Das Münchner Unternehmen Planet A Foods hat am 27. Oktober 2026 ein Pulver vorgestellt, das Kakaopulver in Backwaren, Füllungen und Getränken teilweise oder ganz ersetzen soll.Was über den Cocoa Booster bekannt ist, was offen bleibt und was er für Kakaogetränke bedeuten kann.
Planet A Foods wurde 2021 von Sara und Maximilian Marquart gegründet. Bekannt geworden ist das Unternehmen mit ChoViva, einer schokoladenähnlichen Masse ohne Kakao. Sie besteht aus gemahlenen Sonnenblumenkernen, die nach dem Vorbild der Schokoladenherstellung fermentiert und geröstet werden; Zucker und pflanzliche Fette kommen dazu. Nach Angaben des Unternehmens steckt ChoViva inzwischen in mehr als 230 Produkten in zwölf Ländern. Seit November 2025 arbeitet Planet A Foods in einer langfristigen Partnerschaft mit dem Schweizer Schokoladenhersteller Barry Callebaut zusammen.
Der Cocoa Booster ist die zweite Zutat des Unternehmens. Anders als ChoViva ersetzt er nicht die Schokolade, sondern das Kakaopulver, also den Bestandteil, der Keksen, Kuchen, Puddings und Trinkschokoladen Farbe und Kakaogeschmack gibt.
Das Pulver
Laut Pressemitteilung besteht der Cocoa Booster aus einem einzigen Rohstoff. Er stammt aus der EU, wird dort verarbeitet und ist frei von Allergenen. Welcher Rohstoff es ist, nennt das Unternehmen nicht. Technisch baut das Pulver auf derselben Plattform auf wie ChoViva.
Es gibt drei Varianten, die den gängigen Sorten von Kakaopulver entsprechen sollen: natürlich, alkalisiert und dunkel. Sie sollen in Farbe und Geschmack dem jeweiligen Kakaopulver gleichen und sich in bestehende Rezepturen einsetzen lassen, ohne dass Hersteller ihre Produktion umstellen. Als Einsatzbereiche nennt Planet A Foods Kekse, Muffins, Biskuit, Puddings, fettbasierte Cremefüllungen und Getränke. In manchen Rezepturen soll das Pulver das Kakaopulver vollständig ersetzen können. An anderer Stelle beschreibt die Mitteilung es als Teilersatz, der mit Kakaopulver gemischt wird. Wie weit der Ersatz in der Praxis geht, dürfte von Produkt zu Produkt verschieden sein.
Als Vorteil hebt das Unternehmen den Ballaststoffgehalt hervor: rund 69 Gramm pro 100 Gramm Pulver, gegenüber rund 37 Gramm bei Kakaopulver nach US-Nährwertdaten. Der Cocoa Booster ist kein Produkt für Endkunden. Hersteller verwenden ihn als Zutat in eigenen Rezepturen, ohne dass eine Marke auf der Packung erscheint. Vertrieben wird er weltweit über das Vertriebs- und Entwicklungsnetz von Barry Callebaut. Einen Preis nennt die Mitteilung nicht.
Der Anlass
Hinter dem Produkt steht der stark schwankende Kakaopreis. Planet A Foods begründet die Einführung mit dem Risiko für die kommende Ernte: Prognosen sähen die Wahrscheinlichkeit eines starken El Niño für 2026/27 bei über 90 Prozent, was die Ernten in Ghana und Côte d’Ivoire gefährden könne. Beide Länder liefern nach Angaben des Unternehmens rund 60 Prozent des Weltkakaos.
Maximilian Marquart, Geschäftsführer und Mitgründer, sagte laut Pressemitteilung, die Schwankungen beim Kakao seien ein dauerhaftes Problem, auf das die Industrie mit planbaren Zutaten reagieren müsse. Sara Marquart, Mitgründerin und Technikchefin, begründete die Entwicklung damit, dass bisherige Streckmittel für Kakaopulver Fehlgeschmack verursachten, nur in der Farbe passten oder zusätzlichen Zucker und Aromen in die Rezeptur brachten.
Offene Fragen
Mehrere Punkte lassen sich anhand der Angaben des Unternehmens nicht beurteilen. Der Rohstoff bleibt ungenannt; erkennbar wird er erst in der Zutatenliste der fertigen Produkte. Unabhängige Verkostungen oder Vergleichstests liegen bisher nicht vor, die Aussagen zu Geschmack und Farbe stammen vom Hersteller selbst.
Auch die Kennzeichnung ist offen. Was in der EU als Kakao- und Schokoladeerzeugnis bezeichnet werden darf, regelt eine eigene Richtlinie. Wie Hersteller Produkte benennen und bewerben, in denen ein Teil des Kakaopulvers ersetzt ist, beantwortet die Mitteilung nicht.
Für die Anbauländer ist die Entwicklung nach unserer Einschätzung ein Signal, kein unmittelbarer Einschnitt. Ersetzen Hersteller dauerhaft einen Teil des Kakaopulvers, sinkt die Nachfrage nach Kakao, der zu Pulver verarbeitet wird. Wie groß dieser Effekt werden kann, hängt davon ab, wie viele Hersteller das Pulver einsetzen, und dazu gibt es noch keine Zahlen. Was Bauern in Westafrika derzeit für ihren Kakao bekommen, zeigt der Blick auf die Erzeugerpreise der Haupternte.
Für Cafés ist das Thema vor allem bei fertigen Mischungen relevant. Wer Kakao oder Trinkschokolade aus einem Pulver vom Großhändler zubereitet, kann künftig auf Mischungen treffen, in denen ein Teil des Kakaos ersetzt ist. Weil der Cocoa Booster ohne eigene Marke verkauft wird, zeigt das nur die Zutatenliste. Eine Trinkschokolade aus echter Schokolade betrifft das nicht.
So behältst du den Überblick über deine Kakaoprodukte:
- Lies bei Kakao- und Trinkschokoladenmischungen die Zutatenliste, besonders nach einem Wechsel der Rezeptur oder des Lieferanten.
- Frag deinen Großhändler, ob sich bei einer Mischung die Zusammensetzung geändert hat, wenn Farbe oder Geschmack anders wirken.
- Achte bei einer Preisanpassung darauf, ob sich auch der Kakaoanteil auf der Packung geändert hat.
Ob der Cocoa Booster Kakaopulver in großem Stil ersetzt, entscheidet sich bei den Herstellern von Keksen, Füllungen und Getränkepulvern. Für sie ist das Pulver eine Antwort auf den teuren und unberechenbaren Rohstoff. Wie gut diese Antwort schmeckt und wie offen sie auf der Packung steht, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Produkte im Handel sind.
Stand: 1. November 2026.
Quellen
- Planet A Foods: Planet A Foods launches Cocoa Booster to tackle cocoa costs and meet growing demand for fiber, Pressemitteilung, München, 27.10.2026.
- Planet A Foods: Press (Übersicht der Pressemitteilungen, Gründer, Pressekontakt), abgerufen 1.11.2026.
- Barry Callebaut: Barry Callebaut and Planet A Foods partner to pioneer sustainable chocolate alternatives without cocoa, November 2025, abgerufen 1.11.2026.
- Europäische Union: Richtlinie 2000/36/EG über Kakao- und Schokoladeerzeugnisse für die menschliche Ernährung, 23.6.2000.



