Der Kaffeeexport Brasiliens hat im Oktober 2026 einen Monatsrekord erreicht: 287.300 Tonnen Rohkaffee, fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Die neuen Zahlen der brasilianischen Regierung, ihre Wirkung auf den Börsenpreis und die kleineren Ernten in Costa Rica und Indien.
Die brasilianische Außenhandelsbehörde Secex hat am 6. November ihre Daten für Oktober veröffentlicht. Demnach verließen 287.300 Tonnen Rohkaffee das Land. Das entspricht 4,79 Millionen Sack zu je 60 Kilo und liegt 23,3 Prozent über dem Oktober 2025. Der bisherige Monatsrekord stammte aus dem November 2024.
Die Einnahmen wuchsen deutlich langsamer, nämlich um 5,2 Prozent auf 1,6 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 1,43 Milliarden Euro. Für jede Tonne erhielt Brasilien also fast 15 Prozent weniger als im Vorjahr.
Börse
Hinter der Menge steht eine außergewöhnlich große Ernte. Brasilien hat 2026 nach Branchenschätzungen so viel Kaffee eingebracht wie nie zuvor. Das reichliche Angebot drückt auf den Preis, wie schon die Entwicklung des Kaffeepreises im Herbst gezeigt hat. Arabica zur Lieferung im Dezember schloss am 5. November an der New Yorker Börse bei 277,15 US-Cent je Pfund. Das war der tiefste Stand seit fünf Wochen. Umgerechnet kostete ein Kilo Rohkaffee damit rund 5,47 Euro. Händler rechnen damit, dass die vielen Lieferungen die knappen Lagerbestände der Börse nach und nach auffüllen.
In anderen Anbauländern fällt die Ernte dagegen kleiner aus. Das Kaffeeinstitut von Costa Rica hat seine Schätzungen für die Anbauregionen um 10 bis 15 Prozent gesenkt. Unregelmäßiger Regen infolge von El Niño hat dort die Düngung um etwa einen Monat verzögert. Auch Qualität und Gewicht des Exportkaffees leiden darunter. In Indien erwartet das Coffee Board nach einem schwachen Monsun nur noch rund 380.000 Tonnen und damit gut fünf Prozent weniger als bisher.
Röstereien
Für Röstereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das ein geteiltes Bild. Brasilianischer Kaffee ist reichlich vorhanden und an der Börse deutlich billiger als vor einem Jahr. Aus Costa Rica kommt dagegen weniger Kaffee als zunächst erwartet. Im Supermarkt kommen sinkende Börsenpreise ohnehin nur verzögert an, weil Röster ihren Rohkaffee oft Monate im Voraus kaufen und der Rohkaffee nur einen Teil des Regalpreises ausmacht.
Wie lange der Druck auf die Preise anhält, hängt vor allem an der nächsten Ernte in Brasilien. Bisher sieht es dort gut aus. Nach Angaben des Agrarforschungszentrums Cepea verliefen Blüte und Fruchtansatz für 2027/28 normal. Im September und Oktober regnete es zudem mehr als üblich. Ob El Niño daran noch etwas ändert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Quellen
- Reuters / Investing.com Brasil: Exportação de petróleo e café do Brasil tem novo recorde em outubro, aponta Secex, 06.11.2026 (Daten der Secex).
- Ministério do Desenvolvimento, Indústria, Comércio e Serviços (MDIC): Corrente de comércio brasileira chega a US$ 66,3 bi, um recorde para o mês de outubro na série histórica, 06.11.2026.
- Comunicaffe International: Coffee futures: Arabica prices extends losses as El Niño and logistics concerns persist, 05.11.2026 (Schlusskurs, Rekordernte Brasilien, Cepea, Coffee Board).
- Notícias Agrícolas: Café acumula 3ª queda seguida em Nova York e fecha nos 277 cents, 05.11.2026.
- CR Hoy: El Niño ya afecta cultivos y amenaza la producción agropecuaria en 2027, 03.11.2026 (Angaben des Icafé).
- The Tico Times: El Niño Is Already Cutting Costa Rica’s Coffee Harvest by Up to 15%, 03.11.2026.
- Bloomberg: India Coffee Output to Miss Forecast as Monsoon Rains Disappoint, 04.11.2026.
- Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs vom 06.11.2026: 1 Euro = 1,1165 US-Dollar (Umrechnung aller Dollarbeträge; 1 Pfund = 0,4536 Kilogramm).
Bildnachweis: Kaffeebohnen trocknen in der Sonne – Foto: David Maillard / Unsplash



