Schokolade ist vor allem Genuss mit viel Zucker und Fett. Ein Stück dunkle Schokolade passt in eine ausgewogene Ernährung, als Gesundheitsmittel taugt sie nicht.Der EU-Claim zu Kakaoflavanolen, die COSMOS-Studie, Zucker und Kalorien sowie Cadmium und Blei.
Der gute Ruf der Schokolade hängt an den Flavanolen. Das sind Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Polyphenole, im Kakao vor allem Epicatechin, Catechin und kurze Ketten daraus. Sie stecken in der Bohne und gehen bei der Verarbeitung zu einem großen Teil verloren. Auf einer normalen Tafel steht nicht, wie viel davon übrig ist.
Belegt ist bisher nur eine Wirkung auf die Blutgefäße, und das unter klaren Bedingungen. Schutz vor Herzinfarkt oder Diabetes ist nicht nachgewiesen. Zucker, Kalorien und Schwermetalle gehören deshalb mit ins Bild.
Der EU-Claim: was auf der Packung stehen darf
Grundlage ist eine Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA vom Juli 2012, beantragt von einem großen Kakaoverarbeiter. Ihr Ernährungsgremium sah es als belegt an, dass Kakaoflavanole die Fähigkeit der Arterien erhalten, sich bei stärkerem Blutfluss zu weiten. Wie das genau funktioniert, ist laut EFSA unbekannt.
Die EU-Kommission hat die Angabe 2013 für Kakaogetränke und dunkle Schokolade zugelassen, 2015 kamen Kapseln und Tabletten mit Kakaoextrakt dazu. Der amtliche Wortlaut heißt „Kakaoflavanole fördern die Elastizität der Blutgefäße, was zum normalen Blutfluss beiträgt“. Nach fünf Jahren Exklusivität für den Antragsteller darf ihn jeder Hersteller nutzen, der die Bedingungen erfüllt.
| Punkt | Was die EU vorschreibt |
|---|---|
| Tagesmenge | mindestens 200 mg Kakaoflavanole |
| gezählte Flavanole | Polymerisationsgrad 1 bis 10, also Einzelbausteine und kurze Ketten |
| Produkte | Kakaogetränke mit Kakaopulver, dunkle Schokolade, Kapseln oder Tabletten mit flavanolreichem Kakaoextrakt |
| Pflichthinweis | Wirkung bei täglicher Aufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen |
| Beispiel der EFSA | 2,5 g flavanolreiches Kakaopulver oder 10 g flavanolreiche dunkle Schokolade |
Die EFSA spricht ausdrücklich von flavanolreichen Produkten. Eine beliebige Tafel mit 70 Prozent Kakao erfüllt die Bedingung nicht automatisch, Milchschokolade fällt ganz heraus. Der Satz beschreibt die Erhaltung einer normalen Körperfunktion. Über Vorbeugung oder Behandlung von Krankheiten sagt er nichts.

COSMOS: die große Studie mit Kakaoextrakt-Kapseln
Die US-Studie COSMOS sollte klären, ob elastischere Gefäße auf Dauer weniger Herzinfarkte bedeuten. Sie war randomisiert und placebokontrolliert. 21.442 ältere Erwachsene ohne bekannte Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankung nahmen teil, im Schnitt 72 Jahre alt. Die Hälfte schluckte täglich Kapseln mit 500 mg Kakaoflavanolen, die andere ein Scheinpräparat.
| Messgröße | Kakao | Placebo | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Herz-Kreislauf-Ereignisse (Hauptziel) | 410 | 456 | minus 10 %, nicht gesichert (HR 0,90; KI 0,78 bis 1,02) |
| Herz-Kreislauf-Todesfälle (Nebenziel) | k. A. | k. A. | minus 27 % (HR 0,73; KI 0,54 bis 0,98) |
| Todesfälle insgesamt | 353 | 397 | nicht signifikant |
Das Hauptziel hat die Studie nach im Mittel 3,6 Jahren verfehlt. Der Rückgang der Herz-Kreislauf-Todesfälle betrifft ein Nebenziel und gilt nur als Hinweis, die Autoren fordern eine weitere Studie. Auf Krebs hatte der Extrakt keinen signifikanten Einfluss.
Finanziert wurde COSMOS zum Teil von den US-Gesundheitsinstituten NIH. Kapseln und einen Zuschuss stellte die Gesundheitssparte eines US-Süßwarenkonzerns, laut Studienleitung ohne Einfluss auf Planung und Auswertung. COSMOS sei keine Schokoladenstudie gewesen, betonte die Studienleiterin. Mit Schokolade sei diese Flavanolmenge nur mit sehr viel Kalorien, Fett und Zucker erreichbar.

Schokolade selbst: Beobachtungsstudien mit Grenzen
Zu Schokolade gibt es vor allem Beobachtungsstudien. Die bislang größte erschien im Dezember 2024 im British Medical Journal und wertete drei US-Kohorten mit 192.208 Beschäftigten im Gesundheitswesen aus. Mindestens fünf Portionen dunkle Schokolade pro Woche gingen mit einem um 21 Prozent niedrigeren Risiko für Typ-2-Diabetes einher. Für Milchschokolade fand sich kein solcher Zusammenhang.
Solche Daten zeigen einen Zusammenhang, keine Wirkung. Menschen mit Vorliebe für dunkle Schokolade leben womöglich auch sonst anders, und der Verzehr beruht auf Fragebögen. Zwei Autoren gaben Verbindungen zu Ernährungsfirmen an, darunter die Konzernsparte, die die COSMOS-Kapseln lieferte.
Von der Bohne zur Tafel: wo die Flavanole verloren gehen
Der Kakaoanteil verrät wenig über den Flavanolgehalt. Jeder Schritt, beschrieben in Bean-to-Bar: So wird Schokolade hergestellt, baut einen Teil ab. Forscher eines US-Schokoladenherstellers haben die Stufen 2010 gemessen. Ohne Fermentation geht es trotzdem nicht, sie schafft erst das Schokoladenaroma, wie Kakao-Fermentation und Geschmack zeigt.
| Schritt | Epicatechin (Messungen 2010) |
|---|---|
| Reife | unreife Bohnen 29 % mehr als vollreife |
| Fermentation | sinkt mit der Dauer |
| Rösten | Verluste ab 70 °C, bei 120 °C bis zu 88 % |
| Alkalisieren | bis zu 98 % Verlust im Endprodukt |
Beim Alkalisieren wird Kakao mit Lauge behandelt, damit er dunkler und milder wird. Natürliches Kakaopulver enthält deshalb in der Regel mehr Flavanole. Auch eine heiße Schokolade aus echter Schokolade bleibt ein Genuss und kein Präparat.

Zucker und Kalorien: was in 100 Gramm steckt
Auch dunkle Schokolade liefert viel Energie. Die norwegische Lebensmitteltabelle nennt für 70 Prozent Kakao 578 kcal pro 100 g, für Milchschokolade 541 kcal. Der große Unterschied liegt beim Zucker.
| pro 100 g | dunkel 70 % | Milchschokolade |
|---|---|---|
| Energie | 578 kcal | 541 kcal |
| Fett | 43,9 g | 32,3 g |
| Zucker | 28,2 g | 52,4 g |
| Ballaststoffe | 11 g | 3 g |
| Stück von 25 g (von uns umgerechnet) | rund 145 kcal, 7 g Zucker | rund 135 kcal, 13 g Zucker |
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt höchstens 10 Prozent der Tagesenergie aus freiem Zucker, bei 2.000 kcal rund 50 g (von uns umgerechnet). Laut der österreichischen Agentur AGES erreichen Erwachsene das schon mit einer Tafel. Einzelne Tafeln weichen ab, die Nährwerttabelle auf der Packung zeigt die genauen Werte.
Cadmium und Blei: Höchstgehalte und Tests
Cadmium gelangt aus dem Boden in die Bohne, laut AGES oft stärker in Kakao aus Mittel- und Südamerika mit seinen vulkanischen Böden. Es reichert sich vor allem in den Nieren an. Seit 1. Januar 2019 gelten gestaffelte EU-Höchstgehalte, heute in der Verordnung (EU) 2023/915.
| Produkt | EU-Höchstgehalt | Mittel Österreich 2010 bis 2018 |
|---|---|---|
| Milchschokolade unter 30 % Kakaotrockenmasse | 0,10 mg/kg | 0,03 mg/kg (unter 41 % Kakao) |
| Schokolade unter 50 %, Milchschokolade ab 30 % | 0,30 mg/kg | k. A. |
| Schokolade ab 50 % Kakaotrockenmasse | 0,80 mg/kg | 0,15 mg/kg (über 41 % Kakao) |
| Kakaopulver für Verbraucher | 0,60 mg/kg | 0,35 mg/kg |
In den AGES-Kontrollen 2019 bis 2023 enthielten alle Proben Cadmium, keine lag über dem Höchstgehalt. Für ein Kind mit 30 kg nennt die AGES 10,7 µg pro Tag als tolerierbar. Ein Stück von 25 g dunkler Schokolade mit österreichischem Mittelwert bringt rund 3,8 µg, am Höchstgehalt 20 µg (von uns berechnet). Die Hauptquellen sind laut EU-Kommission aber Getreide, Gemüse und Kartoffeln.
Die Stiftung Warentest fand im Dezember 2020 bei 24 Bitterschokoladen keine Überschreitung, die stärkste schöpfte den Höchstgehalt zu etwa 70 Prozent aus. Öko-Test stufte im Dezember 2024 eine von 21 Tafeln beim Cadmium als erhöht ein.
Für Blei hat die EU keinen eigenen Höchstgehalt für Schokolade. Eine US-Auswertung von 72 Kakaoprodukten vom Juli 2024 fand bei 43 Prozent pro Portion mehr als den kalifornischen Vorsorgewert von 0,5 µg am Tag. Eine Portion am Tag halten die Autoren für die meisten für unbedenklich. Drei der fünf Autoren arbeiteten für den Testanbieter.

Viele Manufakturen nennen Herkunft und Kakaoanteil, mehr dazu in Craft Chocolate im deutschsprachigen Raum. Am einfachsten bleibt es, Sorten abzuwechseln und dunkle Schokolade in kleinen Stücken zu genießen.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- EFSA NDA Panel, EFSA Journal 10(7):2809: Health claim related to cocoa flavanols and maintenance of normal endothelium-dependent vasodilation, Juli 2012.
- EU-Kommission, VO (EU) 851/2013: Zulassung gesundheitsbezogener Angaben (Kakaoflavanole), 03.09.2013.
- EU-Kommission, VO (EU) 2015/539: Zulassung einer gesundheitsbezogenen Angabe (Kakaoextrakt), 31.03.2015.
- Sesso et al., Am J Clin Nutr: Cocoa flavanol supplementation and cardiovascular disease events: COSMOS, 2022.
- Hospital Pharmacy Europe: RCT finds cocoa flavanol supplement failed to reduce cardiovascular events, 04.07.2022.
- Brigham and Women’s Hospital via ScienceDaily: Trial testing cocoa flavanol supplement (Pressemitteilung), 16.03.2022.
- Liu et al., BMJ 2024;387:e078386: Chocolate intake and risk of type 2 diabetes, 04.12.2024.
- HealthDay: Dark chocolate linked to lower risk for T2DM, 05.12.2024.
- Payne et al., J Agric Food Chem 2010; Bericht NutraIngredients: Alkaline processing reduces cocoa’s flavanol content, 14.03.2011.
- Matvaretabellen: Chocolate, dark, 70 % cocoa, abgerufen 24.10.2026.
- Matvaretabellen: Chocolate bar, milk, abgerufen 24.10.2026.
- AGES: Schokolade, abgerufen 24.10.2026.
- EU-Kommission: Cadmium in chocolate, abgerufen 24.10.2026.
- EU-Kommission: Contaminants catalogue: Cadmium, abgerufen 24.10.2026.
- EU-Kommission, VO (EU) 2023/915: Höchstgehalte für Kontaminanten, 25.04.2023.
- Stiftung Warentest, test 12/2020: Dunkle Schokolade im Test, 02.12.2020.
- Öko-Test 12/2024: Zartbitterschokolade im Test, 23.12.2024.
- Hands et al., Frontiers in Nutrition 11: Heavy metal analysis of 72 dark chocolate and cocoa products, 31.07.2024.



