Bisher nicht. Die Membran aus dem Labor holt etwa die Hälfte des Koffeins aus fertigem Kaffee, Entkoffeinierter im Handel bleibt behandelter Rohkaffee.Stand der Forschung, frühere Ansätze, die vier etablierten Verfahren und die Grenzwerte in EU und Deutschland.
Entkoffeiniert wird Kaffee seit über hundert Jahren, und zwar fast immer als grüne Bohne vor dem Rösten. Anfang des 20. Jahrhunderts löste ein Bremer Kaffeehändler das Koffein noch mit Benzol. Heute arbeiten die Anlagen mit Dichlormethan, Ethylacetat, Wasser oder Kohlendioxid.
Im September 2026 meldete eine Forschungsgruppe aus Sydney und Okayama einen anderen Weg. Eine sehr dünne Membran soll Koffein direkt aus dem fertigen Getränk filtern. Bisher sind das Laborwerte.
Die Graphenoxid-Membran: halb so viel Koffein im Labor
Die Membran besteht aus Graphenoxid. Das sind Kohlenstoffschichten von der Dicke eines Atoms, gestapelt zu Lagen. Zwischen den Lagen bleiben winzige Kanäle, durch die Wasser und gelöste Moleküle wandern. Laut dem beteiligten Forschungszentrum brachte die Gruppe Natriumalginat zwischen die Schichten und vernetzte es mit Calcium. Das verändert die Kanäle und damit, welche Moleküle durchkommen.
Die beste Membran entfernte laut Forschungszentrum etwa die Hälfte des Koffeins. Bewertet wurden die Varianten nach drei Kriterien: Koffeinentzug, Erhalt ausgewählter Inhaltsstoffe und Wasserdurchfluss. Vier Stoffe ließen sich nach dem Filtern noch nachweisen, nämlich Trigonellin, N-Methylpyridinium, Cholin und Hydroxymethylfurfural. Eine Membran, die mehr Koffein zurückhielt, nahm laut einem Fachmagazin auch zu viele andere Stoffe mit.
Die Forschenden räumen selbst ein, dass noch viel Arbeit nötig ist. Kaffeebestandteile setzten sich auf der Membran ab und bremsten das Wasser. Als nächste Schritte nennt das Zentrum Geschmacks- und Nährwerttests, Reinigung, Lebensdauer und Versuche im größeren Maßstab. Koffein als Nebenprodukt zu gewinnen, nennt es nur als Möglichkeit.

Filter gegen Koffein: eine alte Idee mit wenig Erfolg
Ein US-Lebensmittelkonzern meldete 1977 ein Patent auf eine Membran an, deren Poren mit einem Öl gefüllt sind. Das Koffein wandert durch das Öl in eine Wasserschicht auf der anderen Seite. Eine Konferenzstudie von 2011 nutzte Sonnenblumenöl in Hohlfasern und kam auf 45 bis 55 % Koffeinentzug pro Durchgang.
Für zu Hause gab es zuletzt einen Beutel mit Mineralperlen aus einem Start-up in Seattle. Er arbeitet ohne Membran, die Perlen binden das Koffein. Laut Firmengründer sollten nach acht Minuten bis zu 80 % verschwinden. Unabhängige Messungen nannte der Bericht von 2022 nicht. Fünf Beutel kosteten 8 US-Dollar, umgerechnet rund 7 €. Ein Fachmagazin bezeichnete das Unternehmen im September 2026 als nicht mehr aktiv.
| Ansatz | Jahr | Koffeinentzug | Art des Belegs |
|---|---|---|---|
| Graphenoxid-Membran mit Alginat | 2026 | etwa 50 % | Forschung, Fachaufsatz und Mitteilung des Forschungszentrums |
| Membran mit ölgefüllten Poren | 1977/78 | keine Zahl im Anspruch | US-Patent eines Lebensmittelkonzerns |
| Hohlfasern mit Sonnenblumenöl | 2011 | 45 bis 55 % pro Durchgang | Forschung, Konferenzbeitrag |
| Beutel mit Mineralperlen | 2022 | bis 80 % in 8 Minuten | Firmenangabe, keine unabhängige Messung |
Nach dem Brühen ließe sich jeder Kaffee behandeln, auch seltene Partien. Durchgesetzt hat sich laut dem Fachmagazin aber bisher keine Methode, die erst nach dem Rösten ansetzt.

So wird heute entkoffeiniert: vier Verfahren am Rohkaffee
Die etablierten Verfahren laufen nach demselben Grundmuster. Der Rohkaffee wird mit Dampf und Wasser vorbehandelt und quillt dabei auf etwa das doppelte Volumen. Dann zieht ein Lösungsmittel das Koffein heraus. Danach wird das Mittel entfernt, und die Bohnen trocknen zurück auf 10 bis 12 % Feuchte. Erst dann geht der Kaffee in die Röstung, so wie du es aus Kaffee selbst rösten kennst.
| Verfahren | Mittel | Bedingungen | Koffeinentzug | Beleg |
|---|---|---|---|---|
| Dichlormethan | chlorierter Kohlenwasserstoff | 60 bis 99 °C, 2 bis 14 bar, rund 9 h | rund 97 % | Patent von 1971, Angaben eines Entkoffeinierers |
| Ethylacetat | Ester, oft aus Zuckerrohr | rund 30 Min. Dampf, dann rund 8 h | keine Firmenzahl | Prozessschema eines kolumbianischen Betriebs |
| Wasser | koffeinfreier Rohkaffee-Extrakt, Aktivkohle | 50 bis 100 °C laut Patent von 1980 | von 2,05 auf 0,10 % Koffein | Patent; Firmen veröffentlichen keine Werte |
| Kohlendioxid überkritisch | CO2 über 31 °C und 73,8 bar | industriell 250 bis 300 bar, 60 bis 80 °C | rund 97 % | Ökobilanzstudie 2017, Angaben eines Entkoffeinierers |
Laut einer Schweizer Rösterei gilt Dichlormethan als recht gezielt und nimmt wenig anderes mit. Ethylacetat ist demnach etwas weniger gezielt und braucht länger. Beim Wasserverfahren liegt der Rohkaffee in einem Extrakt, der alle löslichen Stoffe außer Koffein schon enthält. So wandert vor allem das Koffein aus der Bohne, Aktivkohle holt es dann aus dem Extrakt. Der kanadische Anbieter sagt, er nutze weder chlorierte Lösungsmittel noch Ester.
Das Verfahren mit Kohlendioxid entdeckte Kurt Zosel 1967 am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr. 1970 meldete er es zum Patent an. Laut Max-Planck-Gesellschaft werden damit weltweit jährlich rund 100.000 Tonnen Rohkaffee entkoffeiniert. Die oft zitierten „99,9 % koffeinfrei“ beim Wasserverfahren konnte die Schweizer Rösterei keiner Primärquelle zuordnen.
Der Unterschied zur Membran liegt im Ansatzpunkt. Die vier Verfahren behandeln die ganze Bohne vor dem Rösten und erreichen Werte, die als entkoffeiniert gelten. Die Membran filtert das fertige Getränk und kommt bisher auf die Hälfte.

Was das EU-Recht vorschreibt: Lösungsmittel, Rückstände und Koffein
Welche Lösungsmittel für Lebensmittel erlaubt sind, regelt die EU-Richtlinie 2009/32/EG. Kohlendioxid und Ethylacetat stehen in Anhang I ohne Einschränkung und ohne Höchstwert. Dichlormethan ist nur für das Entfernen von Koffein, Reiz- und Bitterstoffen aus Kaffee und Tee zugelassen.
| Regel | Grenzwert | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Dichlormethan in geröstetem Kaffee | höchstens 2 mg/kg | Richtlinie 2009/32/EG, Anhang I |
| „entkoffeiniert“ bei Kaffee-Extrakt (EU) | höchstens 0,3 % Koffein der Trockenmasse | Richtlinie 1999/4/EG, Art. 2 |
| „entkoffeiniert“ bei Röstkaffee (Deutschland) | höchstens 1 g Koffein pro kg Trockenmasse, also 0,1 % | Kaffeeverordnung, § 2 |
| „entkoffeiniert“ bei Kaffee-Extrakt (Deutschland) | höchstens 3 g pro kg Trockenmasse | Kaffeeverordnung, § 2 |
| Dichlormethan in entkoffeiniertem Kaffee (USA) | höchstens 10 mg/kg | US-Recht, laut Fachmedium |
Eine EU-weite Koffeingrenze für entkoffeinierten Röstkaffee gibt es nicht, nur für Extrakte wie Instantkaffee. In Deutschland darf Röstkaffee höchstens 0,1 % Koffein in der Trockenmasse behalten. Arabica bringt von Natur aus rund 1 % mit, Robusta rund 2 %, mehr dazu in Arabica oder Robusta. Für das Etikett müssen also rund 90 bis 95 % des Koffeins raus (von uns gerechnet). Eine Halbierung wie bei der Membran reicht dafür bei Weitem nicht.
Wie viel Dichlormethan tatsächlich übrig bleibt, hat eine Studie von 2024 gemessen. In 34 entkoffeinierten Kaffees aus sechs EU-Ländern lag der Median bei 0,06 mg/kg, der höchste Wert bei 0,82 mg/kg. Beim Filterkaffee gingen im Median 27 % davon ins Getränk über, bei der French Press 43 %. Die Studie wurde vom Kaffeeverband und einem Entkoffeinierer mitfinanziert.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Dichlormethan als wahrscheinlich krebserregend ein. In den USA haben Umwelt- und Gesundheitsorganisationen im Dezember 2023 beantragt, die Zulassung für Lebensmittel zu widerrufen. Die Lebensmittelbehörde FDA sammelte bis zum 29. Juni 2026 erneut Stellungnahmen. Bis Anfang September 2026 hatte sie nicht entschieden. Eine vergleichbare Initiative in der EU fand die Schweizer Rösterei nicht.
Was das für deine Tasse heißt: wenig Koffein, aber nicht null
Entkoffeinierter Kaffee enthält immer noch etwas Koffein. Eine US-Messung von 2006 fand in einem großen Becher Filterkaffee mit 473 ml zwischen 8,6 und 13,9 mg. Für einen entkoffeinierten Espresso nennen Messungen 3 bis 15,8 mg. Wie viel ein normaler Espresso oder Filterkaffee enthält, steht in Koffein in Espresso, Filterkaffee und Cold Brew.
Für den Geschmack zählt das Verfahren, aber auch der Rohkaffee und die Röstung. Belastbare Vergleichsverkostungen der vier Verfahren haben wir nicht gefunden. Am besten probierst du selbst zwei Decafs nebeneinander, etwa nach der Methode aus Cupping zu Hause.

Der Nanofilter ist ein interessanter Laborbefund und kein Produkt. Bis er Kaffee so weit entkoffeinieren kann, dass er das Etikett tragen darf, müsste er sein Ergebnis fast verdoppeln. Bis dahin wählst du Entkoffeinierten am besten nach Verfahren und Geschmack.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Jane Su, ARC Centre of Excellence for Carbon Science and Innovation: Sieving the day: filtering caffeine from your coffee, 18.09.2026.
- Tian, Y.; Lin, T.; Nishina, Y.; Ren, X.; Joshi, R., Journal of Membrane Science: Multi-criteria evaluation of graphene oxide nanofiltration membranes for decaffeination (Volltext nicht eingesehen), 2026.
- Zac Cadwalader, Sprudge: Scientists Have Created A Coffee Filter That Removes Half The Caffeine, 25.09.2026.
- Saul N. Katz, General Foods Corp.: US-Patent 4,113,886: Membrane decaffeination, angemeldet 28.09.1977, erteilt 12.09.1978.
- Md M. Hossain, Wei E. Chong, World Congress on Engineering: A New Approach for Removal of Caffeine from Coffee using Sunflower Oil, 2011.
- Howard Bryman, Daily Coffee News: This Teabag-Like Decaf Pouch Is Tackling Decaffeination One Cup at a Time, 07.12.2022.
- Philipp Schallberger, Kaffeemacher: Wie wird Kaffee entkoffeiniert? Die vier Verfahren im Vergleich, 01.09.2026.
- Swiss Water Decaffeinated Coffee: Our Process, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
- Maren Emmerich, Max-Planck-Gesellschaft: Kaffee auf Entzug, 12.08.2014.
- Europäische Union: Richtlinie 2009/32/EG, Anhang I: Extraktionslösungsmittel, 23.04.2009, abgerufen 24.10.2026.
- Europäische Union: Richtlinie 1999/4/EG, Artikel 2: Kaffee-Extrakte, 22.02.1999, abgerufen 24.10.2026.
- Bundesamt für Justiz: Kaffeeverordnung, § 2, abgerufen 24.10.2026.
- Fabian, M.; Süße-Herrmann, O.; McGaffin, G.; Hielscher, J., Proceedings 109(1), 33: Mass Transfer of Dichloromethane from EU Retail Roast and Ground Decaffeinated Coffee into Prepared Beverages, 14.10.2024.
- Daily Coffee News: FDA Weighs Next Steps on Decaf Solvent Rules Following New Comments, 30.06.2026.



