Kaffee im Regal wird erst Monate später und nur wenig billiger, weil Röster Rohkaffee im Voraus kaufen und er nur einen Teil des Ladenpreises ausmacht.Börsenkurse und Ladenpreise, der Weg vom Kontrakt ins Regal, eine Rechnung für 500 Gramm und Spartipps.
An der Börse ist Rohkaffee im Herbst 2026 deutlich günstiger als vor einem Jahr. Arabica kostet rund ein Viertel weniger, Robusta fast ein Drittel. Im Supermarkt merkst du davon wenig. Viele Markenkaffees kosten so viel wie im Frühjahr, manche mehr als vor zwei Jahren.
Das hat nichts mit einem einzelnen Trick des Handels zu tun. Der Rohkaffee braucht viele Monate bis ins Regal, und auf dem Weg kommen Kosten dazu, die mit dem Börsenkurs nicht sinken. Wir haben die Zahlen von Börse, Statistischem Bundesamt und Stiftung Warentest zusammengetragen. Dollarpreise sind mit dem EZB-Kurs vom 22. Oktober 2026 umgerechnet, 1 € entspricht 1,1205 US-Dollar.
Börse und Ladenregal: zwei Kurven, die sich kaum berühren
Arabica wird in New York gehandelt, in US-Cent pro Pfund. Am 23. Oktober 2026 kostete ein Pfund rund 307 US-Cent, umgerechnet rund 6,05 € je Kilo. Das sind rund 24 % weniger als ein Jahr zuvor. Robusta notiert in London in US-Dollar pro Tonne. Am 22. Oktober 2026 waren es 3.281 Dollar, umgerechnet rund 2,93 € je Kilo und rund 29 % weniger als vor einem Jahr.
Beim Import kommt der Rückgang schon an. Laut Statistischem Bundesamt war eingeführter Rohkaffee im August 2026 um 11,3 % billiger als ein Jahr zuvor. Im Laden sieht es anders aus. Die Gruppe Kaffee, Tee und Kakao kostete im September 2026 nur 3,3 % weniger als im Vorjahresmonat.
| Stufe | Stand | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Arabica, Börse New York | 23.10.2026, rund 307 US-Cent/lb (rund 6,05 €/kg) | rund minus 24 % |
| Robusta, Börse London | 22.10.2026, 3.281 US-Dollar/t (rund 2,93 €/kg) | rund minus 29 % |
| Rohkaffee beim Import nach Deutschland | August 2026 | minus 11,3 % |
| Kaffee, Tee und Kakao im Laden | September 2026 | minus 3,3 % |
| Verbraucherpreise insgesamt | September 2026 | plus 3,3 % |
Der lange Blick zeigt, wie hoch das Niveau noch ist. Laut Stiftung Warentest kostete Kaffee im Juni 2026 rund 53 % mehr als Anfang 2020. Sie stützt sich dabei auf Zahlen des Statistischen Bundesamts. Ein kleines Minus auf dieses Niveau macht Kaffee also noch nicht billig.

Vom Kontrakt ins Regal: mindestens neun Monate Vorlauf
Der Kurs an der Börse ist ein Preis für Kaffee, der erst später geliefert wird. Röster kaufen ihren Rohkaffee meist lange im Voraus über Lieferverträge. Viele sichern den Preis zusätzlich mit Terminkontrakten ab. Fällt der Markt danach, zahlen sie für diese Ware weiter den alten Preis.
Danach braucht der Kaffee Zeit. Er wird im Erzeugerland verladen, verschifft, beim Importeur gelagert und erst dann geröstet und verpackt. Zwischen Herstellern und Handelsketten laufen zudem Preisverhandlungen in festen Runden. Branchenkenner schätzen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, dass Änderungen beim Rohkaffeepreis mindestens neun Monate bis zum Verbraucher brauchen.
Ein großer Schweizer Lebensmittelkonzern hat das im Juli 2026 selbst so beschrieben. Sein Leiter der Kaffeemarken kündigte an, den Preisrückgang bei künftigen Preisentscheidungen zu berücksichtigen. Wie stark, hänge aber von den Lagerbeständen und den Preisen ab, die der Konzern für bereits gekauften Kaffee gezahlt habe.
Im Oktober 2026 legte der Konzern Zahlen für die ersten neun Monate vor. Im Kaffeegeschäft trugen höhere Preise in diesem Zeitraum noch 3,8 Prozentpunkte zum Umsatzwachstum bei, im dritten Quartal 2,0 Prozentpunkte. Dieser Preiseffekt lasse weiter nach, schreibt der Konzern. Für Europa spricht er von nachlassenden Preiserhöhungen in einem umkämpften Markt. Von Preissenkungen ist keine Rede.
Dazu kommen Kosten, die mit dem Rohkaffee gar nicht sinken. Energie war beim Import im August 2026 laut Statistischem Bundesamt um 43,0 % teurer als ein Jahr zuvor. Als Grund nennt das Amt vor allem den Krieg im Nahen Osten. Strom für die Röstmaschine, Fracht, Verpackung und Löhne werden nicht billiger, nur weil Arabica nachgibt.

Was der Rohkaffee am Preis einer Packung ausmacht
Beim Rösten verlieren die Bohnen 14 bis 20 % ihres Gewichts, vor allem Wasser. Für 500 g Röstkaffee braucht ein Röster deshalb rund 600 g Rohkaffee. Dazu kommen in Deutschland 2,19 € Kaffeesteuer je Kilo Röstkaffee und 7 % Mehrwertsteuer. Die Kaffeesteuer hängt am Gewicht und bleibt unabhängig vom Börsenkurs gleich.
Wir haben ausgerechnet, um wie viel eine 500-g-Packung höchstens billiger werden könnte, wenn der gesamte Rückgang an der Börse weitergegeben würde. Grundlage sind die Kurse vom Oktober 2026 und die Rückgänge zum Vorjahr, alles zum heutigen Wechselkurs.
| Posten für 500 g Röstkaffee (von uns gerechnet) | Betrag |
|---|---|
| Rohkaffee Arabica zum Börsenkurs, rund 600 g | rund 3,63 € |
| Rohkaffee Robusta zum Börsenkurs, rund 600 g | rund 1,76 € |
| Kaffeesteuer, 2,19 € je kg | rund 1,10 € |
| Rückgang Arabica binnen eines Jahres, mit 7 % Mehrwertsteuer | höchstens rund 1,23 € |
| Rückgang Robusta binnen eines Jahres, mit 7 % Mehrwertsteuer | höchstens rund 0,77 € |
Bei einem Markenkaffee für 8,99 € entspricht der Arabica-Rückgang also höchstens rund einem Siebtel des Preises. Bei einer Eigenmarke für 4,49 € wäre es gut ein Viertel. Viele günstige Mischungen enthalten zudem Robusta, dessen Rückgang kleiner ausfällt. Der Börsenkurs gilt außerdem für Standardware, der tatsächliche Einkaufspreis einer Rösterei kann davon abweichen.
Bei Specialty Coffee spielt die Börse eine noch kleinere Rolle, weil er zu ausgehandelten Preisen weit darüber gehandelt wird. Wie sich eine solche Packung zusammensetzt, steht in Warum Specialty Coffee so viel kostet. Warum Robusta an der Börse nur rund halb so viel kostet wie Arabica, erklärt Arabica oder Robusta.
Der Puffer wirkt in beide Richtungen
Die lange Kette bremst Senkungen, sie hat aber auch Erhöhungen gedämpft. Im April 2025 war importierter Rohkaffee laut Statistischem Bundesamt 53,1 % teurer als ein Jahr zuvor. Die Röstereien verlangten für gerösteten Kaffee 43,3 % mehr. Bohnenkaffee im Laden kostete dagegen nur 12,2 % mehr.
| April 2025, Veränderung zum Vorjahresmonat | Wert |
|---|---|
| Rohkaffee beim Import | plus 53,1 % |
| Erzeugerpreis Röstkaffee, nicht entkoffeiniert | plus 43,3 % |
| Bohnenkaffee im Laden | plus 12,2 % |
Eine Untersuchung des US-Landwirtschaftsministeriums kam schon 2007 zu einem ähnlichen Ergebnis. Stieg der Rohkaffeepreis um 10 US-Cent pro Pfund, gingen im selben Quartal nur rund 2 Cent an die Kunden weiter. Hielt die Änderung an, kam sie auf Dauer fast vollständig im Laden an. Belege dafür, dass Erhöhungen schneller weitergegeben werden als Senkungen, fanden die Forscher nicht.
Die Studie bezieht sich auf den US-Markt und ist fast zwanzig Jahre alt. Für Deutschland gibt es keine vergleichbare veröffentlichte Auswertung. Das Muster passt aber zu den heutigen Zahlen von Import und Ladenpreis.

Eigenmarken zuerst: wo die Senkungen schon ankommen
Am schnellsten reagieren die Eigenmarken von Discountern und Supermärkten. Im Oktober 2025 senkten große Händler ihre Kaffeepreise um rund 7 %. Im März 2026 folgte die nächste Runde, im Mai 2026 ging es um weitere 10 bis 50 Cent je Packung nach unten. Ein Discounter begründete den Schritt ausdrücklich mit sinkenden Rohstoffpreisen.
| Gemahlener Eigenmarken-Kaffee, 500 g | Preis |
|---|---|
| 2023 | unter 4 € |
| Oktober 2025 | ab 5,49 € |
| Mai 2026 | ab 4,79 € |
| Ende Juni 2026, drei Eigenmarken | 4,49 € |
Bei Markenkaffee geht es langsamer. Laut Stiftung Warentest kosteten zwei Röstkaffees eines großen Filialrösters im August 2026 je 8,99 € pro 500 g. Das sind 22 % mehr als 2024. Mehrere Markenhersteller nannten nur unverbindliche Preisempfehlungen. Die Regalpreise legt der Handel fest, und er arbeitet oft mit Aktionen.

Der Börsenkurs ist ein frühes Signal und kein Ladenpreis. Bleibt Rohkaffee über Monate günstiger, wird auch Kaffee im Regal nach und nach billiger, zuerst bei den Eigenmarken. Um ein Viertel sinkt der Packungspreis aber nicht, dafür sind Steuer, Rösten, Energie und Handel ein zu großer Teil davon.
Stand: 26. Oktober 2026.
Quellen
- Trading Economics: Coffee – Price, Chart, Historical Data (Arabica 307,45 US-Cent/lb, 23.10.2026), abgerufen 24.10.2026.
- wallstreet-online: Kaffee Robusta, ICE Futures Europe (3.281 US-Dollar/t, 22.10.2026), abgerufen 24.10.2026.
- Europäische Zentralbank: Euro foreign exchange reference rates, 22.10.2026.
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 364: Inflationsrate im September 2026, 13.10.2026.
- Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 344: Import- und Exportpreise im August 2026, 30.09.2026.
- top agrar (nach Statistischem Bundesamt): Bohnenkaffee hat sich stark verteuert, 03.06.2025.
- Stiftung Warentest: Kaffee-Preise: Mit diesen Marken können Sie jetzt sparen, 12.08.2026.
- Lebensmittel Praxis: Discounter und Supermärkte senken Preise für Kaffee erneut, 11.05.2026.
- Tageskarte (dpa): Kaffee wird wieder etwas günstiger, 23.10.2025.
- ESM Magazine (Reuters): Nestlé Could Lower Coffee Prices As Bean Costs Fall, 02.07.2026.
- Nestlé: Third-quarter and nine-month 2026 sales, 22.10.2026, abgerufen 26.10.2026.
- Leibtag, E.; Nakamura, A.; Nakamura, E.; Zerom, D., USDA Economic Research Service: Cost Pass-Through in the U.S. Coffee Industry (ERR-38), Zusammenfassung, März 2007.
- Barista Hustle: Wissensbeitrag zum Gewichtsverlust beim Rösten, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
- Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Kaffeesteuer (WD 4 – 140/18), 2018.
- Philipp Schallberger, Kaffeemacher: Die Kaffeesteuer, 03.01.2024.



