Matcha wird teurer, weil die Nachfrage schneller wächst als Japans Teefelder. Tencha, der Rohstoff, kostete im Mai 2026 fast doppelt so viel wie 2025.Auktionspreise in Euro, Ernte- und Exportzahlen, Chinas Rolle und was im Regal ankommt.

Matcha wird aus Tencha gemahlen, einem Grüntee aus beschatteten Blättern. Diesen Rohstoff gibt es in Japan nur begrenzt. Neue Sträucher brauchen rund fünf Jahre bis zur ersten Ernte, und die Zahl der Teebauern sinkt. Gleichzeitig hat sich Japans Teeexport 2025 im Wert verdoppelt, getragen vom Pulvertee.

Die Zahlen stammen vom Agrarministerium MAFF, von Auktionen, aus der Exportstatistik und der Fachpresse. Yen haben wir mit dem EZB-Kurs vom 22. Oktober 2026 umgerechnet, 1 € sind 168,9 Yen.

Auktionen 2026: Tencha so teuer wie nie

Wie ein Teejahr läuft, zeigen in Japan die ersten Versteigerungen im Frühjahr. 2026 lagen sie fast überall deutlich über dem Vorjahr. Am 13. Mai versteigerte das Teezentrum der Agrargenossenschaft in Joyo bei Uji maschinell gepflückten Tencha. Der Durchschnitt lag bei 13.972 Yen pro Kilogramm, umgerechnet rund 83 €.

Das war rund das 1,7-Fache des Vorjahresrekords von 8.235 Yen. Einen Tag später zahlten Händler in Kagoshima im Schnitt rund 19.000 Yen, umgerechnet rund 112 €. Das ist rund das 1,8-Fache des Vorjahres, und 27 Teefabriken lieferten an, die Hälfte mehr als 2025.

Datum 2026 Ort, Tee Durchschnitt pro kg umgerechnet Vergleich
6. April Kagoshima, erste Auktion, Sencha 6.573 Yen rund 39 € 60 % über Vorjahr
20. April Shizuoka, Sencha aus Shizuoka 9.019 Yen rund 53 € zweiter Rückgang in Folge
24. April Uji, Sencha und Gyokuro 20.879 Yen rund 124 € Vorjahr 17.098 Yen, rund 101 €
13. Mai Joyo bei Uji, Tencha 13.972 Yen rund 83 € rund 1,7-mal Vorjahresrekord
14. Mai Kagoshima, Tencha rund 19.000 Yen rund 112 € rund 1,8-mal Vorjahr

In Uji rechnete das Teezentrum für die Saison mit einem doppelten Umsatz von rund 10,4 Milliarden Yen. Rund 90 Prozent des Handels dort entfallen auf Tencha. Teehersteller berichteten im Mai, dass ihre Rohstoffkosten mehr als doppelt so hoch seien wie 2025.

Ernte und Fläche: was das Agrarministerium zählt

Die amtlichen Zahlen zeigen ein Land mit weniger Teefeldern. Laut MAFF bauten Japans Bauern 2025 auf 33.400 Hektar Tee an. Die Fläche nimmt laut Ministerium seit Jahren langsam ab. Die Erntemenge stieg 2025 trotzdem leicht, zum ersten Mal seit vier Jahren.

Tencha wächst dabei gegen den Trend. Nach dem Lagebericht des Ministeriums vom Juli 2026 erzeugte Japan 2025 rund 3,2-mal so viel Tencha wie 2014. Er machte 8,6 Prozent der Rohteemenge aus. Den meisten Tencha erzeugt Kagoshima, danach folgen Kyoto und Shizuoka.

Kennzahl (MAFF) Wert Stand
Teeanbaufläche Japan 33.400 ha 2025
abgeerntete Fläche, Hauptanbaugebiete 25.400 ha, 5 % weniger als 2024 2025, vorläufig
Rohtee Japan gesamt 75.100 t 2025, vorläufig
Rohtee Hauptanbaugebiete 68.000 t, 2 % mehr als 2024 2025, vorläufig
erste Ernte, fünf Präfekturen 24.100 t, 21 % mehr als 2025 2026, Stand 18.08.2026
Anteil Tencha am Rohtee 8,6 % 2025
Rohteepreis Tencha 8.562 Yen/kg, rund 51 € 2025
Rohteepreis Sencha 1.746 Yen/kg, rund 10 € 2025

Die erste Ernte 2026 fiel gut aus. Trotzdem wurden die Blätter laut MAFF in Kagoshima für rund das Doppelte und in Shizuoka für rund 70 Prozent mehr gehandelt. Die Jahreszahlen mit der zweiten Ernte will das Ministerium im Februar 2027 veröffentlichen.

Üppig grüne Teepflanzen auf einem Feld unter bewölktem Himmel
Teepflanzen auf dem Feld. In Japan schrumpft die Anbaufläche seit Jahren, 2025 waren es laut Agrarministerium noch 33.400 Hektar.Foto: Nguyen Huong / Unsplash

Exporte: Pulvertee treibt den Rekord

Der Engpass entsteht vor allem durch die Nachfrage aus dem Ausland. Japan exportierte 2025 laut Teeexportverband 12.612 Tonnen Grüntee. Nach einem Bericht der Zeitung Yomiuri Shimbun lag die Menge zum ersten Mal seit rund 70 Jahren über 10.000 Tonnen. Der Wert stieg auf 72,1 Milliarden Yen, umgerechnet rund 427 Mio. €.

Pulvertee, die Zollgruppe mit Matcha, stellte 69 Prozent der Menge und 84 Prozent des Werts. Die Gruppe umfasst neben Matcha auch anderes gemahlenes Teepulver.

Zeitraum Grüntee gesamt davon Pulvertee Wert umgerechnet
2024 8.798 t 5.092 t 36,4 Mrd. Yen rund 215 Mio. €
2025 12.612 t 8.718 t 72,1 Mrd. Yen rund 427 Mio. €
Januar bis Mai 2025 4.490 t 2.835 t 20,7 Mrd. Yen rund 122 Mio. €
Januar bis Mai 2026 5.066 t 3.703 t 40,2 Mrd. Yen rund 238 Mio. €
Januar bis Juni 2026 keine Angabe keine Angabe 48,3 Mrd. Yen, 83,5 % über Vorjahr rund 286 Mio. €

Die Menge wächst langsamer als der Wert. Ein Kilogramm exportierter Pulvertee brachte 2025 im Schnitt 6.927 Yen, umgerechnet rund 41 €. Von Januar bis Mai 2026 waren es 9.524 Yen, umgerechnet rund 56 €. Das Agrarministerium nennt als Grund vor allem Latte und Süßspeisen in Nordamerika, Europa und Südostasien.

Deutschland gehört zu den größten Abnehmern. 2025 kamen 877 Tonnen Grüntee aus Japan hierher, davon 618 Tonnen Pulvertee. Von Januar bis Mai 2026 waren es schon 537 Tonnen, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der Wert lag bei 4,27 Milliarden Yen, umgerechnet rund 25 Mio. €.

Sencha und Bancha: Was der Tencha-Boom verdrängt

Tencha und Sencha wachsen oft auf denselben Feldern und meist von derselben Sorte, Yabukita. Der Betrieb entscheidet, ob er die Sträucher beschattet und Tencha erntet. Eine Kooperative in Shizuoka erntet heute auf rund 70 Prozent ihrer 17 Hektar Tencha, früher waren es unter 10 Prozent. Dafür investierte sie 2025 rund 200 Millionen Yen in Maschinen, umgerechnet rund 1,2 Mio. €.

Jedes umgestellte Feld fehlt beim Sencha und beim einfachen Bancha. Ein Teehaus aus Kyoto hat im Februar 2026 Erzeugerpreise aus der Präfektur veröffentlicht. Tencha kostete dort 2025 das 2,6-Fache des Vorjahres, Gyokuro, Sencha und Bancha das 1,3- bis 1,8-Fache. Außerdem lassen beschattete Sträucher laut dem Haus die zweite Ernte oft aus, damit sie sich erholen.

Tee (Präfektur Kyoto) Erzeugerpreis 2025 umgerechnet
Tencha 14.141 Yen/kg rund 84 €
Gyokuro 8.447 Yen/kg rund 50 €
Sencha 4.482 Yen/kg rund 27 €
Bancha 1.225 Yen/kg rund 7 €

Wie stark Tencha 2025 im Preis stieg, hängt an der Quelle. Die Yomiuri Shimbun berichtete im Juni 2026 vom rund Sechsfachen. Die Kyotoer Zahlen kommen auf das 2,6-Fache, das Ministerium nennt einen Jahresdurchschnitt für ganz Japan. Seit März 2026 nimmt das Kyotoer Teehaus einige große Packungen Hojicha und Genmaicha aus dem Onlineshop. Was Hojicha ist, steht in Hojicha: gerösteter Grüntee.

Grüner Tee
Grüner Tee. Jedes Feld, das auf Tencha umgestellt wird, fehlt bei Sencha und Bancha.Foto: Tang Don / Unsplash

China baut aus: Schätzungen statt Statistik

Während Japan an Grenzen stößt, erweitert China seine Produktion. Eine amtliche Statistik für Matcha gibt es dort nicht, die Zahlen sind Branchenschätzungen. Nach einem Beitrag im Tea & Coffee Trade Journal vom Juni 2026 erzeugte China 2025 rund 12.000 Tonnen Matcha. Das wären rund 70 Prozent der Weltmenge.

Die Zahl der Produktionslinien stieg demnach von 120 auf fast 600. Die Provinz Guizhou plant über 13.000 Hektar Tencha-Felder und eine Verarbeitung von 8.000 Tonnen pro Jahr. Für Japan schätzt der Beitrag die Matcha-Produktion auf rund 4.000 Tonnen.

Mit der Knappheit verändert sich auch das Produkt. Manche Hersteller lassen die Beschattung weg. Andere mahlen Sencha statt Tencha, im Handel als Moga-cha bekannt. Die Farbe ist ähnlich grün, doch es fehlt an Umami. Warum Schatten Matcha mild macht, steht in Matcha bitter oder mild.

Leuchtend grünes Matchapulver in Nahaufnahme; bei knappem Matcha lohnt der Blick auf Farbe und Herkunft
Matchapulver in Nahaufnahme. Die Farbe allein verrät nicht sicher, ob es aus beschattetem Tencha oder gemahlenem Sencha stammt.Foto: Tali / Unsplash

Was im Regal ankommt: Preise und Etiketten

Für den deutschen Handel gibt es keine amtliche Preisstatistik zu Matcha. Einen Anhaltspunkt liefert ein Teehaus aus Kyoto. Eine Dose mit 20 g kostet dort 1.400 bis 5.000 Yen, umgerechnet rund 8 bis 30 €. Das sind rund 41 bis 148 € pro 100 g.

Wie sich die Endpreise weiter entwickeln, ist offen. Im Februar 2026 erwartete das Kyotoer Teehaus für 2026 noch Preise auf Vorjahresniveau. Die Tencha-Auktionen im Mai lagen dann deutlich darüber. Japanische Hersteller rechneten im Mai mit kleineren Packungen oder rund 20 Prozent höheren Preisen im Handel.

Auf das Etikett kannst du dich dabei wenig verlassen. Laut Verbraucherzentrale Bayern ist Matcha in Deutschland kein lebensmittelrechtlich geschützter Begriff. In vielen Fertigprodukten steht er nur mit rund 1 Prozent auf der Zutatenliste. Auch Zeremonie- oder Kochqualität sind in Japan keine amtlichen Stufen. Mehr sagen Angaben zu Region, Erntezeit und Beschattung.

Im Milchgetränk fallen Unterschiede weniger auf als pur. Für einen Matcha Latte reicht deshalb oft einfaches Pulver, solange die Herkunft klar angegeben ist.

Matcha in einer weißen Keramiktasse
Matcha in der Keramiktasse. Pur zeigt sich die Qualität am deutlichsten, in Milch fallen einfachere Pulver weniger auf.Foto: Jason Leung / Unsplash

Die Lage bleibt angespannt, solange die Nachfrage aus dem Ausland so schnell wächst. Die gute erste Ernte 2026 hat die Preise nicht gesenkt. Neu gepflanzte Sträucher liefern erst nach rund fünf Jahren die erste Ernte.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Japanisches Agrarministerium (MAFF): 令和7年産茶の摘採面積、生葉収穫量及び荒茶生産量(主産県), Teeernte 2025, 20.02.2026.
  2. Japanisches Agrarministerium (MAFF): 令和8年産一番茶の摘採面積、生葉収穫量及び荒茶生産量(主産県), erste Ernte 2026, 18.08.2026.
  3. Japanisches Agrarministerium (MAFF): 茶をめぐる情勢, Lagebericht Tee, Juli 2026.
  4. Japanisches Agrarministerium (MAFF), nach Außenhandelsstatistik des Finanzministeriums: 2026年1‐6月 農林水産物・食品の輸出額, Agrarexporte Januar bis Juni 2026, August 2026.
  5. Nihoncha Yushutsu Sokushin Kyogikai (Japanischer Teeexportverband): Teeexporte Januar bis Dezember 2025, 2026.
  6. Nihoncha Yushutsu Sokushin Kyogikai (Japanischer Teeexportverband): Teeexporte Januar bis Mai 2026, 2026.
  7. Global Japanese Tea Association: Japanese Tea Report, April 2026, 30.04.2026.
  8. Global Japanese Tea Association: Japanese Tea Report, May 2026, 29.05.2026.
  9. Higuchi, A., The Yomiuri Shimbun, über Asia News Network: Matcha boom still simmering, but record-high exports bring Japanese tea farmers challenges, 02.06.2026.
  10. Walker, J., Tea & Coffee Trade Journal: Matcha & Sencha: supply shifts and what they mean for buyers, 17.06.2026.
  11. Ippodo Tea (Händlerangabe): Important Notice: Industry Supply Shortages and Upcoming Bancha Restrictions, 19.02.2026.
  12. Ippodo Tea, Produktseite: Ikuyo-no-mukashi 20g Box, abgerufen 24.10.2026.
  13. Ippodo Tea, Produktseite: Ummon-no-mukashi 20g Box, abgerufen 24.10.2026.
  14. Hohmann, L., ZDFheute: Matcha: Warum Herkunft und Qualität des Tees oft unklar sind, 13.09.2026.
  15. Ikkyu Tea, Bloise Aldo (Händlerangabe): Ceremonial vs. Culinary Matcha: Why ‚Ceremonial Grade‘ Isn’t a Japanese Classification, 05.11.2025.