Für Cold Brew lässt du 100 g grob gemahlenen Kaffee in 1 Liter kaltem Wasser 12 bis 16 Stunden im Kühlschrank ziehen und filterst ihn danach. Setzt du ihn stärker als Konzentrat an, verdünnst du ihn vor dem Trinken.Rezepte für Konzentrat und trinkfertig, Schritt-für-Schritt-Anleitung, Haltbarkeit und Cold Brew im Vergleich mit Iced Coffee.

Cold Brew kommt nie mit heißem Wasser in Berührung. Lebensmittelchemiker aus Karlsruhe definieren ihn über die Temperatur. Das Wasser bleibt unter Körpertemperatur, typisch sind rund 8 °C im Kühlschrank oder Zimmertemperatur. Kaltes Wasser löst Aromen langsamer, deshalb braucht der Ansatz viele Stunden statt weniger Minuten.

Die Arbeit selbst dauert nur ein paar Minuten. Du brauchst Kaffee, kaltes Wasser, ein großes Glas oder eine French Press und einen Papierfilter. Den Rest erledigt der Kühlschrank über Nacht.

Das Grundrezept: Verhältnis, Mahlgrad und Ziehzeit

Ein festes Standardrezept gibt es nicht, die Quellen liegen aber nah beieinander. Eine Schweizer Rösterei nennt als Grundrezept 100 g Kaffee auf 1 Liter kaltes, weiches Wasser. Trinkfertig sind für sie Verhältnisse von 1:10 bis 1:13, ab 1:8 wird es ein Konzentrat. Gemahlen wird grob wie für die French Press, die Ziehzeit liegt bei 12 bis 16 Stunden, höchstens 24 Stunden.

Konzentrate setzen manche Systeme noch deutlich stärker an. Die Anleitung zu einem US-Bereiter nennt 340 g grob gemahlenen Kaffee auf 1,65 Liter Wasser und 12 bis 24 Stunden. Das entspricht rund 1:5 (von uns umgerechnet). Für ein kaltes Getränk verdünnst du dieses Konzentrat etwa 1:1 mit Wasser, Milch oder Eis. Für heißen Kaffee nimmst du die ein- bis zweifache Menge heißes Wasser.

Variante Kaffee : Wasser Mahlgrad Ziehzeit Danach
trinkfertig (Schweizer Rösterei) 1:10 bis 1:13, z. B. 100 g auf 1 l grob 12 bis 16 h, höchstens 24 h pur auf Eis
Konzentrat (Schweizer Rösterei) 1:8 oder stärker grob 12 bis 16 h mit Wasser, Milch oder Tonic strecken
Konzentrat (US-Bereiter) 340 g auf 1,65 l, rund 1:5 grob wie grober Zucker 12 bis 24 h 1:1 verdünnen
Kaltbrühkanne (Brühanleitung eines US-Händlers) 80 g auf 1 l mittel 12 bis 18 h im Kühlschrank pur
Umfrage unter Fachleuten (Karlsruhe 2020) meist 80 bis 100 g pro Liter grob im Schnitt 16 h keine Angabe

Die Ziehzeit hängt am Mahlgrad und an der Temperatur. Im Kühlschrank wird Cold Brew laut der Rösterei klarer und kontrollierter, bei Zimmertemperatur extrahiert er etwas schneller. Die Karlsruher Gruppe arbeitet selbst mit 80 g pro Liter, mittelfein gemahlen, und nur rund 2 Stunden bei 15 °C. Längere Zeiten brachten ihr im Geschmack nichts und vor allem mehr Bitterkeit.

Eine Studie aus Philadelphia zeigt, warum sich die Zeiten so stark unterscheiden dürfen. Koffein und Chlorogensäure waren dort nach 6 bis 7 Stunden weitgehend gelöst, danach kam nur noch wenig dazu. Wie viel Koffein am Ende im Glas landet, hängt deshalb vor allem vom Verhältnis und der Verdünnung ab. Die Werte stehen in Koffein in Espresso, Filterkaffee und Cold Brew.

Kalt gebrühter Kaffee, Cold Brew
Cold Brew im Glas. Bis er so weit ist, zieht das Pulver viele Stunden in kaltem Wasser.Foto: Eugene Chystiakov / Unsplash

Schritt für Schritt: ansetzen, ziehen lassen, filtern

Für einen Liter trinkfertigen Cold Brew reicht ein großes Glas mit Deckel oder eine French Press. Spül Gefäß, Sieb und Flasche vorher heiß aus. Beim kalten Brühen fehlt die Hitze, die Keime abtötet, deshalb zählt sauberes Werkzeug mehr als beim Filterkaffee.

  1. Mahlen: Mahl 100 g Kaffee grob, etwa wie für die French Press. Zu feines Pulver verstopft später den Filter.
  2. Ansetzen: Gib das Pulver ins Gefäß, gieß 1 Liter kaltes Wasser dazu und rühr einmal um, bis alles nass ist.
  3. Ziehen lassen: Deck das Gefäß ab und stell es 12 bis 16 Stunden in den Kühlschrank. Probier nach der Hälfte der Zeit einmal.
  4. Grob abtrennen: Drück den Stempel der French Press langsam herunter oder gieß alles durch ein feines Sieb.
  5. Fein filtern: Gieß den Kaffee anschließend durch einen Papierfilter, etwa in einem Handfilter. Er wird dadurch klarer.
  6. Abfüllen: Füll den Cold Brew in eine saubere, verschließbare Flasche und stell ihn gleich zurück in den Kühlschrank.

Die Rösterei nutzt für ihre großen Ansätze dieselben zwei Stufen. Erst kommt ein grober Vorfilter, dann Filterpapier. Das Papier läuft langsam, hält aber feine Schwebstoffe zurück, die sonst den Kaffee trüben.

Unser Tipp

So wird dein Cold Brew rund:

  • Fang mit 100 g Kaffee auf 1 Liter Wasser an und ändere danach immer nur einen Wert.
  • Schmeckt er dünn, nimm beim nächsten Mal mehr Kaffee oder lass ihn länger ziehen.
  • Schmeckt er holzig oder bitter, verkürz die Ziehzeit oder mahl etwas gröber.
  • Nimm weiches Wasser, hartes Leitungswasser streckst du mit destilliertem Wasser.
  • Schreib Menge, Mahlgrad und Stunden auf den Deckel, dann kannst du Ansätze vergleichen.
Kaffee wird in ein Glas gegossen
Fertig gefiltert gießt du den Cold Brew ins Glas. Ein Konzentrat streckst du dort mit Wasser, Milch oder Eis.Foto: Jerney Geier / Unsplash

Bohnen und Wasser: was im Cold Brew gut schmeckt

Kaltes Wasser holt andere Seiten aus dem Kaffee als heißes. Die Schweizer Rösterei empfiehlt mittlere Röstungen mit Noten von Schokolade, Nuss und Karamell. Helle, fruchtige Filterkaffees passen ihrer Erfahrung nach besser zu heiß auf Eis gebrühtem Kaffee. In der Karlsruher Umfrage bevorzugten die Befragten ebenfalls mittlere Röstungen mit grobem Mahlgrad.

Das ist eine Geschmacksfrage und keine feste Regel. Probier ruhig auch einen fruchtigen, gewaschenen Kaffee kalt an, er schmeckt dann meist weicher als heiß. Wie sich helle, mittlere und dunkle Röstungen unterscheiden, steht in Röstgrad hell, mittel, dunkel.

Weil Cold Brew fast nur aus Wasser besteht, schmeckst du dessen Härte mit. Die Rösterei rät zu kaltem, weichem Wasser, die Karlsruher Gruppe brühte mit 4,8 °dH. Wie du dein Leitungswasser einordnest und hartes Wasser weicher machst, zeigt Welches Wasser für Kaffee.

Säure im Cold Brew: ähnlicher pH-Wert, weniger Säure insgesamt

Cold Brew gilt als besonders säurearm. Forscherinnen der Thomas Jefferson University in Philadelphia haben das 2018 geprüft. Sie brühten sechs helle bis mittlere Röstungen aus mehreren Ländern einmal heiß und einmal kalt. Für Cold Brew zogen 35 g Kaffee in 350 ml Wasser 7 Stunden bei Zimmertemperatur.

Messwert Cold Brew heiß gebrüht
pH-Wert 4,96 bis 5,13 4,85 bis 5,10
titrierbare Säure niedriger höher
antioxidative Kapazität niedriger höher

Der pH-Wert lag bei beiden Brühweisen fast gleich. Heiß gebrühter Kaffee enthielt aber mehr titrierbare Säure, also mehr Säure insgesamt. Die Forscherinnen halten den pH-Wert deshalb für ein schlechtes Maß für die Säure im Kaffee. Dass Cold Brew vielen weicher schmeckt, liegt also eher an der Mischung der gelösten Stoffe.

Die Studie hat Grenzen. Getestet wurden nur sechs Kaffees, und die Filtration lief nicht bei kontrollierter Temperatur. Gesundheitliche Wirkungen hat sie nicht gemessen. Für empfindliche Mägen lässt sich daraus also kein Versprechen ableiten.

Cold Brew oder Iced Coffee: zwei Wege zum kalten Kaffee

Iced Coffee ist heiß gebrühter Kaffee, der danach gekühlt wird. Bei der japanischen Methode, auch Flash Brew genannt, ersetzt Eis in der Karaffe einen Teil des Brühwassers. Die Schweizer Rösterei nennt 30 g Kaffee, 150 g heißes Wasser und 150 g Eis, gebrüht im Handfilter. Wie du dafür am Handfilter gießt, steht in Handfilter V60, Kalita und Chemex.

Cold Brew Japanese Iced Coffee (Flash Brew)
Wasser kalt, rund 8 °C bis Zimmertemperatur heiß, zur Hälfte durch Eis ersetzt
Zeit 12 bis 16 Stunden wenige Minuten
Rezept-Beispiel 100 g auf 1 l 30 g, 150 g Wasser, 150 g Eis
Geschmack weich, schokoladig klarer und fruchtiger
passende Bohnen mittlere Röstungen helle, fruchtige Filterkaffees
im Kühlschrank einige Tage kürzer haltbar

Es gibt auch einen Mittelweg. Der Gründer der Rösterei gießt ein Drittel des Wassers heiß auf und füllt zwei Drittel kalt nach. Danach kommt der Ansatz 8 Stunden in den Kühlschrank. Mit dem deutschen Eiskaffee mit Vanilleeis und Sahne haben alle drei Varianten wenig zu tun.

Glas mit Iced Coffee und Eiswürfeln
Iced Coffee auf Eiswürfeln. Er wird heiß gebrüht und erst danach gekühlt.Foto: Matt Hoffman / Unsplash

Haltbarkeit: im Kühlschrank wenige Tage

Beim kalten Brühen fehlt der Schritt, der Keime abtötet. Außerdem liegt der pH-Wert von Cold Brew laut der Karlsruher Übersichtsarbeit meist zwischen 4,9 und 6,0. Erst unter 4,6 bremst die Säure Keime zuverlässig. Laut einer dort zitierten Untersuchung können Salmonellen, Listerien und E. coli 7 bis 28 Tage im Cold Brew überleben.

Im Handel ist das Bild beruhigend. Die kanadische Lebensmittelbehörde prüfte 59 abgepackte, gekühlte Cold Brews. Salmonellen und E. coli O157 fand sie in keiner Probe. In 15 Proben war die Gesamtkeimzahl erhöht, die Behörde sieht darin einen Hinweis auf Lücken in der Hygiene.

Quelle Empfehlung
Schweizer Rösterei, trinkfertig meist 2 bis 3 Tage
Schweizer Rösterei, Konzentrat 5 bis 7 Tage, je nach Methode
Karlsruher Übersichtsarbeit, kleine Hersteller höchstens 2 Tage, am besten täglich frisch
Gesundheitsamt Maricopa County (USA), für Betriebe höchstens 7 Tage bei höchstens 5 °C
Anleitung zu einem US-Bereiter, Konzentrat bis zu 2 Wochen

Eine amtliche Frist für hausgemachten Cold Brew gibt es in Deutschland nicht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für den Kühlschrank höchstens 7 °C, besser unter 5 °C. Gekühlte Speisereste sollen laut BfR innerhalb von zwei bis drei Tagen verbraucht werden. Für trinkfertigen Cold Brew ist das eine vorsichtige Orientierung, die zur Angabe der Rösterei passt.

Riecht der Kaffee gärig oder säuerlich, wird er trüb oder zeigt er Schimmel, gieß ihn weg. Die Rösterei rät ausdrücklich, sich auf Nase und Augen zu verlassen und weniger auf die Zahl der Tage. Kleine Ansätze, die du in zwei bis drei Tagen trinkst, sind die einfachste Lösung.

Abgefüllter Cold Brew in einer Glasflasche
Sauber abgefüllt und gut gekühlt hält trinkfertiger Cold Brew zwei bis drei Tage.Foto: Joseph Gonzalez / Unsplash

Für den Anfang reicht ein Glas, ein Sieb und ein Papierfilter. Setz am Abend 100 g grob gemahlenen Kaffee mit 1 Liter kaltem Wasser an und filtere ihn am nächsten Morgen. Danach passt du Menge und Zeit an deinen Geschmack an.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Benjamin Hohlmann, Kaffeemacher: Cold Brew, 04.07.2026.
  2. Kwok, R.; Lee Wee Ting, K.; Schwarz, S.; Claassen, L.; Lachenmeier, D. W., Challenges 11(2), 26: Current Challenges of Cold Brew Coffee: Roasting, Extraction, Flavor Profile, Contamination, and Food Safety, 13.10.2020.
  3. Rao, N. Z.; Fuller, M., Scientific Reports 8, 16030: Acidity and Antioxidant Activity of Cold Brew Coffee, 30.10.2018.
  4. Fuller, M.; Rao, N. Z., Scientific Reports 7, 17979: The Effect of Time, Roasting Temperature, and Grind Size on Caffeine and Chlorogenic Acid Concentrations in Cold Brew Coffee, 21.12.2017.
  5. Seattle Coffee Gear: Toddy Cold Brew System Product Guide, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  6. Ragan LaTour-Kelley, Prima Coffee: Hario Mizudashi Brewing Guide, 14.07.2023.
  7. Canadian Food Inspection Agency: Bacterial Pathogens in Cold Brewed Coffee, April 1, 2018 to March 31, 2019, 2020.
  8. Maricopa County Environmental Services: Cold Brew Coffee Guidance, März 2024.
  9. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zum korrekten Kühlen von Lebensmitteln im Privathaushalt, 13.02.2023.