Sencha ist gedämpfter Grüntee aus Japan, frisch und grasig im Geschmack. Du gießt ihn mit 70 bis 90 °C heißem Wasser auf und lässt ihn etwa 1 Minute ziehen.Dämpfgrade, Ernten, Anbaugebiete, Kabuse und Zubereitung im Kyusu mit mehreren Aufgüssen.

Sencha ist der Alltagstee Japans. Nach Zahlen des nationalen Teeproduzentenverbands war 2025 knapp die Hälfte des japanischen Rohtees Sencha, rund 35.300 von 73.400 Tonnen. Der Rest verteilt sich vor allem auf einfachen Bancha und auf Tencha, das Blatt für Matcha.

Sencha wächst meist in der vollen Sonne und wird nach dem Pflücken gedämpft, gerollt und getrocknet. Wie lange der Dampf wirkt und wann gepflückt wird, prägt den Geschmack. Sencha schmeckt frisch und grasig, hochwertiger zusätzlich deutlich nach Umami.

Gedämpft statt geröstet: der Unterschied zum chinesischen Grüntee

Grüntee entsteht, wenn Hitze die blatteigenen Enzyme gleich nach der Ernte stoppt. Dann oxidiert das Blatt nicht und bleibt grün. Bei Oolong und Schwarztee lässt man diese Oxidation dagegen bewusst laufen, mehr dazu in Oolong-Tee.

Für das Stoppen gibt es zwei Wege. Die Präfektur Shizuoka nennt das Dämpfen die japanische Methode und das Erhitzen in der Eisenpfanne die chinesische. Ein bekanntes Beispiel für die Pfanne ist Longjing aus Hangzhou. Laut Produktspezifikation liegt das Blatt 12 bis 14 Minuten im 90 bis 100 °C heißen Wok.

Die Pfanne bringt ein geröstetes, nussiges Aroma, das Japaner Kamaka nennen. Dampf erhält dagegen das frische, grasige Grün. In Japan selbst ist Pfannentee selten. Laut der japanischen Tourismusbehörde macht Kamairicha nur etwa 1 Prozent des Grüntees aus.

Erfunden hat das Verfahren für den grünen Sencha der Überlieferung nach Nagatani Soen in der Edo-Zeit. Er stammte aus Yuyadani in Ujitawara bei Kyoto. Laut der Präfektur Kyoto fügte er dem Dämpfen und Trocknen das Kneten vor dem Trocknen hinzu.

Getrocknete, gerollte Grüntee-Blätter in Nahaufnahme
Sencha wird gedämpft, gerollt und getrocknet und hat dann meist eine schmale Nadelform.Foto: 晨曦 Hey / Unsplash

Asamushi, Chumushi und Fukamushi: wie lange der Dampf wirkt

Feste Grenzen für die Dämpfgrade gibt es nicht, jeder Betrieb dämpft nach Blatt und Ziel. Ein auf japanischen Tee spezialisierter Autor nennt grobe Richtwerte. Leicht gedämpfter Asamushi bekommt etwa 20 bis 30 Sekunden Dampf, normal gedämpfter Chumushi 30 bis 40 Sekunden. Beim Fukamushi sind es mehr als 40 Sekunden.

Das japanische Agrarministerium beschreibt Fukamushi als doppelt bis dreimal so lange gedämpft wie normalen Sencha. Das Blatt wird mürbe und bricht beim Rollen. Die feinen Teilchen schweben später im Aufguss, er wird trüb und dunkelgrün.

Dämpfgrad Dampf (grob) Blatt Aufguss Geschmack
Asamushi, leicht 20 bis 30 s meist ganze Nadeln klar, hell duftiger und herber
Chumushi, normal 30 bis 40 s überwiegend ganze Nadeln hellgrün dazwischen
Fukamushi, tief über 40 s viel Bruch trüb, dunkelgrün mild, mit vollem Körper

Den volleren Körper erklärt der Autor mit mehr gelöstem Pektin. Fukamushi gibt seine Inhaltsstoffe schnell ab und braucht deshalb kürzere Ziehzeiten.

Shincha und Ichibancha: welche Ernte im Paket steckt

Teesträucher in Japan werden mehrmals im Jahr gepflückt. Ichibancha ist die erste Ernte im Frühjahr, aus den Trieben nach der Winterruhe. Danach folgen Nibancha im Sommer und je nach Region Sanbancha oder eine Herbsternte. Shincha heißt der frisch verkaufte Tee der ersten Ernte.

Die Saison wandert von Süden nach Norden. Laut einem Teehaus in Kyoto beginnt sie in Kagoshima Anfang April, in Shizuoka Mitte April und in Uji erst im Mai. Rund um Hachijuhachiya, die 88. Nacht nach dem traditionellen Frühlingsanfang, kommt Shincha in den Handel. 2026 fiel dieser Tag auf den 2. Mai.

Region 1. Ernte (Shincha) 2. Ernte später
Kagoshima Anfang April bis Mai Juni Juli/August, Herbst
Shizuoka Mitte April bis Mai Mitte Juni bis Mitte Juli Juli/August, Herbst
Kyoto (Uji) Mai Ende Juni bis Anfang Juli Spätsommer

Das Agrarministerium schreibt, früh geernteter Sencha enthalte mehr Aminosäuren, die für Umami und Süße sorgen. Sommertee enthält eher etwas mehr Gerbstoffe. Shincha auf dem Etikett sagt aber nur, dass der Tee aus der ersten Ernte des Jahres stammt, nicht wie gut er ist.

Triebspitze eines Teestrauchs mit den jüngsten Blättern
Junge Triebe wie diese liefern im Frühjahr die erste Ernte, den Ichibancha.Foto: Natasha Yurova / Unsplash

Kagoshima, Shizuoka und Uji: wo Sencha wächst

Lange führte Shizuoka südwestlich von Tokio die japanische Teestatistik an. 2025 lag Kagoshima ganz im Süden auf der Insel Kyushu deutlich vorn. Laut Agrarministerium erntete Kagoshima 30.000 Tonnen Rohtee, Shizuoka 24.100 Tonnen. Japan kam insgesamt auf 75.100 Tonnen.

Präfektur Rohtee gesamt davon Sencha davon Tencha
Kagoshima 30.000 t 14.800 t 2.670 t
Shizuoka 24.100 t 14.310 t 875 t
Kyoto 2.121 t 170 t 989 t
Japan rund 73.400 t 35.332 t 6.278 t

Beim Sencha liegen Kagoshima und Shizuoka also fast gleichauf. Den Vorsprung Kagoshimas macht vor allem Tencha aus. Kyoto mit dem bekannten Anbaugebiet Uji erzeugt kaum Sencha, dort dominieren beschattete Tees für Matcha und Gyokuro.

Der Matcha-Boom verändert den Anbau. Laut einem Bericht der Zeitung Yomiuri vom Juni 2026 brachte Tencha 2025 etwa das Sechsfache des Vorjahrespreises. Bei der ersten Auktion im April 2026 in Kagoshima kostete neues Sencha-Blatt im Schnitt 6.573 Yen pro Kilo, umgerechnet rund 39 €. Das waren 60 Prozent mehr als 2025. Ein Vertreter des japanischen Teeverbands warnte, eine einseitige Ausrichtung auf Tencha könne die Sencha-Preise weiter steigen lassen.

Reihen üppig grüner Teepflanzen auf einem Feld
Teefelder in langen Reihen. Kagoshima und Shizuoka liefern zusammen den Großteil des japanischen Sencha.Foto: Karen Chew / Unsplash

Kabuse-Sencha und Gyokuro: Schatten bringt Umami

Beschattet der Bauer die Sträucher vor der Ernte, verändert sich das Blatt. Laut einem Handbuch des japanischen Agrarforschungsinstituts NARO steigen dann Theanin, andere Aminosäuren und Chlorophyll, die herben Catechine nehmen ab. Der Tee wird grüner, milder und schmeckt stärker nach Umami.

Kabusecha, oft als Kabuse-Sencha verkauft, ist die kurze Form der Beschattung. Ein schwarzes Netz hält etwa 85 Prozent des Lichts ab, vor der ersten Ernte 10 bis 15 Tage lang. Gyokuro und Tencha liegen dagegen 20 bis 30 Tage unter stark abschirmendem Material, traditionell unter Schilf- und Strohmatten. Kabuse steht im Geschmack deshalb zwischen Sencha und Gyokuro.

Tee Beschattung vor der Ernte Geschmack
Sencha keine, volle Sonne frisch und grasig
Kabusecha 10 bis 15 Tage, Netz mit etwa 85 % Schatten mehr Umami, weniger herb
Gyokuro 20 bis 30 Tage, stark abschirmend sehr viel Umami, kaum bitter
Tencha (für Matcha) mindestens 20 Tage wird gemahlen, nicht aufgegossen

Gyokuro gießt du noch kühler auf als Sencha. Die Präfektur Shizuoka nennt 50 bis 60 °C und rund 2 Minuten. Der deutsche Fachhändler aus unserem Tee-Ratgeber gibt 70 °C an.

Zubereitung: Kyusu, 70 bis 90 °C und mehrere Aufgüsse

In Japan gießt man Sencha im Kyusu auf. Das ist eine kleine Kanne mit eingebautem Sieb. Das Agrarministerium empfiehlt für hochwertigen Sencha eine Kanne mit rund 250 ml, für mittlere Qualität etwa 600 ml. Für 5 Tassen nehmen die Teeverbände aus Shizuoka und Kagoshima 10 g Blatt.

Die Faustregel lautet: Je feiner der Sencha, desto kühler das Wasser. Hochwertigen Sencha gießt du mit etwa 70 °C auf, einfachen mit 80 bis 90 °C. Fukamushi zieht nur rund 30 Sekunden. Die Werte passen zu unserem Ratgeber Tee richtig aufgießen, dort steht auch, wie du Wasser ohne Thermometer abkühlst.

Quelle Sencha Blatt Wasser Ziehzeit 2. Aufguss
Teeverband Kagoshima hochwertig 6 g für 3 Tassen 70 °C 90 s 10 s
Teeverband Kagoshima einfach 10 g für 5 Tassen 80 °C 1 min 10 s
Präfektur Shizuoka hochwertig 6 g für 3 Tassen à 60 ml 70 °C 1 bis 2 min 10 s
Präfektur Shizuoka einfach 10 g für 5 Tassen à 90 ml 90 °C 1 min 10 s
Agrarministerium Fukamushi 2 g pro 60 ml 70 bis 90 °C 30 s 20 s, etwas heißer
deutscher Fachhändler Kanne 11 g pro Liter 90 °C 1 min keine Angabe

Beim zweiten Aufguss hat sich das Blatt schon geöffnet, wenige Sekunden reichen. Das Agrarministerium rät zu etwas heißerem Wasser als beim ersten Mal. Gieß jede Kanne bis zum letzten Tropfen aus, sonst zieht der Rest bitter nach.

Sencha zubereiten: Tasse mit hellgrünem Aufguss vor weißem Hintergrund
Leicht oder normal gedämpfter Sencha ergibt einen klaren, hellgrünen Aufguss.Foto: T ed / Unsplash
Unser Tipp

So gelingt dir Sencha im Kyusu:

  • Wieg den Tee ab, 2 g pro Tasse sind ein guter Start.
  • Gieß das heiße Wasser zuerst in die Tassen und erst dann in die Kanne. So kühlt es ab und die Menge stimmt.
  • Schenk reihum in mehrere Tassen ein, damit alle gleich starken Tee bekommen.
  • Nimm für Fukamushi eine Kanne mit feinem Sieb, sonst verstopft der Bruch den Ausguss.
  • Verwende weiches Wasser, der Teeverband Kagoshima empfiehlt 0 bis 60 mg Härte pro Liter. Mehr dazu in Wasser für Kaffee.

Für den Einstieg nimmst du einen normal gedämpften Sencha aus der ersten Ernte und gießt ihn mit 70 bis 80 °C auf. Probier danach einen Fukamushi und einen Kabuse. So schmeckst du selbst, was Dampf und Schatten ausmachen.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Präfektur Aichi, Daten des Nationalen Teeproduzentenverbands (全国茶生産団体連合会): 2025年産茶の生産状況 (Teeproduktion 2025 nach Teearten), Erntejahr 2025, abgerufen 24.10.2026.
  2. Japanisches Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF): 令和7年産茶の摘採面積及び生産量(主産県), 20.02.2026.
  3. Präfektur Shizuoka: お茶の種類と効用 (Teesorten und ihre Wirkung), 11.01.2023.
  4. Präfektur Shizuoka: おいしいお茶の入れ方 (So gelingt Tee), 11.01.2023.
  5. UK-Register geschützter Bezeichnungen: Product Specification on Longjing Cha, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  6. Japan Tourism Agency, Mehrsprachige Erläuterungsdatenbank: Kamairicha (Tea), Fiskaljahr 2018.
  7. Präfektur Kyoto: 京都府景観資産登録地区の紹介24, Yuyadani, Ujitawara, abgerufen 24.10.2026.
  8. Ricardo Caicedo, My Japanese Green Tea: About the Steaming Time of Sencha, 15.12.2020, aktualisiert 25.12.2022.
  9. Japanisches Ministerium für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei (MAFF): 茶の淹れ方マニュアル (Anleitung zum Aufgießen von Tee), ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  10. Chikiriya Tea House (Händlerangabe): Tea harvest seasons, 14.03.2023.
  11. Weathernews: 今日5月2日は八十八夜, 02.05.2026.
  12. Ayaka Higuchi, The Yomiuri Shimbun / Asia News Network: Matcha boom still simmering, but record-high exports bring Japanese tea farmers challenges, 02.06.2026.
  13. NARO, Forschungskonsortium Projekt 27015C: 被覆茶安定生産マニュアル (Handbuch zur Erzeugung beschatteter Tees), März 2018.
  14. Kagoshima Prefectural Tea Industry Association: The Art of Brewing Delicious Kagoshima Tea, abgerufen 24.10.2026.
  15. TeeGschwendner, Produktseite: Japan Sencha Bio, abgerufen 24.10.2026.
  16. TeeGschwendner, Produktseite: Japan Gyokuro Bio, abgerufen 24.10.2026.