Der First Flush aus März und April schmeckt hell und blumig, der Second Flush aus Mai und Juni kräftiger und färbt die Tasse rotbraun.Die vier Ernten im Vergleich, Preise, geschützte Herkunft, Blattgrade und Zubereitung.

Darjeeling ist ein Distrikt im Norden des indischen Bundesstaats Westbengalen. Der Tee wächst dort an steilen Hängen in 600 bis 2.250 Metern Höhe. Im Winter ruhen die Sträucher, ab März treiben sie wieder aus. Jeder dieser Wachstumsschübe heißt im Teeanbau Flush.

Derselbe Garten liefert deshalb im Lauf des Jahres sehr verschiedene Tees. Wetter, Blatt und Verarbeitung ändern sich von Ernte zu Ernte. Auf der Packung steht der Flush darum meist gleich neben dem Gartennamen.

Frische Teeblätter aus Indien
Frische Teeblätter. Wie sie später in der Tasse schmecken, hängt stark davon ab, in welcher Jahreszeit sie gepflückt wurden.Foto: jaikishan patel / Unsplash

Vier Ernten von März bis November

Ein kanadisches Teehaus beschreibt den Jahreslauf so: Auf den First Flush im März und April folgt der Second Flush im Mai und Juni. Im Juli und August kommt der Monsun mit Hitze und viel Regen. Die Sträucher wachsen dann schnell, die Ernte ist groß, das Aroma aber verdünnt. Im Oktober und November bremsen kühle Nächte das Wachstum, und es entsteht der Herbsttee.

Ernte Pflückzeit Geschmack Tasse
First Flush März bis April blumig und fruchtig, grüne Frische hellgelb
Second Flush Mai bis Juni reife Frucht, Muskateller, Gewürze rotbraun bis kupfern
Monsoon Flush Juli bis August, je nach Quelle bis Oktober vollmundig und dunkel, meist für Mischungen dunkel
Autumn Flush Oktober bis November weich und holzig mit karamelligen Noten, süßlich hell

Die Grenzen verschieben sich je nach Jahr und Höhenlage. Ein deutscher Teefachhändler zählt den Monsun bis Oktober und kennt zusätzlich einen In-between-Tee um Anfang April. Er trägt noch Züge des First Flush und leitet zum Sommer über. Kräftige Monsuntees nennt der Händler Tees für jeden Tag, bei denen die Menge die Qualität übertrifft.

First Flush und Second Flush: Wetter und Verarbeitung

Nach der Winterruhe ist das Frühjahr kühl und eher trocken. Gepflückt wird die Knospe mit den ersten zwei Blättern. Für den First Flush welken die Blätter lange und stark, sie verlieren dabei mehr als 70 Prozent ihrer Feuchtigkeit. Erst danach oxidiert das schon halb trockene Blatt. Deshalb sieht ein First Flush in der Dose oft grünlich aus, obwohl er als Schwarztee verkauft wird.

Im Mai und Juni ist es warm und feucht, die Blätter sind saftiger. Beim Rollen tritt mehr Zellsaft aus, und die Oxidation läuft weiter. Der Tee wird dunkler und schmeckt kräftiger. Die Beschreibungen reichen von reifer Frucht und Zitrus bis zu braunem Zucker.

Berühmt ist der Second Flush für seine Muskatellernote, die an Muskattrauben erinnert. Japanische Forscher fanden 2004 zwei Duftstoffe, die für das Aroma von Darjeeling besonders wichtig sind. Beide riechen nach Apfel und Muskattraube. Die Forscher vermuten, dass die Pflanze sie bildet, wenn kleine Insekten an den Trieben saugen. Wie stark die Note ausfällt, schwankt deshalb von Garten zu Garten und von Jahr zu Jahr.

Triebspitze eines Teestrauchs mit Knospe und jungen Blättern
Eine Triebspitze mit Knospe und jungen Blättern. Genau diesen Teil pflücken die Arbeiterinnen in Darjeeling.Foto: Natasha Yurova / Unsplash

Preise: warum die Frühjahrsernten mehr kosten

First und Second Flush machen nur einen kleinen Teil der Ernte aus, bringen aber das meiste Geld. Laut einem Bericht von 2024 entfallen je rund 20 Prozent der Jahresmenge auf First und Second Flush. Die übrigen 60 Prozent sind Regentees aus dem Sommer. Schon 2017 meldete die Branche, dass der Second Flush allein rund 40 Prozent des Jahresumsatzes bringt. Monsun- und Herbsttees wurden damals etwa zu Herstellungskosten oder darunter verkauft.

Einzelne Partien erzielen Spitzenpreise. Im März 2024 verkaufte ein Garten 5 Kilogramm weißen First Flush für 31.000 Rupien pro Kilogramm. Das sind umgerechnet rund 290 € pro Kilogramm (zum Kurs vom 22.10.2026). Im deutschen Fachhandel liegen die Preise deutlich darunter, wie die Liste eines Händlers zeigt.

Tee beim deutschen Fachhändler Ernte Preis pro 100 g
Darjeeling FOP Second Flush 6,40 €
Darjeeling TGFOP1 First Flush 9,50 €
Darjeeling FTGFOP1, bio Second Flush 13,50 €
Darjeeling FTGFOP1 aus einem Garten, bio First Flush 14,60 €
Darjeeling FTGFOP1, bio, Ernte 2025 First Flush 17,60 €

Bei vergleichbarer Qualität kostet der First Flush in dieser Liste etwas mehr als der Second Flush. Den größten Sprung macht aber die Qualitätsstufe. Ein einfacher FOP kostet weniger als die Hälfte eines FTGFOP1 aus einem bestimmten Garten.

Echter Darjeeling: 87 Gärten und ein geschützter Name

Darjeeling-Tee stammt aus 87 Gärten auf knapp 17.400 Hektar, so die Weltorganisation für geistiges Eigentum in einer Fallstudie von 2010. Damals lieferte die Region gut 1 Prozent des indischen Tees. Das Logo mit der Pflückerin entwarf die indische Teebehörde schon 1983. In der EU ist Darjeeling seit Oktober 2011 eine geschützte geografische Angabe.

Die EU-Verordnung erlaubt den Namen nur für Tee, der vollständig im abgegrenzten Gebiet erzeugt wurde. Mischungen mit anderem Tee dürfen nicht als Darjeeling verkauft werden. Lose Ware muss im Gebiet verpackt werden, die Packung für den Laden darf auch anderswo entstehen. Die Verordnung kennt drei Sortierungen: ganzes Blatt, Broken und Fannings.

Die Ernte schrumpft seit Jahren. 1990 kamen 14,49 Millionen Kilogramm aus Darjeeling, 2008 noch 11,58 Millionen. Für 2025 meldet die Branche nur noch rund 5,3 Millionen Kilogramm. Als Gründe nennt sie alte Sträucher, fehlende Arbeitskräfte, unberechenbares Wetter und schwache Preise.

Jahr Produktion in Darjeeling
1990 14,49 Mio. kg
2008 11,58 Mio. kg
2017 (Gärten monatelang stillgelegt) 3,2 Mio. kg
2025 rund 5,3 Mio. kg
Teeplantage an steilen Berghängen in Darjeeling
Teegarten an einem steilen Hang. Darjeeling-Tee wächst laut EU-Verordnung zwischen 600 und 2.250 Metern Höhe.Foto: Mosharraf Hossain / Unsplash

Blattgrade: was SFTGFOP und FTGFOP bedeuten

Die Buchstabenreihen auf Darjeeling-Packungen beschreiben das Aussehen des trockenen Blatts. Sie sagen etwas über Blattgröße und Knospenanteil, aber wenig über den Geschmack. Gartenname, Flush und Erntejahr verraten mehr. Ein einheitlicher Standard für die Grade fehlt zudem, jeder Händler legt sie etwas anders aus.

Kürzel steht für Bedeutung
OP Orange Pekoe ganzes Blatt, Grundstufe für Schwarztee
F Flowery gut geformtes, frisch wirkendes Blatt
G Golden viele goldene Blattspitzen
T Tippy viele ungeöffnete Knospen
F (vorn) Finest besonders gute Ware
S Special oberste Stufe
1 zusätzliche Auszeichnung innerhalb der Stufe
BOP Broken Orange Pekoe gebrochenes Blatt, zieht schneller

Ein SFTGFOP1 ist also ein ganzes Blatt mit vielen goldenen Spitzen und Knospen in der höchsten Stufe. Das Orange im Namen hat nichts mit der Farbe zu tun. Es geht vermutlich auf das niederländische Königshaus Oranien-Nassau zurück. Gebrochene Blätter ergeben schneller einen kräftigen, aber oft auch herberen Aufguss.

Zubereitung: Temperatur und Ziehzeit je Ernte

Der deutsche Fachhändler gießt Darjeeling mit sprudelnd kochendem Wasser auf, auch den First Flush. Unterschiede gibt es bei der Ziehzeit. Der zarte First Flush zieht 2 Minuten, ein Second Flush 2,5 bis 3 Minuten. Pro Liter nimmt der Händler 12 bis 13 Gramm Blatt, für eine Tasse mit 250 Millilitern also rund 3 Gramm.

Tee Blatt pro Liter pro 250 ml Wasser Ziehzeit
First Flush 12 g 3 g 100 °C 2 min
Second Flush, FTGFOP1 12 g 3 g 100 °C 2,5 min
Second Flush, FOP 13 g rund 3,3 g 100 °C 3 min

Diese Werte decken sich mit unserer Übersicht zum Tee aufgießen mit Temperatur und Ziehzeit. Für First Flush empfiehlt der Händler gefiltertes oder weiches Wasser, denn Kalk nimmt zarten Tees das Aroma. Wie du die Härte deines Leitungswassers einordnest, steht in Welches Wasser für Kaffee. Die Werte gelten für Tee genauso.

Darjeeling trinkst du am besten ungesüßt. Der Händler schlägt für den Second Flush höchstens einen kleinen Löffel weißen Kandis pro Tasse vor. Milch überdeckt die feinen Noten eines First Flush, das ist allerdings unsere Einschätzung. Beim kräftigeren Second Flush ist das Geschmackssache.

Unser Tipp

So holst du das Beste aus deinem Darjeeling:

  • Wieg das Blatt ab, rund 3 Gramm reichen für eine große Tasse.
  • Stell dir einen Timer und halte beim First Flush die 2 Minuten ein.
  • Gieß den Tee vollständig ab, damit er nicht weiterzieht.
  • Probier First und Second Flush aus demselben Garten nebeneinander, so schmeckst du den Unterschied am deutlichsten.
  • Achte beim Kauf auf Gartenname, Flush und Erntejahr statt nur auf das Kürzel.
Zwei Tassen Tee auf Holzklötzen
Zwei Tassen Tee. Im direkten Vergleich ist der First Flush heller als der rotbraune Second Flush.Foto: Akhilesh Sharma / Unsplash

Für den Einstieg reichen zwei Packungen, ein First Flush und ein Second Flush. Mit kochendem Wasser und 2 bis 3 Minuten Ziehzeit zeigt jeder seinen eigenen Charakter. Danach weißt du, welche Jahreszeit dir besser schmeckt.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Camellia Sinensis: The Darjeeling’s Annual Flavour Cycle, 20.05.2022, geändert 20.06.2023.
  2. TeeGschwendner: Anbaugebiet Darjeeling, abgerufen 24.10.2026.
  3. TeeGschwendner, Produktseite: Darjeeling Soom First Flush, abgerufen 24.10.2026.
  4. TeeGschwendner, Produktseite: Darjeeling FTGFOP1 Avantgarde Second Flush Bio, abgerufen 24.10.2026.
  5. TeeGschwendner, Produktseite: Darjeeling Nr. 6 FOP Second Flush, abgerufen 24.10.2026.
  6. Kawakami, M.; Sarma, S.; Himizu, K.; Konishi, Y.; Kobayashi, A., Tagungsband World Green Tea Association: Aroma Characteristics of Darjeeling Tea, 2004.
  7. ETV Bharat: Darjeeling premium first flush tea fetches a price of Rs 31,000 per kg, 27.03.2024.
  8. IANS, The Morung Express: Darjeeling shutdown hits tea industry’s production, revenue, 22.06.2017.
  9. Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs Indische Rupie (22.10.2026: 106,249 INR), abgerufen 24.10.2026.
  10. WIPO: Managing the Challenges of the Protection and Enforcement of Intellectual Property Rights (Darjeeling Tea), 11.06.2010.
  11. Europäische Kommission: Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1050/2011 zur Eintragung der Bezeichnung Darjeeling (g. g. A.), 20.10.2011.
  12. Forbes Tea: Darjeeling Tea to hit new production low in 2025, 05.02.2026.
  13. Agro & Food Processing: Darjeeling Tea Industry Seeks Relief from Govt as Output, Prices Decline, 01.07.2026.
  14. Peter Keen, Tea Journey: Pekoe Tea Grades: Unmuddling the OP, BOP, SFTGFOP System, 10.09.2019.