die bessere Zeit für dein Teeritual als der späte Abend. Wie Koffein bei Matcha wirkt, erklärt unser Artikel Matcha, Koffein und L-Theanin.

Hast du einen Samowar oder möchtest du das russische Prinzip ausprobieren, geht es so: Dabei kommt in ein kleines Kännchen viel Tee, meist Schwarztee, mit wenig Wasser. Dieses Konzentrat heißt „Sawarka“. Jede Person verdünnt es in der eigenen Tasse mit heißem Wasser im Verhältnis 1:3 bis 1:10 und bestimmt so selbst, wie stark ihr Tee wird. Ein Zentrum der Samowarproduktion ist die Stadt Tula südlich von Moskau.
Ein Ritual für jeden Nachmittag
Allen drei Traditionen gemeinsam: Du machst langsam, und du achtest auf Kleinigkeiten wie die Wassertemperatur, den Moment des Abgießens oder die Sahne am Tassenrand. Die Grundlagen zu Temperatur, Ziehzeit und Blattmenge findest du in unserem Artikel Tee richtig aufgießen.
Unsere Empfehlung zum Weiterlesen
Für alle drei Rituale gibt es ein Buch, das Sorten, Herkunft und Zubereitung gründlich erklärt.
Zum Weiterlesen
Buch
Rainer Schmidt: Das große Teebuch
Plus: Der frühere Hamburger Teeimporteur Rainer Schmidt stellt rund 150 Teesorten mit Anbaugebieten und Erntezeiten vor und erklärt Teetraditionen, Einkauf, Lagerung und Zubereitung.
Minus: Erschienen 2017, Angaben zu Bezugsquellen und Marktlage können überholt sein; mit 368 Seiten eher Nachschlagewerk als schnelle Einführung.
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Stand: Oktober 2026.
Quellen
- Deutsche UNESCO-Kommission: Ostfriesische Teekultur, abgerufen 18.10.2026.
- Kultusministerkonferenz: 34 Kulturformen neu ins deutsche Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, 09.12.2016.
- Ostfriesische Landschaft (Text: Etta Bengen): Ostfriesische Teekultur (Faltblatt), 2021.
- Utopia: Ostfriesentee: So bereitest du ihn richtig zu, 11.04.2019.
- Wikipedia: Gongfu tea, abgerufen 18.10.2026.
- Tea Soul: How to use a gaiwan, the traditional Chinese teacup, 28.10.2024, aktualisiert 22.12.2025.
- JETRO: About Japanese green tea, abgerufen 18.10.2026.
- Japanese Taste: Discovering Hojicha – The Roasted, Low Caffeine Green Tea, 07.04.2023, aktualisiert 05.10.2026.
- calorie.slism.jp (Daten: MEXT, Standard Tables of Food Composition in Japan, 8. Ausgabe, Ergänzung 2023): Hojicha, Aufguss, abgerufen 18.10.2026.
- calorie.slism.jp (Daten: MEXT, ebd.): Sencha, Aufguss, abgerufen 18.10.2026.
- EUFIC: EFSA opinion on the safety of caffeine, 23.06.2015.
- dewiki.de: Samowar, abgerufen 18.10.2026.
- Alimentarium: Tee in Russland, abgerufen 18.10.2026.
- Buchhandlung buch-ka.de: Rainer Schmidt: Das große Teebuch, 25,00 €, abgerufen 24.10.2026.
- eBay.de: Das Große Teebuch (Gebundene Ausgabe), Braumüller 2017, neu 25,00 €, abgerufen 24.10.2026.



