Specialty Coffee kostet mehr, weil die Kirschen sorgfältig von Hand geerntet und sortiert werden, Röstereien für diesen Rohkaffee deutlich mehr als den Börsenpreis zahlen.Eine Beispielrechnung für 250 Gramm, Rohkaffeepreise im Vergleich, Kosten auf der Farm und Tipps zum Einkauf.

Für eine Packung Specialty Coffee zahlst du oft ein Vielfaches dessen, was Kaffee im Supermarkt kostet. Der Unterschied beginnt auf der Farm. Er setzt sich beim Rohkaffee fort, der als Spezialität gehandelt und bezahlt wird. Der größte Teil des Ladenpreises entsteht aber erst in Deutschland.

Wir rechnen das an einer 250-g-Packung durch. Alle Dollarpreise haben wir mit dem EZB-Referenzkurs vom 22. Oktober 2026 umgerechnet, 1 € entspricht 1,1205 US-Dollar. Ein Pfund (lb) sind 0,4536 kg. Eigene Rechenschritte sind als solche gekennzeichnet.

Wohin dein Geld bei einer 250-g-Packung geht

Für Röstereien in Deutschland gibt es keine veröffentlichte Aufschlüsselung ihrer Kosten. Die Tabelle ist deshalb eine Beispielrechnung von uns. Fest stehen die Steuern und der Rohkaffeepreis ab Exporthafen. Für 18 € setzen wir den mittleren Specialty-Preis der jüngsten Marktauswertung an. Für 25 € nehmen wir den Durchschnitt, den eine Kopenhagener Rösterei 2025 gezahlt hat.

Beispielrechnung (von uns gerechnet) Packung für 18 € Packung für 25 €
Rohkaffee ab Exporthafen, rund 300 g rund 2,59 € (14 %) rund 3,56 € (14 %)
davon bei der Farm (70 bis 80 % des Hafenpreises) rund 1,80 bis 2,10 € rund 2,50 bis 2,85 €
Kaffeesteuer, 2,19 € je kg rund 0,55 € (3 %) rund 0,55 € (2 %)
Mehrwertsteuer, 7 % rund 1,18 € (6,5 %) rund 1,64 € (6,5 %)
Fracht, Import, Rösten, Verpackung, Löhne, Versand, Handel und Gewinn rund 13,68 € (76 %) rund 19,26 € (77 %)

Der Rohkaffee macht in beiden Fällen nur rund ein Siebtel des Preises aus. Die Kaffeesteuer ist pro Packung immer gleich, weil sie am Gewicht hängt. Den größten Posten tragen Rösterei und Handel. Darin stecken Seefracht und Einfuhr, Röstmaschine und Energie, Probe-Röstungen, Verpackung, Miete, Personal, Webshop und Versand.

Das ist kein reiner Gewinn. Wie viel davon übrig bleibt, legen deutsche Röstereien nicht offen. Die Zahl bei der Farm ist eine grobe Spanne. Sie beruht auf der Faustregel eines US-Importeurs für Lateinamerika und schwankt je nach Land und Vertrag.

Der Rohkaffee: Spezialität kostet mehr als Börsenware

Den bekanntesten Kaffeepreis macht die Börse in New York. Dort wird Arabica in Standardqualität gehandelt. Am 23. Oktober 2026 kostete ein Pfund rund 307 US-Cent, umgerechnet rund 6,05 € je Kilo. Das sind rund 24 % weniger als ein Jahr zuvor. Für Specialty Coffee ist dieser Kurs nur ein Bezugspunkt.

Röstereien kaufen Specialty Coffee meist zu ausgehandelten Festpreisen. Gemessen wird der FOB-Preis, kurz für „free on board“. Er gilt für exportfertigen Rohkaffee, verladen im Hafen des Erzeugerlandes. Darin stecken Aufbereitung, Lager, Transport zum Hafen und Exportpapiere, aber noch keine Seefracht.

Wie viel dieser Kaffee kostet, zeigt der Specialty Coffee Transaction Guide. Er sammelt echte Kaufverträge, zuletzt über 100.000 Stück. Je besser ein Kaffee bei der Verkostung abschneidet, desto teurer ist er.

Rohkaffee US-Dollar je Pfund umgerechnet rund je kg
Arabica an der Börse New York, 23.10.2026 3,07 6,05 €
Fairtrade-Mindestpreis gewaschener Arabica ab 1.12.2026 2,00 3,94 €
Specialty, 80 bis 83,9 Punkte, Median der Ernten 2021/22 bis 2023/24 2,93 5,76 €
Specialty, ab 84 Punkten, Median derselben Ernten 4,18 8,22 €
Specialty insgesamt, Median der Auswertung von 2025 4,39 8,64 €
Basler Rösterei, Durchschnitt 2025/26, nach Menge gewichtet 4,81 9,46 €
Kopenhagener Rösterei, Durchschnitt 2025 6,03 11,86 €
Osloer Rösterei, Durchschnitt 2024 6,37 12,53 €

Die Spanne nach oben ist groß. Eine australische Rösterei zahlte im Geschäftsjahr 2024/25 zwischen 2,46 und 27,75 US-Dollar je Pfund. Die Basler Rösterei kommt im einfachen Durchschnitt auf 5,76 Dollar, gewichtet aber nur auf 4,81 Dollar. Kleine Spitzenpartien ziehen den einfachen Schnitt nach oben, die großen Mengen sind günstiger.

Ganz oben stehen Auktionen. Bei „Best of Panama“ ging 2025 ein gewaschener Geisha für 30.204 US-Dollar je Kilo Rohkaffee weg, umgerechnet rund 26.960 €. Das ist ein Sammlerstück und hat mit dem Alltagspreis wenig zu tun.

Ein US-Importeur ordnet die Punkte ein. Unter 84 Punkten gelten Kaffees bei ihm eher als Zutat für Mischungen. Ab 85 Punkten werden sie als Einzelherkunft verkauft, ab 90 Punkten sind sie sehr selten. Der Fachverband SCA hat das 100-Punkte-Schema inzwischen durch ein Bewertungsformular ohne Gesamtzahl ersetzt. Im Handel wird trotzdem weiter in Punkten gedacht.

Auf der Farm: Handarbeit macht den größten Teil der Kosten aus

Für hohe Bewertungen sollen möglichst nur reife Kirschen in den Korb. Das geht vor allem von Hand und kostet viel Arbeit. Laut einem Bericht für das US-Landwirtschaftsministerium macht Arbeit in Peru rund 58 % der Produktionskosten aus.

Dazu kommt Dünger, der in Peru laut demselben Bericht rund 24 % der Kosten ausmacht. Fairtrade hebt seinen Mindestpreis für gewaschenen Arabica deshalb zum 1. Dezember 2026 von 1,80 auf 2,00 US-Dollar je Pfund.

Hand hält frisch gepflückte Kaffeekirschen
Frisch gepflückte Kaffeekirschen. Für Specialty Coffee zählt, dass möglichst nur reife Früchte geerntet werden.Foto: Nguyen Tong Hai Van / Unsplash

Nach der Ernte folgt die Aufbereitung. Die Kirschen werden gewaschen oder getrocknet, geschält und sortiert. Jedes Verfahren braucht unterschiedlich viel Wasser, Platz und Kontrolle, mehr dazu in Washed, Natural, Honey. Oft übernehmen das Kooperativen oder Aufbereitungsstationen, den Export ein Exporteur.

Vom FOB-Preis kommt deshalb nicht alles bei der Farm an. Ein US-Importeur nennt für Lateinamerika 70 bis 80 % als üblichen Anteil. Eine Osloer Rösterei gibt ein Beispiel aus Kolumbien. Sie zahlte 5,75 US-Dollar je Pfund FOB, beim Produzenten kamen 4,75 Dollar an.

Kaffeebohnen trocknen auf einem Gitterbett unter einem Schutzdach in der Sonne
Kaffee trocknet auf einem Gitterbett unter einem Schutzdach. Auch die Trocknung braucht Platz und regelmäßige Kontrolle.Foto: David Maillard / Unsplash

Beim Rösten: Aus rund 300 g Rohkaffee werden 250 g

Beim Rösten verdampft vor allem Wasser. Laut Barista Hustle verlieren Bohnen dabei meist 14 bis 20 % ihres Gewichts. Dunkle Röstungen verlieren mehr als helle. Für eine 250-g-Packung braucht die Rösterei deshalb rund 290 bis 310 g Rohkaffee, wir rechnen mit 300 g.

Specialty-Röstereien rösten meist kleinere Mengen und stimmen jede Herkunft eigens ab. Dazu gehören Probe-Röstungen und Verkostungen, bevor ein Kaffee in den Verkauf geht. Diese Arbeit verteilt sich auf weniger Packungen als in einer Großrösterei. Wie der Röstgrad den Geschmack verändert, steht in Röstgrad hell, mittel, dunkel.

Specialty Coffee während der Röstung in einer Röstmaschine
Kaffeebohnen in der Röstmaschine. Beim Rösten verlieren sie rund ein Siebtel bis ein Fünftel ihres Gewichts.Foto: Scott Soltys-Curry / Unsplash

Kaffeesteuer und Mehrwertsteuer: der feste Anteil des Staates

In Deutschland zahlen Röstereien 2,19 € Kaffeesteuer je Kilogramm Röstkaffee. Für 250 g sind das rund 55 Cent. Fällig wird die Steuer, sobald der Kaffee das Steuerlager der Rösterei verlässt. Für löslichen Kaffee sind es 4,78 € je Kilogramm.

Weil die Kaffeesteuer am Gewicht hängt, kostet sie bei einer Spitzenpackung genauso viel wie bei einer günstigen. Ihr Anteil am Preis sinkt also, je teurer der Kaffee ist. Dazu kommt die ermäßigte Mehrwertsteuer von 7 %. Sie wächst mit dem Ladenpreis mit.

Mehr bezahlen, mehr bekommen: woran du einen fairen Preis erkennst

Wie stark der Preis mit dem Rohkaffee steigt, hängt auch von der Kalkulation ab. Rechnet eine Rösterei mit einem prozentualen Aufschlag, verdient sie an teurem Rohkaffee automatisch mehr. Die Kopenhagener Rösterei schlägt dagegen einen festen Betrag auf ihre Kosten auf. Dann steigt der Ladenpreis nur um das, was der bessere Kaffee im Einkauf mehr kostet.

Börsenpreise kommen außerdem verzögert im Regal an. Rohkaffee wird oft Monate vor der Röstung gekauft, verschifft und eingelagert. Ein Teil der Kaffees im Regal stammt deshalb aus Einkäufen zu älteren Preisen. Fällt die Börse, wird deine Packung nicht sofort billiger.

Roter Handfilter auf einer Glaskanne in einem Café vor einer Backsteinwand
Handfilter auf einer Glaskanne. Am Ende zeigt die Tasse, was der Aufpreis bringt.Foto: Yasin Onus / Unsplash

Damit ein teurer Kaffee sein Aroma behält, hilft richtige Lagerung, siehe Kaffee frisch lagern. Für die Zubereitung zu Hause eignet sich ein Handfilter gut, Rezepte stehen in Handfilter V60, Kalita und Chemex.

Ein höherer Preis für Specialty Coffee hat also Gründe, von der Ernte bis zur kleinen Röstmaschine. Wie viel davon beim Rohkaffee ankommt, verrät das Preisschild allein nicht. Mehr sagt eine Rösterei, die offenlegt, was sie für ihren Kaffee bezahlt hat.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Trading Economics: Coffee – Price, Chart, Historical Data (Arabica 307,45 US-Cent/lb, 23.10.2026), abgerufen 24.10.2026.
  2. Europäische Zentralbank: Euro-Referenzkurs US-Dollar, Kurs vom 22.10.2026.
  3. Nick Brown, Daily Coffee News: The 2024 Specialty Coffee Transaction Guide Is Here, 18.02.2025.
  4. Perfect Daily Grind: Why coffee roasters are explaining price increases, 02.04.2026.
  5. Kaffeemacher: Transparency Report 2025/26, Juni 2026, online 06.07.2026.
  6. Tim Wendelboe: 2024 Transparency Report, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  7. Sample Coffee: Transparency Report 2024/2025, Geschäftsjahr 1.7.2024 bis 30.6.2025, abgerufen 24.10.2026.
  8. Global Coffee Report: Best of Panama auction sees world record price, 08.08.2025.
  9. Chris Kornman, Royal Coffee: Scoring Specialty Coffee: What Do the Numbers Mean?, 10.03.2026.
  10. Jorge Cuevas, Sustainable Harvest: C Market 101: What Is FOB Pricing?, 14.07.2021.
  11. Daily Coffee News (nach dem Coffee Annual des USDA Foreign Agricultural Service): Peru Coffee Report: Production Steady Despite Structural Challenges, 17.06.2026.
  12. Alexis Rubinstein, StoneX: The New Cost Reality in Coffee, 19.03.2026.
  13. Fairtrade International: Fairtrade aktualisiert Mindestpreise für Kaffee, 30.07.2026.
  14. Barista Hustle: Wissensbeitrag zum Gewichtsverlust beim Rösten, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  15. Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages: Kaffeesteuer (WD 4 – 140/18), 2018.
  16. Philipp Schallberger, Kaffeemacher: Die Kaffeesteuer, 03.01.2024.