Cascara, die getrocknete Schale der Kaffeekirsche, ist in der EU erst seit Februar 2022 als Lebensmittel zugelassen, und eine Tasse enthält nach Messungen meist nur rund 10 bis 30 mg Koffein.Herkunft und EU-Zulassung, heißer und kalter Aufguss, Qualitätsmerkmale und Preise.

In jeder Kaffeekirsche stecken zwei Bohnen, umhüllt von Fruchtfleisch und Haut. Bei der Aufbereitung fällt diese Hülle in großen Mengen an und landet oft auf dem Kompost. Getrocknet wird daraus Cascara, spanisch für Schale. Aufgegossen erinnert sie eher an Früchtetee als an Kaffee.

Neu ist die Idee nicht. Im Jemen trinkt man seit Jahrhunderten Qishr, einen Aufguss aus Kaffeeschalen mit Ingwer. In Europa ist Cascara dagegen ein junges Produkt mit eigener Rechtsgeschichte.

Was Cascara ist: vom Qishr zum Specialty-Café

Cascara besteht aus dem getrockneten Fruchtfleisch und der Haut der Kaffeekirsche. Bei der trockenen Aufbereitung gehören auch Pergament und Silberhaut dazu, bei der nassen nur Fruchtfleisch und Haut. Je nach Verfahren schmeckt die Cascara deshalb unterschiedlich. Mehr zu den Verfahren findest du bei Aufbereitung: Washed, Natural, Honey.

Im Jemen ist der Schalenaufguss gut belegt. Der Reisende Robert Finlay beschrieb 1823 ein „keshr“, das Gästen statt Kaffee angeboten wurde. Heute wird Qishr oft mit Ingwer und manchmal mit Zimt gewürzt. In der EU-Notifizierung werden außerdem Äthiopien, Bolivien und Uganda als Länder mit Tradition genannt.

Als Exportprodukt bekannt machte Cascara ab etwa 2005 die salvadorianische Kaffeefarmerin Aida Batlle. Starbucks brachte im Januar 2017 in den USA einen Cascara Latte als Winter-Getränk heraus: Espresso, Milch und Cascara-Sirup, beschrieben mit Noten von dunklem braunem Zucker und Ahorn.

Heißer Tee in einem Teeglas
Cascara schmeckt eher nach Früchtetee als nach Kaffee und wird auch so aufgegossen.

Erst seit 2022 erlaubt: was die EU-Zulassung regelt

In Deutschland gab es 2015 und 2016 kurz Cascara-Getränke im Handel. Sie verschwanden wieder, weil die Pulpe als neuartiges Lebensmittel galt und keine Zulassung hatte. Die kam mit der Durchführungsverordnung (EU) 2022/47 vom 13. Januar 2022, in Kraft seit dem 3. Februar 2022. Den Antrag als traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland hatte Nestlé gestellt.

Erlaubt sind die getrocknete Pulpe von Arabica und Robusta sowie ihr Aufguss. Auf dem Etikett steht etwa „Cascara (Pulpe der Kaffeekirsche)“. Die Verordnung nennt als Zubereitung bis zu 6 g auf 100 ml Wasser über 75 °C. Zum direkten Essen ist die getrocknete Pulpe nicht zugelassen.

Getränke mit mehr als 150 mg Koffein pro Liter brauchen einen Warnhinweis für Kinder, Schwangere und Stillende. Außerdem legt die Verordnung Grenzwerte fest, unter anderem höchstens 18 Prozent Wasser und weniger als 5,0 µg Ochratoxin A pro kg. Übrigens: Die oft genannte Verordnung (EU) 2020/917 betrifft Tee aus Kaffeeblättern, nicht Cascara.

Wie viel Koffein steckt in einer Tasse?

Cascara enthält Koffein, aber in der Tasse meist deutlich weniger als Kaffee. Eine Laboranalyse für die Londoner Rösterei Square Mile fand im stärksten Aufguss 111,4 mg pro Liter. Filterkaffee liegt dort bei rund 400 bis 800 mg pro Liter. Mehr Cascara bedeutete mehr Koffein, die Ziehzeit änderte wenig.

Eine polnische Studie von 2025 maß in einem Cascara-Aufguss aus 1 g auf 50 ml rund 5,3 mg pro 100 ml, etwa ein Achtel des Werts ihres Kaffee-Extrakts. Von uns umgerechnet ergibt das für eine Tasse mit 250 ml rund 13 bis 28 mg. Zum Vergleich findest du weitere Werte bei Koffein in Espresso, Filterkaffee und Cold Brew.

Die Spanne kann nach oben ausreißen. Die EFSA rechnet im ungünstigsten Fall, bei voller Extraktion und hoher Dosierung, mit bis zu 600 mg pro Liter. Das ist ein theoretischer Höchstwert, kein Messwert. Die Messungen beziehen sich zudem auf einzelne Proben und Rezepte.

Richtig aufbrühen: heiß, kalt und als Latte

Hersteller empfehlen recht unterschiedliche Rezepte. Grundsätzlich gilt: mehr Cascara gibt mehr Geschmack und mehr Koffein, längeres Ziehen vor allem mehr Tiefe. Die Pulpe schmeckt fruchtig nach Hagebutte, Kirsche, Honig oder Hibiskus, je nach Herkunft auch nach Nektarine und Tamarinde.

Quelle Menge Wasser Ziehzeit
EU-Verordnung (Höchstwert) bis 6 g auf 100 ml über 75 °C keine Angabe
Röster Nicaragua-Cascara 10 g auf 500 ml 95 °C 10 Minuten
Röster Panama-Cascara 7,5 g auf 200 ml 94 bis 96 °C rund 4 Minuten
Röster-Ratgeber (French Press) 3 bis 4 g auf 100 ml rund 90 °C mindestens 8 Minuten
Cold Brew wie heiß, kalt angesetzt kalt mindestens 12 Stunden

Die French Press eignet sich gut, weil die großen Schalenstücke Platz brauchen. Wie du sie bedienst, steht in French Press: Anleitung. Für die kalte Variante kannst du die Cascara über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen und mit Zitrone oder Rosmarin verfeinern.

Unser Tipp

So gelingt dir Cascara:

  • Starte mit 30 bis 40 g pro Liter bei 90 bis 95 °C und 5 bis 10 Minuten Ziehzeit.
  • Für Cold Brew mindestens 12 Stunden kalt ziehen lassen, dazu Zitrone oder Rosmarin.
  • Achte auf die Bezeichnung „Cascara (Pulpe der Kaffeekirsche)“ und eine klare Herkunft.
  • Riecht die Ware muffig oder zeigt sie Flecken, verwende sie nicht.
  • Für einen Cascara Latte die Cascara mit Wasser und Zucker zu Sirup einkochen und mit Espresso und Milch mischen.

Qualität und Sicherheit: warum die Trocknung zählt

Die Schale ist der Teil der Kirsche, in dem sich Schimmel am ehesten festsetzt. Laut einem FAO-Bericht entsteht das Schimmelpilzgift Ochratoxin A beim Sonnentrocknen vor allem in der Fruchthülle. Kaffeeschalen gelten dort als reichste Ochratoxin-Quelle im Rohkaffee. Eine Schalenprobe aus Thailand enthielt 319 µg pro kg.

Wichtig sind deshalb schnelle Trocknung auf rund 12 Prozent Feuchte und Schutz vor erneuter Nässe. Für Cascara im EU-Handel gilt der Grenzwert von weniger als 5,0 µg Ochratoxin A pro kg. Lagere deine Packung trocken und luftdicht, so bleibt sie aromatisch und unbedenklich.

Cascara kaufen: Herkunft und Preise

Cascara kommt meist von Spezialitätenröstereien, oft als Nebenprodukt einer bestimmten Farm. In unserer Stichprobe stammten die Produkte aus Nicaragua, Panama, El Salvador und Peru. Für 100 g zahlst du bei deutschen Röstern rund 7 bis 10 €. Seltene Partien, etwa von Geisha-Bäumen aus El Salvador, kosten bei einem französischen Händler 21 € pro 100 g.

Die Verbraucherzentrale nennt einen Durchschnittspreis von rund 84 € pro Kilogramm. Bio- und Fairtrade-Ware ist meist etwas teurer. Für Kaffeebauern ist Cascara eine zusätzliche Einnahme aus einem Teil der Kirsche, der sonst oft weggeworfen wird.

Unsere Empfehlungen

Kaltaufguss · rund 26 €

Hario Mizudashi Cold Brew Coffee Pot 1 l

Glaskanne mit feinem Dauerfilter, 1.000 ml

Plus: Der Klassiker unter den Cold-Brew-Kannen funktioniert genauso für kalt aufgegossene Cascara. Den Filter ziehst du nach der Ziehzeit einfach heraus.

Minus: Sehr feine Cascara-Stücke können durch den Filter rutschen, und Glas ist empfindlich.

Bei Amazon ansehen*

French Press · rund 40 bis 55 €

Bodum Chambord French Press 1 l

Glaskanne, verchromter Stahlrahmen, Metallsieb

Plus: Seit Jahrzehnten die Referenz unter den Stempelkannen. Darin ziehst du Cascara heiß und trennst sie sauber ab.

Minus: Das Sieb sitzt laut Kundenbewertungen manchmal stramm im Glas.

Bei Amazon ansehen*

Lust auf mehr Kaltes? Unsere Cold-Brew-Anleitung funktioniert mit leichten Anpassungen auch für Cascara.

Cascara ist ein fruchtiger Aufguss mit Kaffeegeschichte und meist wenig Koffein. Seit 2022 ist er in der EU klar geregelt. Achte beim Kauf auf Herkunft und gute Trocknung, dann bekommst du einen Tee, den es so nur aus der Kaffeekirsche gibt.

Alle Preise sind Richtwerte und können sich ändern. Wir haben die Produkte nicht selbst getestet.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. EUR-Lex: Durchführungsverordnung (EU) 2022/47 (getrocknete Pulpe der Kaffeekirsche), 13.01.2022.
  2. LawPlayer (konsolidierter Text): Durchführungsverordnung (EU) 2022/47, abgerufen 23.10.2026.
  3. Europäische Kommission: Notification of coffee cherry pulp as traditional food (Zusammenfassung), 2021.
  4. legislation.gov.uk: Commission Implementing Regulation (EU) 2020/917 (Kaffeeblätter), 01.07.2020.
  5. EFSA Journal (NDA Panel): Safety of dried coffee husk (cascara) from Coffea arabica L. as a novel food, 25.02.2022.
  6. Verbraucherzentrale: Cascara: Das sollten Sie über das koffeinhaltige Aufgussgetränk wissen, Stand 09.10.2026.
  7. Square Mile Coffee Roasters: Cascara and caffeine, 30.08.2013.
  8. Słowik-Borowiec et al., Molecules: A Cascara-Infused Caffeine Drink as a Social Beverage, 2025.
  9. FAO: Ochratoxin A in Coffee, abgerufen 23.10.2026.
  10. Wikipedia: Qishr, abgerufen 23.10.2026.
  11. Wikipedia: Coffee cherry tea, abgerufen 23.10.2026.
  12. QSR Magazine: Starbucks‘ first new beverage of 2017: Cascara Latte, Januar 2017.
  13. Kaffeemacher: Cascara – Kaffeekirschentee, 100 g, abgerufen 23.10.2026.
  14. Coffee Circle: Cascara Tea, abgerufen 23.10.2026.
  15. Terres de Café: Cascara Lechuza 100g – Salvador, abgerufen 23.10.2026.
  16. Happy Coffee: Cascara: Kaffeekirschen-Tee, 08.05.2025, aktualisiert 22.04.2026.
  17. Crema: Hario Mizudashi Coffee Pot, Preis abgerufen 23.10.2026.
  18. Crema: Bodum Chambord, Preis abgerufen 23.10.2026.
  19. testsieger.de: Bodum 1928-16 Chambord Kaffeebereiter 1,0 l (Preisvergleich), Preise abgerufen 31.10.2026.

Bildnachweis

  1. Heißer Tee in einem Teeglas – Foto: Erfan Amiri / Unsplash

Die Auswahl ist redaktionell, es gibt keine bezahlten Platzierungen. Mit * markierte Links sind Affiliate-Links zu Amazon: Kaufst du darüber, erhalten wir eine kleine Provision, für dich ändert sich der Preis nicht. Wir haben die Produkte nicht selbst getestet; Plus und Minus beruhen auf Herstellerangaben und Händlerbeschreibungen. Preise sind Richtwerte aus deutschen Shops, Stand Oktober 2026, Preis und Verfügbarkeit bei Amazon können abweichen.