Craft Chocolate machen Manufakturen, die ihre Schokolade selbst aus der Kakaobohne herstellen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz kostet eine Tafel meist 4 bis 14 €.Bekannte Manufakturen mit Auszeichnungen, Preise pro Tafel, Bezugswege und Tipps für den Kauf.

Im Supermarktregal liegen fast nur Tafeln großer Hersteller. Daneben gibt es im deutschsprachigen Raum eine kleine Szene von Betrieben, die Kakaobohnen selbst rösten, mahlen und zu Tafeln verarbeiten. Ihre Schokolade findest du eher im Onlineshop der Manufaktur, im Werksverkauf oder bei spezialisierten Fachhändlern.

Die Szene ist überschaubar. Ein Salzburger Nachrichtenportal schrieb 2021, in Österreich produziere nur eine Handvoll Erzeuger tatsächlich Bean-to-Bar. Einige Betriebe gewinnen trotzdem regelmäßig internationale Medaillen.

Was Craft Chocolate ausmacht: eigene Bohnen, kleine Mengen, offene Herkunft

Craft Chocolate ist kein geschützter Begriff. Gemeint sind meist Hersteller, die Bean-to-Bar arbeiten, also jeden Schritt von der fermentierten Bohne bis zur fertigen Tafel selbst machen. Wie das abläuft, vom Rösten bis zum Temperieren, steht in Bean-to-Bar: So entsteht Schokolade.

Typisch für die Szene sind drei Dinge. Die Manufakturen nennen Land und Region der Bohnen, oft auch Kooperative oder Farm. Sie arbeiten in kleinen Chargen und stellen ihre Röstung auf jede Herkunft ein. Viele dunkle Tafeln bestehen nur aus Kakao und Zucker.

Davon zu trennen sind Chocolatiers. Sie kaufen fertige Schokolade oder Kakaomasse und machen daraus Pralinen und Tafeln. Das ist ein eigenes Handwerk, aber eben ein anderes. Ein Paar aus dem Salzburger Tennengau wollte ursprünglich direkt aus der Bohne produzieren. Laut dem Bericht waren Aufwand und Preis zu hoch und die Quellen mangelhaft, deshalb stiegen beide auf zugekaufte Kakaomasse um.

Craft heißt auch nicht automatisch klein. Zotter in der Steiermark arbeitet seit 2007 Bean-to-Bar und stellt nach eigenen Angaben rund 1.000 Tonnen Schokolade pro Jahr her. Der Betrieb hat rund 230 Beschäftigte und bezieht Kakao aus 15 Ländern. Manufakturen wie die im Altmühltal arbeiten dagegen mit Bohnen von einer einzigen Farm.

Kakaobohnen aus Belize in einer Schokoladenmanufaktur in Berlin
Fermentierte und getrocknete Kakaobohnen in einer Manufaktur. Bean-to-Bar-Betriebe rösten und mahlen sie selbst.Foto: Mario Heller / Unsplash

Die Szene in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Die Tabelle zeigt eine redaktionelle Auswahl von Bean-to-Bar-Herstellern. Die Angaben stammen von den Herstellern selbst, aus Fachmedien und aus den Siegerlisten der International Chocolate Awards. Fehlt ein Gründungsjahr, haben wir keines belegt gefunden.

Manufaktur Ort seit Besonderheit
Zotter Riegersburg, Steiermark 1987 als Konditorei in Graz, Bean-to-Bar seit 2007 Bio, Kakao aus 15 Ländern, Schokoladentheater mit rund 290.000 Gästen im Jahr
AHERZ Neupischelsdorf bei Wien Projekt seit 2016 Bohnen bis zu 90 Stunden im Steinmelangeur gemahlen, auf rund 20 µm
Martin Mayer Schokoladen Meggenhofen, Oberösterreich keine Angabe Kakao 96 Stunden in der Steinmühle gemahlen, Tafeln mit regionalen Früchten
Georgia Ramon Soest, gegründet in Bonn 2015 Bohnen und Kakaobutter bio-zertifiziert, Bohnen über Händler und teils direkt von Plantagen
Dos Estaciones Beilngries, Altmühltal Produktion seit 2020 Kakao direkt von einer Farm bei Chazuta in Peru
Meybol Cacao Hamburg keine Angabe Gründerin aus Peru, die Schokolade entsteht in einer Fabrik in Peru
Garçoa Zürich 2016 Bohnen von fünf Partnern, dunkle Tafeln aus nur zwei Zutaten
Orfève Genf keine Angabe Herkünfte aus Peru, Madagaskar und Grenada

In den Siegerlisten der europäischen Bean-to-Bar-Runde stehen weitere deutsche Namen. 2019 und 2022 gewannen unter anderem Kilian & Close, Edelmond, Pott au Chocolat, LOMI Schokolade und Schell Schokoladen Medaillen. Bei einzelnen Tafeln führt die Liste ausdrücklich einen anderen Hersteller als Produzenten, etwa bei Eigenmarken.

Viele Manufakturen arbeiten mit Edelkakao aus Lateinamerika. Was hinter Namen wie Criollo, Chuncho oder Nacional steckt, erklärt Kakaosorten: Criollo, Forastero und Trinitario.

Blick in die Produktion einer Schokoladenfabrik
Blick in eine Schokoladenproduktion. Die Maschinen ähneln sich, in Manufakturen laufen sie in viel kleineren Chargen.Foto: Walter Otto / Unsplash

Manufakturen, die du kennen solltest

Selbst verkostet haben wir die Tafeln nicht. Unsere Auswahl stützt sich auf belegte Auszeichnungen und Fachurteile, vor allem Medaillen der International Chocolate Awards, der Academy of Chocolate in London und veröffentlichte Blindverkostungen. Bezahlte Platzierungen gibt es nicht.

Die Preise stammen aus den Shops der Hersteller oder von Fachhändlern, Stand Oktober 2026. Franken haben wir zum EZB-Kurs vom 22.10.2026 umgerechnet (1 € = 0,9211 CHF).

Vier Manufakturen im Porträt

rund 4,30 € pro Tafel

AHERZ

Neupischelsdorf bei Wien, Projekt seit 2016

Besonderheit: Laut Hersteller 2023 ICA-Gold in der DACH-Runde und Silber im Weltfinale, 2025 Bronze bei der Academy of Chocolate. In der Europa-Runde 2021/22 zwei Silber- und vier Bronzemedaillen.

Zu beachten: Gewicht der Tafeln im Shop nicht angegeben, Verkauf vor allem online, ab Hof und auf Märkten.

rund 7,90 € (etwa 54 g)

Dos Estaciones

Beilngries im Altmühltal, Produktion seit 2020

Besonderheit: Gold bei den ICA 2021/22 für eine 60-%-Tafel mit baskischem Chili und Rosmarin, Bronze für eine 85-%-Tafel von einer einzigen Farm.

Zu beachten: Kleine Tafel, nach unserer Rechnung rund 14,60 € pro 100 g, Kakao nur aus einer Herkunft in Peru.

rund 4,40 € (65 g)

Zotter

Riegersburg, Steiermark, seit 1987, Bean-to-Bar seit 2007

Besonderheit: In der Blindverkostung des Feinschmecker 2025 auf Platz 9 von 45 dunklen Tafeln, Bio und Fairtrade, EU Organic Award 2026.

Zu beachten: Mit rund 1.000 Tonnen im Jahr eher Großbetrieb als kleine Manufaktur, in den geprüften ICA-Listen keine Medaille.

rund 12,50 bis 13,50 € (umgerechnet)

Garçoa

Zürich, seit 2016

Besonderheit: Bronze bei den ICA 2021/22 für Idukki 78 % Bio, dunkle Tafeln aus nur zwei Zutaten.

Zu beachten: Teuer, in der Sechserbox nach unserer Rechnung rund 14,70 € pro 100 g, Gewicht der Einzeltafel im Shop nicht angegeben.

Zwei bekannte Namen fehlen bewusst. Meybol Cacao aus Hamburg wurde mehrfach ausgezeichnet, lässt seine Tafeln aber in Peru herstellen. Georgia Ramon nennt seine Auszeichnungen nur pauschal, ohne Jahr und Medaille.

Medaillen richtig lesen: was Auszeichnungen aussagen

Die International Chocolate Awards gibt es seit 2012. Zu den Gründern zählen die Köchin und Autorin Maricel Presilla und Martin Christy, der als Leiter der Jurierung genannt wird. Laut Veranstalter hat Christy rund 30 Jahre Erfahrung im Verkosten von Edelschokolade und Kakao.

Die Juroren bewerten blind und jeder für sich. Zuerst halten sie fest, ob ihnen eine Tafel gefällt, erst danach bewerten sie Komplexität, Balance und Eigenständigkeit. Die Einzelwertungen werden statistisch zu einem Gesamtwert zusammengeführt. Regionale Runden wie die für Europa oder für Deutschland, Österreich und die Schweiz führen zu einem Weltfinale.

Kritik gibt es auch. Der US-Fachautor Clay Gordon schrieb im Juli 2026, für Ausbildung und Bewertung bei Wettbewerben gebe es keine allgemein anerkannten Standards. Er bemängelt außerdem, dass Awards und die zugehörige Verkostungsschule von einer kleinen Gruppe privat geführt werden.

Für dich heißt das, eine Medaille gilt immer für eine bestimmte Tafel in einer bestimmten Kategorie und einem bestimmten Jahr. Sie zeichnet nicht das ganze Sortiment aus. Gold für eine Tafel mit Chili sagt wenig über die reine Herkunftstafel derselben Manufaktur.

Breiter angelegt war eine Verkostung des Magazins Der Feinschmecker im Herbst 2025. Sieben Juroren probierten 45 dunkle Tafeln mit rund 70 % Kakao und bewerteten Optik, Bruch, Duft, Schmelz und Aroma. Die beiden ersten Plätze gingen an eine junge Manufaktur aus Thailand, Zotter kam als einziger österreichischer Hersteller unter die ersten zehn.

Zwei übereinanderliegende Stücke Schokolade
Glanz, Bruch und Schmelz gehören in Verkostungen zu den festen Kriterien.Foto: Babs Gorniak / Unsplash

Preise: was eine Tafel Craft Chocolate kostet

Die Tafeln sind unterschiedlich groß, viele wiegen 50 bis 70 g. Vergleichen kannst du deshalb am besten über den Preis pro 100 g. Die Tabelle zeigt Beispiele aus den Shops der Hersteller und von Fachhändlern. Österreichische Shops rechnen mit 10 % Mehrwertsteuer.

Manufaktur Beispiel Preis pro 100 g
Zotter Labooko 70 %, 65 g 4,39 € rund 6,75 €
AHERZ dunkle Tafeln, Gewicht nicht angegeben 4,30 € keine Angabe
Dos Estaciones dunkel 70 %, rund 54 g 7,90 € 14,63 €
Meybol Cacao Herkunftstafeln, 70 g 8,90 bis 18,50 € rund 12,70 bis 26,40 €
Georgia Ramon dunkle Bio-Tafeln, 50 g 9,90 bis 11,80 € 19,80 bis 23,60 €
Garçoa Origin Collection, 6 Tafeln à 85 g 69 CHF, umgerechnet rund 74,90 € rund 14,70 €
Orfève dunkle Herkunftstafeln, Gewicht nicht angegeben 10,30 bis 11,40 CHF, umgerechnet rund 11,20 bis 12,40 € keine Angabe

Die Werte pro 100 g haben wir aus den Grundpreisen der Shops übernommen oder selbst berechnet. Sie zeigen eine Spanne von unter 7 bis über 26 €. Am teuersten sind in der Auswahl seltene Herkünfte und Tafeln mit 90 % Kakao.

Ein Teil des Preises steckt in der Lieferkette. Viele Manufakturen kaufen ihre Bohnen direkt oder über spezialisierte Händler und versprechen den Bauern faire Preise. Was direkter Handel und Siegel dabei leisten, erklärt Direct Trade, Fairtrade und Siegel.

Eine Tafel Schokolade
Eine dunkle Tafel. Kakaoanteil, Herkunft und Gewicht stehen bei Craft Chocolate meist gut sichtbar auf der Packung.Foto: Aminali Saiyed / Unsplash

Wo du Craft Chocolate bekommst und worauf du beim Kauf achtest

Fast alle Manufakturen aus der Auswahl verkaufen über einen eigenen Onlineshop. Dazu kommen Werksverkauf und Führungen. Zotter betreibt in Riegersburg ein Schokoladentheater, AHERZ, Dos Estaciones und Garçoa bieten Führungen, Verkostungen oder Workshops an. AHERZ verkauft außerdem ab Hof und auf Märkten.

Im Laden findest du Craft Chocolate vor allem in Feinkostgeschäften und bei Fachhändlern für Edelschokolade, die oft auch verschicken. Dos Estaciones und Orfève listen ihre Händler auf der Website.

Wie du Bean-to-Bar im Regal erkennst und was die Pflichtangabe zum Kakaoanteil bedeutet, steht im Artikel zur Herstellung. Dazu kommen zwei Punkte. Achte darauf, ob die Manufaktur ausdrücklich selbst röstet und mahlt oder nur fertige Kakaomasse verarbeitet. Prüf bei Medaillen Jahr, Wettbewerb und die ausgezeichnete Tafel.

Für den Einstieg reicht eine kleine Auswahl. Nimm eine Tafel einer Manufaktur mit vielen Medaillen und eine aus dem Standardsortiment eines größeren Hauses. Probier beide langsam und vergleich, was dir die Herkunftsangaben über den Geschmack verraten haben.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Salzburg24: Schokolade gibt’s auch ohne schlechtes Gewissen, 24.11.2021.
  2. Zotter Schokolade (Herstellerangaben): Biography, abgerufen 24.10.2026.
  3. AHERZ Schokolade & Kakao (Herstellerangaben): Startseite, Auszeichnungen und FAQ, abgerufen 24.10.2026.
  4. AHERZ Schokolade & Kakao (Herstellerangaben): Shop, abgerufen 24.10.2026.
  5. Christina Wetter-Nohl, 1000things: Tag der Schokolade: 8 feine österreichische Schokoladenmanufakturen, 07.07.2026.
  6. Georgia Ramon (Herstellerangaben): Über uns, abgerufen 24.10.2026.
  7. Georgia Ramon (Herstellerangaben): Startseite und Shop, abgerufen 24.10.2026.
  8. Dos Estaciones (Herstellerangaben): Startseite und Shop, abgerufen 24.10.2026.
  9. Dos Estaciones (Herstellerangaben): Über uns, abgerufen 24.10.2026.
  10. Chocolats de Luxe (Händlerangaben): Meybol Cacao, abgerufen 24.10.2026.
  11. Garçoa Chocolate (Herstellerangaben): Startseite und Shop, abgerufen 24.10.2026.
  12. Orfève (Herstellerangaben): Startseite und E-Boutique, abgerufen 24.10.2026.
  13. fromAustria (Händlerangaben): Zotter Labooko Milk Chocolate 70% Dark, 65 g, abgerufen 24.10.2026.
  14. International Chocolate Awards: European, Middle Eastern and African Bean-to-bar Competition 2019: Winners, 30.07.2019.
  15. International Chocolate Awards: European, Middle Eastern and African Bean-to-bar Competition 2020: Winners, 04.10.2020.
  16. International Chocolate Awards: European, Middle Eastern and African Bean-to-Bar Competition 2021-22: Winners, 21.06.2022.
  17. International Chocolate Awards: About us, zuletzt geändert 03.05.2023.
  18. Clay Gordon, The Chocolate Life: Chocolate Education, Evaluation & Competition Judging (PSC 218), 19.07.2026, aktualisiert 24.07.2026.
  19. Tageskarte: Bean-to-Bar dominiert: Feinschmecker kürt die Top-Schokoladen 2025, 16.10.2025.
  20. Deutsche Bundesbank: Euro-Referenzkurse der EZB, Kurs vom 22.10.2026.