Kakao kostet an der Börse weniger als halb so viel wie beim Rekord 2024. Schokolade wird trotzdem nur langsam billiger, und viele Bauern bekommen weniger.Börsenkurse seit dem Rekord, Erzeugerpreise in Côte d’Ivoire und Ghana und Schokoladenpreise in Deutschland.

Rund 12.900 US-Dollar kostete eine Tonne Kakao im Dezember 2024 in New York. Ende Oktober 2026 sind es rund 5.600 US-Dollar. Auf dem Weg dorthin fiel der Preis im Februar 2026 sogar unter 3.000 US-Dollar und hat sich seitdem fast verdoppelt.

Für Bauern und Käufer im Laden kommen diese Ausschläge spät an.

Die Börse: vom Rekord zum Absturz und halb zurück

Kakao wird in New York in US-Dollar und in London in britischen Pfund gehandelt, jeweils pro Tonne. Die Euro-Werte haben wir mit den EZB-Referenzkursen vom 22. Oktober 2026 umgerechnet (1 € = 1,1205 US-Dollar = 0,8377 Pfund).

Zeitpunkt Börsenpreis pro Tonne umgerechnet rund
Dezember 2024, Rekord 12.906 US-Dollar (New York) 11.520 €
24. Februar 2026, Tief unter 3.000 US-Dollar unter 2.680 €
Anfang März 2026 rund 2.100 Pfund (London) 2.510 €
Ende Juni 2026 rund 3.800 Pfund (London) 4.540 €
Ende August 2026 über 4.800 Pfund (London) über 5.730 €
22. Oktober 2026 4.176 Pfund (London, Schluss) 4.990 €
22. Oktober 2026 rund 5.600 US-Dollar (New York) 5.000 €

Der New Yorker Preis liegt damit rund 57 Prozent unter dem Rekord (von uns berechnet).

Warum der Kurs schwankt: Ernte, Wetter, Lager

An der Börse handeln Händler Kakao für spätere Liefertermine. Der Kurs zeigt deshalb vor allem, was der Markt für die kommenden Monate erwartet. Ernteschätzungen und Wetterberichte aus Westafrika bewegen ihn oft stärker als die Bohnen, die gerade verschifft werden.

Die Internationale Kakaoorganisation ICCO schätzt für die Saison 2024/25 einen kleinen Überschuss von 37.000 Tonnen bei 4,73 Millionen Tonnen Welternte. Zahlen für 2025/26 hält ihr Sekretariat vorerst zurück. Am 22. Oktober 2026 drückten laut Trading Economics steigende Lagerbestände an der Börse auf den Preis.

Bis zum 18. Oktober kamen in den ivorischen Häfen 78.212 Tonnen an, 41 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Analysehaus StoneX schätzt die ivorische Ernte 2026/27 auf rund 1,77 Millionen Tonnen, 11 Prozent weniger als zuvor. Ghanas Kakaobehörde rechnet mit 650.000 Tonnen. Beides sind Schätzungen, keine Ergebnisse.

Dazu kommt das Wetter. Die ICCO verweist auf Risiken durch ein für Ende 2026 erwartetes El-Niño-Ereignis. Das Klimavorhersagezentrum der US-Wetterbehörde hält es laut Barchart für wahrscheinlich, dass dieses El Niño zu den stärksten seit mehr als 75 Jahren gehört. Auch das ist eine Vorhersage, keine Tatsache.

Die Nachfrage zieht leicht an. Europas Verarbeiter vermahlten im dritten Quartal 2026 laut europäischem Kakaoverband 348.215 Tonnen Kakao, 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland waren es laut Süßwarenverband rund 98.275 Tonnen, ein Plus von 3,6 Prozent.

Kerzen-Kurschart auf einem dunklen Bildschirm
Kurschart auf einem Bildschirm. Der Kakaokurs folgt vor allem den Erwartungen an Ernte und Wetter.Foto: Austin Hervias / Unsplash

Côte d’Ivoire: fester Bauernpreis, früh verkauft

In Côte d’Ivoire bauen laut offiziellen Angaben mehr als 1,2 Millionen Bauern Kakao an. Der Staat legt vor jeder Ernte fest, was sie pro Kilo getrockneter Bohnen mindestens bekommen. Das ist der Farmgate-Preis, der Preis ab Hoftor.

Am 1. September 2026 verkündete Agrarminister Bruno Nabagné Koné den Preis für die Haupternte bis Ende Februar 2027. Er bleibt bei 1.200 CFA-Franc pro Kilo. Auf diesen Wert hatte die Regierung den Preis schon im März 2026 gesenkt, um den Verkauf nach dem Börsenabsturz wieder anzukurbeln. Zum Start der Saison 2025/26 hatte er noch bei 2.800 Franc gelegen. Umgerechnet haben wir zum festen Kurs von 655,957 Franc pro Euro.

Saison Bauernpreis pro kg umgerechnet rund
2023/24 1.000 CFA-Franc 1,52 €
2024/25 1.800 CFA-Franc 2,74 €
2025/26, Haupternte 2.800 CFA-Franc 4,27 €
2025/26, Zwischenernte ab März 2026 1.200 CFA-Franc 1,83 €
2026/27, Haupternte 1.200 CFA-Franc 1,83 €

Der Grund für den niedrigen Preis liegt im Vermarktungssystem. Der staatliche Kaffee-Kakao-Rat verkauft einen großen Teil der Ernte im Voraus. Bis Juni 2026 waren laut der Agentur Ecofin fast 1 Million Tonnen der neuen Haupternte vergeben, zu den niedrigen Kursen des Frühjahrs. Aus diesen Verkäufen errechnet die Regierung, was sie den Bauern zahlen kann, ohne den Haushalt zu belasten.

Pro Tonne bekommen die Bauern damit rund 1.830 €. Das sind etwa 37 Prozent des Londoner Börsenpreises vom 22. Oktober (von uns berechnet). Ganz vergleichbar sind die Werte nicht. Zwischen Hoftor und Börse liegen Transport, Exportabgaben und Handelsmargen, und die Ernte wurde zu früheren Kursen verkauft. Laut einer bei Ecofin zitierten Studie vom Februar 2026 stammen im Schnitt 67 Prozent des Haushaltseinkommens ivorischer Kakaobauern aus dem Bohnenverkauf.

Reife Kakaofrüchte hängen am Stamm eines Kakaobaums; der Kakaopreis entscheidet über das Einkommen der Bauern
Reife Kakaofrüchte am Stamm. Den Preis für die getrockneten Bohnen legt in Côte d’Ivoire und Ghana der Staat fest.Foto: Ly Le Minh / Unsplash

Ghana: 70 Prozent vom Exportpreis per Gesetz

Ghana gründete schon 1947 das Cocoa Marketing Board, aus dem die heutige Kakaobehörde COCOBOD hervorging. Sie kauft die Ernte, vermarktet sie und setzt den Erzeugerpreis fest.

Seit 2026 gibt es dafür eine neue Regel. Nach dem Kakaogesetz Act 1182 müssen die Bauern mindestens 70 Prozent des erzielten Exportwerts frei an Bord bekommen. Am 25. September 2026 setzte COCOBOD den Preis für 2026/27 auf 42.400 Cedi pro Tonne fest. Laut Behörde entspricht das 71,18 Prozent des Exportwerts.

Zeitpunkt Erzeugerpreis pro Tonne
August 2025, Saisonstart 2025/26 51.660 Cedi
ab 2. Oktober 2025 58.000 Cedi
zuletzt in der Saison 2025/26 41.392 Cedi
ab 25. September 2026, Saison 2026/27 42.400 Cedi

Gegenüber dem letzten Preis der Vorsaison sind das gut 2 Prozent mehr. Gegenüber dem Höchststand vom Oktober 2025 liegt er rund 27 Prozent tiefer (von uns berechnet). Euro-Werte fehlen, weil die EZB für den Cedi keinen Referenzkurs veröffentlicht.

International ordnet die ICCO den Handel seit 1973. Am 1. Oktober 2026 trat ein neues Internationales Kakaoabkommen in Kraft. Mehr über Siegelprämien und Direkthandel steht in Direct Trade, Fairtrade und andere Siegel.

Schokolade im Laden: Preise sinken mit Verzögerung

Im Supermarkt kam vom Börsenabsturz bisher wenig an. Im Oktober 2025 kostete Schokolade laut Statistischem Bundesamt 21,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Schokoladentafeln sogar 30,7 Prozent mehr. Im Dezember 2025 lag eine Tafel im Schnitt 69 Prozent über dem Preis von 2020.

Bei der Einfuhr ist Kakao inzwischen deutlich billiger. Rohkakao kostete im August 2026 beim Import nach Deutschland 27,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, Kakaobutter sogar 44,7 Prozent weniger. Gegenüber Juli stieg Rohkakao aber um 7,2 Prozent. Eine aktuelle Zahl zu den Verbraucherpreisen für Schokolade lag bis zum 24. Oktober 2026 nicht vor.

Die Verzögerung hat einen einfachen Grund. Hersteller kaufen Kakao lange im Voraus oder sichern sich an der Börse ab. Die Tafel im Regal wurde oft mit Kakao zu früheren, höheren Preisen hergestellt. Der Deutschland-Chef eines großen Schweizer Premiumherstellers sagte im August 2026, die gesunkenen Kakaopreise spüre sein Unternehmen erst 2027. Bis Weihnachten kündigte er Preissenkungen von bis zu 21,5 Prozent für ausgewählte Produkte an.

Bei den Eigenmarken großer Händler sank der Preis einer Tafel Vollmilchschokolade schon im Februar 2026 um 10 Cent auf 89 Cent. Beim Kaffee lässt sich ein ähnliches Muster beobachten, mehr dazu in Rohkaffee wird billiger, Kaffee im Regal nicht.

Schokoladenstücke von oben fotografiert
Schokolade von oben. Sie wurde oft noch mit teurerem Kakao hergestellt.Foto: Tamanna Rumee / Unsplash

Craft-Schokolade und Herkunft: andere Einkaufswege

Viele kleine Manufakturen kaufen ihre Bohnen direkt oder über spezialisierte Händler. Auf der Tafel nennen sie Land und Region, oft auch Kooperative oder Farm. Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen in Craft-Schokolade aus der DACH-Region. Der US-Schokoladenexperte Clay Gordon betont, dass Börsenkurse ein weltweiter Richtwert sind und nicht zeigen, was Bauern erhalten. Die Folgen zu niedriger Einkommen beschreibt Kakao: Kinderarbeit, Armut, Entwaldung.

Ab dem 30. Dezember 2026 gilt für große und mittlere Unternehmen außerdem die EU-Entwaldungsverordnung. Unternehmen, die Kakao in der EU verkaufen, müssen dann belegen, dass er nicht von Flächen stammt, die nach 2020 gerodet wurden. Die Einzelheiten stehen in EUDR: Was für Kaffee und Kakao gilt.

Der Kakaopreis hat sich seit dem Rekord mehr als halbiert. Die feste Preisbildung in Westafrika und die langen Einkaufswege der Hersteller dämpfen aber jede Bewegung. Ivorische Bauern bekommen in dieser Saison deutlich weniger Geld. Im Laden zeigen sich die gesunkenen Kakaokosten bisher nur bei einzelnen Produkten.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Trading Economics: Cocoa Futures Hover Around $5,600, 22.10.2026, abgerufen 24.10.2026.
  2. Trading Economics: Cocoa Futures Below $3,000, 24.02.2026.
  3. Investing.com: London Cocoa Futures Historical Data, abgerufen 24.10.2026.
  4. Reuters via CNBC Africa: Ivory Coast sets cocoa farmgate price at 1,200 CFA francs per kg for 2026/27 main crop, 01.09.2026.
  5. Ecofin Agency: Ivory Coast Cuts Cocoa Farmgate Price 57% for 2026/27 Crop, 02.09.2026.
  6. Direction générale du Trésor: Les principes et modalités de fonctionnement de la coopération monétaire, 25.05.2021.
  7. Barchart via Yahoo Finance: Cocoa Prices Rebound on Smaller Ivory Coast Deliveries, 19.10.2026.
  8. Citi Newsroom: COCOBOD sets 2026/27 cocoa producer price at GH¢42,400, 25.09.2026.
  9. Clay Gordon, The Chocolate Life: January 2026 News & AMA, #PodSaveChocolate 175, 12.01.2026.
  10. Ghana Cocoa Board (COCOBOD): Cocoa, abgerufen 24.10.2026.
  11. International Cocoa Organization (ICCO): Latest news: August 2026 Quarterly Bulletin, International Cocoa Agreement 2026, 31.08.2026 und 01.10.2026.
  12. Tim Eichler, Münster Aktuell: Kakaoindustrie meldet wieder Wachstum, 15.10.2026.
  13. Statistisches Bundesamt: Süßigkeiten zum Advent: Teils deutliche Preissteigerungen, 26.11.2025.
  14. Statistisches Bundesamt: Importpreise im August 2026, Pressemitteilung Nr. 344, 30.09.2026.
  15. Tagesspiegel (dpa): Mehr Kakao geerntet: Schokolade wird teilweise günstiger, 04.02.2026.
  16. Blick: Lindt-Deutschland-Chef senkt die Preise fürs Weihnachtsgeschäft, 21.08.2026.
  17. Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2025/2650 zur Änderung der Verordnung (EU) 2023/1115, 23.12.2025.