Am 1. und 2. November feiert Mexiko den Día de Muertos, und auf vielen Ofrendas und Tischen steht dann Champurrado: ein dickflüssiges Getränk aus Maisteig, Schokolade und Rohrzucker.Mais und Kakao vor der Kolonialzeit, Champurrado für vier Tassen, Tejate aus Oaxaca und mexikanische Schokolade.
Heiße Schokolade kennen wir als Milchgetränk. In Mexiko gibt es daneben eine viel ältere Linie: Kakao, der mit Mais verrührt und aufgeschäumt wird. Champurrado gehört zur Familie der Atoles, warmer Getränke auf Maisbasis. Tejate wird dagegen kalt getrunken und stammt aus dem Bundesstaat Oaxaca.
Schaum für die Götter: Kakao bei Maya und Azteken
Kakao ist in Mittelamerika uralt. Die Mokaya im heutigen Chiapas tranken laut Forschungsstand schon um 1900 v. Chr. ein bitteres, schaumiges Kakaogetränk. Die Maya gossen ihren Kakao aus großer Höhe von einem Gefäß ins andere. So entstand der begehrte Schaum, an dessen Farbe man die Qualität ablas.
Bei den Azteken war Kakao ein Luxusgetränk der Eliten. Gewürzt wurde mit Chili, Honig, Vanille, Blüten oder dem roten Farbstoff Annatto. Zimt kam erst mit den Spaniern ins Land. Kakaobohnen dienten sogar als Zahlungsmittel: 1545 bekam man für 30 Bohnen ein kleines Kaninchen.
Auch Mais gehörte schon früh in manche Kakaogetränke. Die Spanier machten daraus mit Zucker, Milch und Zimt nach und nach das süße, heiße Getränk, das wir heute kennen. Wie Kakaosorten sich unterscheiden, liest du bei Kakaosorten: Criollo, Forastero, Trinitario.

Champurrado: wenn Atole auf Schokolade trifft
Für Champurrado brauchst du Masa, also Maisteig aus nixtamalisiertem Mais, oder dessen getrocknete Form Masa harina. Dazu kommen Schokolade, Piloncillo, Wasser oder Milch und oft eine Zimtstange. Manche geben Anis oder Vanille dazu. Der Mais macht das Getränk sämig, fast wie einen trinkbaren Pudding.
Aufgeschäumt wird traditionell mit dem Molinillo, einem gedrechselten Holzquirl. Du drehst ihn zwischen den Handflächen hin und her, bis das Getränk schäumt. Der Molinillo stammt nicht aus vorspanischer Zeit, er wird Spaniern um 1700 zugeschrieben. Ein Stabmixer funktioniert ebenfalls.
In Mexiko ist Champurrado besonders zum Día de Muertos beliebt und zu den Posadas vor Weihnachten. Dazu gibt es Tamales oder Pan de muerto. Der Día de Muertos steht seit 2008 auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Dabei wird auch der verstorbenen Kinder gedacht, der „angelitos“: Für sie liegen Spielzeuge auf den Altären.
Rezept: Champurrado für vier Tassen
Unser Rezept ist von uns umgerechnet nach dem Champurrado von Isabel Orozco-Moore (Isabel Eats). Das Original ergibt sechs Portionen, wir haben die Mengen auf zwei Drittel reduziert und in Gramm und Milliliter übertragen. Es ergibt etwa vier Tassen à 200 ml.
- 630 ml Milch
- 40 g Piloncillo (ersatzweise Panela oder dunkler Rohrzucker)
- 115 g mexikanische Tischschokolade
- 1 Zimtstange
- 240 ml warmes Wasser
- 40 g Masa harina
- 1 bis 1½ TL Vanilleextrakt
- 1 Prise Salz
- Milch, Piloncillo, Schokolade und Zimtstange bei schwacher bis mittlerer Hitze erwärmen, bis Zucker und Schokolade geschmolzen sind. Dabei oft rühren.
- Die Zimtstange herausnehmen.
- Masa harina in einer Schüssel mit dem warmen Wasser glatt rühren.
- Die Maismischung mit Vanille und Salz in den Topf geben und unterrühren.
- Kurz aufkochen, dann bei kleiner Hitze 15 bis 20 Minuten unter häufigem Rühren köcheln, bis der Champurrado einen Löffelrücken überzieht.
- Mit dem Molinillo oder Stabmixer aufschäumen und heiß servieren.
Die Konsistenz kannst du leicht anpassen: Mehr Wasser macht ihn flüssiger, mehr Masa dicker. Magst du es klassisch französisch statt mexikanisch, schau bei Trinkschokolade wie in Paris.
Damit dein Champurrado gelingt:
- Nimm Masa harina aus nixtamalisiertem Mais, kein Polenta- oder Maismehl, sonst fehlt der typische Geschmack.
- Rühr die Masa erst in lauwarmem Wasser glatt, bevor sie in den Topf kommt, so bilden sich keine Klümpchen.
- Bleib beim Köcheln am Topf, die Masa setzt sich schnell am Boden an.
- Ohne Molinillo schäumt ein Stabmixer das Getränk genauso gut auf.
- Statt Piloncillo passen Panela oder dunkler Muscovado.
Tejate aus Oaxaca: Mais, Kakao und ein Blütenschaum
Tejate ist ein kaltes Getränk aus vorspanischer Zeit und vor allem bei Zapoteken und Mixteken verbreitet. Der Name geht vermutlich auf das Nahuatl-Wort für „mehliges Wasser“ zurück. Die Grundzutaten sind Mais, Kakao, geröstete Kerne der Mamey-Frucht, genannt Pixtle, und die Blüten der Rosita de cacao.
Laut einer Studie der University of California, Santa Barbara, kommen dabei oft zwei Kakaoarten zum Einsatz, Theobroma cacao und Theobroma bicolor. Die Zutaten werden fein gemahlen und von Hand mit Wasser verknetet. Dabei bildet sich eine dicke Schaumschicht, die als wichtigstes Qualitätsmerkmal gilt. Die Zubereitung dauert zwei Stunden oder länger, ohne das Garen des Maises.
Verkauft wird Tejate von Tejateras auf Märkten in Oaxaca-Stadt, Zaachila und Ocotlán. San Andrés Huayápam feiert ihm ein eigenes Fest. Die Forschenden sehen das Getränk aber auch unter Druck: Manche kommerziellen Versionen nutzen industrielle Fette als Schaumbildner, und mit der Abwanderung kochen weniger Haushalte selbst.
Mexikanische Schokolade: was in der Tischschokolade steckt
Für Champurrado nimmt man in Mexiko meist Chocolate de mesa, also Tischschokolade in Tabletten. Sie ist grob, süß und oft mit Zimt aromatisiert. Die bekannte Marke Abuelita kam 1939 auf den Markt und gehört seit 1995 zu Nestlé. Laut Zutatenliste enthält sie neben Zucker und Kakao auch Pflanzenfette und künstliches Zimtaroma.
Lies also die Zutatenliste, wenn dir Kakao statt Ersatzfett wichtig ist. Als Notlösung kannst du nach unserer Einschätzung auch dunkle Schokolade mit etwas Zucker und Zimt nehmen. Wie du Kuvertüre als Basis für ein Getränk nutzt, steht bei Heiße Schokolade aus Kuvertüre.
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Plus: Auf mexikanischen Granitmühlen gemahlen wie Tischschokolade, ohne Pflanzenfett oder Aroma, nur zwei Zutaten.
Minus: Der Kakao stammt aus der Dominikanischen Republik, und ohne Zimt musst du für Champurrado selbst würzen.
Fachbuch · rund 50 €
Margarita Carrillo Arronte: Mexico – The Cookbook (Phaidon)
Plus: Mehr als 700 Rezepte der mexikanischen Küche in einem Band, als Nachschlagewerk für Atoles und Co.
Minus: Nur auf Englisch erhältlich, und mit rund 50 € ein teures Buch.
Champurrado und Tejate zeigen, wie eng Kakao in Mexiko mit Mais verbunden ist. Zum Día de Muertos am 1. und 2. November ist ein Topf Champurrado ein guter Anlass, diese Tradition zu probieren.
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Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Wikipedia: History of chocolate, abgerufen 23.10.2026.
- Wikipedia: Champurrado, abgerufen 23.10.2026.
- Isabel Orozco-Moore, Isabel Eats: Champurrado Recipe (Mexican Chocolate Drink), 04.12.2024.
- Chocolate Class: On the Preparation of Champurrado: The Cultural Relevance of the Molinillo, 19.02.2016.
- Wikipedia: Day of the Dead, abgerufen 23.10.2026.
- Soleri, Cleveland, Aragón Cuevas, Current Anthropology: Food Globalization and Local Diversity: The Case of Tejate, 2008.
- Wikipedia: Tejate, abgerufen 23.10.2026.
- Wikipedia: Abuelita, abgerufen 23.10.2026.
- Chocolats de Luxe: Taza Super Dark 85 %, steingemahlen, abgerufen 24.10.2026.
- eichendorff21: Mexico: The Cookbook, abgerufen 24.10.2026.
- Lehmanns: Mexico: The Cookbook, abgerufen 24.10.2026.
Bildnachweis
- Becher mit heißer Schokolade – Foto: Rachael Gorjestani / Unsplash
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