Mokka ist nach al-Mukha benannt, einem Hafen im Jemen. Über ihn lief im 17. Jahrhundert fast der ganze Kaffeehandel der Welt.Geschichte des Hafens, die fünf Bedeutungen von Mokka und Kaffee aus dem Jemen 2026.
Die Kaffeepflanze stammt aus Äthiopien, als Getränk und Anbaupflanze wurde sie aber im Jemen groß. Gewachsen ist der Kaffee in den Bergen, auf kleinen Terrassen. Verschifft wurde er an der Küste, vor allem über al-Mukha. Die Europäer machten daraus Mocha, Moka oder Mokka.
Vom Hafen ist heute wenig übrig, das Wort dagegen steht auf Speisekarten, Herdkannen und Tassen. Und im Jemen wächst bis heute Kaffee, unter den Bedingungen eines Krieges.
Die Anfänge: Kaffee bei den Mystikern im Jemen
Die ältesten verlässlichen Spuren führen in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Der Historiker Ralph Hattox beschreibt, dass Gruppen von Mystikern im Jemen damals mit dem Kaffeetrinken begannen. Das Getränk hielt sie bei ihren nächtlichen Andachten wach. Gemeint sind Sufis, Anhänger einer mystischen Richtung des Islam.
Ein Aufsatz in der Fachzeitschrift Orientalia Suecana nennt Rechtsgutachten zum Kaffee schon 1438 in Aden. Mekka kannte ihn am Ende des 15. Jahrhunderts. Der Autor mahnt aber zur Vorsicht, Quellen aus dieser Zeit sind selten.
| Zeit | Was belegt ist |
|---|---|
| 1438 | frühe Rechtsgutachten zum Kaffee in Aden |
| 1511 | Kaffee wird in Mekka verboten und auf der Straße verbrannt |
| frühes 16. Jh. | jemenitische Kaufleute bringen ihn nach Kairo |
| Mitte 16. Jh. | Kaffee erreicht Istanbul |
| 1587/88 | ältester verlässlicher Text über Kaffee, von al-Dschaziri |
Um den Anfang ranken sich Legenden. Die bekannteste erzählt vom Ziegenhirten, dessen Tiere nach dem Fressen roter Beeren munter wurden. Edward Keall vom Royal Ontario Museum nennt sie nicht verbürgt.

Der Hafen al-Mukha: Tor für den Kaffee aus den Bergen
Zwischen 1708 und 1710 liegen zwei Schiffe aus Saint-Malo vor al-Mukha, die Curieux und die Diligent. Ihre Kaufleute wollen Kaffee dort kaufen, wo er herkommt, ohne osmanische und indische Zwischenhändler. Doch den Kaffee gibt es nicht im Hafen. Gehandelt wird er in Bait al-Faqih, etwa zwei Tagesreisen nordöstlich.
Also ziehen die Franzosen ins Land und richten dort eine Handelsstation ein. Die Fahrt lohnt sich, 1711 bricht schon die nächste auf. Jean de La Roque veröffentlicht 1715 einen Bericht darüber.
Groß wurde al-Mukha unter den Osmanen ab der Mitte des 16. Jahrhunderts, so die Kunsthistorikerin Nancy Um. Nachdem die Imame der Qasimiden-Dynastie die Osmanen 1635 vertrieben hatten, richtete sich der Handel stärker nach Indien aus. Kaufleute aus Asien, Afrika und Europa handelten hier Kaffee, Duftstoffe, indische Stoffe, Gewürze und Silber aus Amerika.
Die Niederländer versuchten früh, Fuß zu fassen. Am 25. Januar 1617 erreichte Pieter van den Broecke al-Mukha. Er bekam vom Statthalter einen günstigen Vertrag und ein Haus, auf dem er die niederländische Flagge hisste. Eine feste Handelsniederlassung wurde ihm aber verweigert.
Das Ende des Monopols: Java, Martinique und die Karibik
Lange wuchs Kaffee nur im Jemen. Laut einer Studie in Nature Genetics von 2024 begann der Anbau dort im 15. oder 16. Jahrhundert. Um 1600 wurden die sogenannten sieben Samen nach Indien geschmuggelt. Die Geschichte dahinter, ein Pilger namens Baba Budan habe sie versteckt, gilt als Legende.
Ab den 1690er-Jahren bauten die Niederländer auf Java Kaffee an. Die Historiker Clarence-Smith und Topik halten es für wahrscheinlich, dass diese Setzlinge aus Indien kamen. Ein Setzling aus dem Botanischen Garten in Amsterdam ging als Geschenk an Ludwig XIV. nach Frankreich. Nachkommen solcher Pflanzen erreichten 1727 über Martinique Brasilien.
Im 18. Jahrhundert gelangte laut Clarence-Smith und Topik sogar Kaffee aus der französischen Karibik in den Nahen Osten. Der Hafen von al-Mukha versandete. Als die Briten ab 1839 Aden ausbauten, verlor er seine Bedeutung endgültig, so der Historiker Ibrahim Al-Marashi. Von den Kaufmannshäusern sind laut Nancy Um heute nur wenige Spuren übrig.

Ein Wort, fünf Bedeutungen: Hafen, Bohne, Getränk, Kanne, Tasse
Laut Duden kommt Mokka über das englische mocha vom jemenitischen Hafen. Im Englischen ist mocha laut dem Online Etymology Dictionary seit 1773 als feiner Kaffee aus dem Jemen belegt. Die Bedeutung Mischung aus Kaffee und Schokolade folgt bis 1849. Daran knüpft der Caffè Mocha an, ein Espressogetränk mit Schokolade.
| Begriff | Was gemeint ist | Bezug zum Jemen |
|---|---|---|
| al-Mukha (Mokka) | Hafenstadt am Roten Meer | Namensgeber |
| Mokka als Bohne | laut Duden aromatische Sorte mit kleinen, halbkugelförmigen Bohnen | ursprünglich Kaffee aus dem Jemen |
| Mokka als Getränk | laut Duden sehr starker Kaffee aus kleinen Tassen | meist keiner, Bohnen beliebiger Herkunft |
| Moka-Kanne | Espressokocher für den Herd, Entwurf von 1933 | nur der Name |
| Mokkatasse | laut Duden kleine Kaffeetasse für Mokka | nur der Name |
Im deutschen Alltag ist Mokka meist ein kleiner, starker Kaffee, oft nach türkischer Art im Kännchen gekocht. Die Bohnen stammen dabei selten aus dem Jemen.
Auch die Moka-Kanne trägt den Namen der Hafenstadt. Technisch hat sie mit dem Getränk Mokka wenig gemein. Wie du sie richtig benutzt, steht in Espressokocher richtig benutzen.

Das Erbe im Erbgut: was die Genetik über den Jemen sagt
Auf die Linien Typica und Bourbon gehen viele heutige Arabica-Sorten zurück. Die Studie in Nature Genetics verbindet beide mit einer Wildpopulation, aus der auch der Anbau im Jemen hervorging. Die genetische Vielfalt des jemenitischen Materials ist gering. Mehr zur Abstammung steht in Arabica oder Robusta.
Eine Untersuchung von 2020 ordnete jemenitische Kaffees als Teilgruppe der äthiopischen ein. 2021 fand ein Team im Jemen aber eine eigene genetische Gruppe, die mit keiner bekannten Anbausorte verwandt ist. World Coffee Research weist darauf hin, dass nicht alle Anbaugebiete untersucht wurden.
Im Jemen ist laut einem Rohkaffee-Importeur die natürliche Aufbereitung verbreitet, bei der die ganze Kirsche in der Sonne trocknet. Wie sie den Geschmack prägt, erklärt Aufbereitung: Washed, Natural und Honey.

Kaffee aus dem Jemen 2026: Krieg, Anbau und Export
Der Jemen steckt im zweiten Jahrzehnt eines Krieges. Laut den Vereinten Nationen brauchen 2026 rund 22,3 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Der Hilfsaufruf vom März 2026 nennt 2,16 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 1,93 Milliarden Euro.
Die letzten belastbaren Zahlen zum Anbau hat die Welternährungsorganisation FAO im März 2025 veröffentlicht. Sie stammen überwiegend aus 2019 und 2020. Ein typischer Kleinbauer hat demnach rund 0,3 Hektar mit knapp 400 Bäumen und erntet etwa 114 kg.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Bezugsjahr |
|---|---|---|
| Anbaufläche | 34.981 ha, 2,4 % der Agrarfläche | FAO 2025 |
| Ernte | 20.812 t | FAO 2025, für 2019 |
| Exporterlös | 20,2 Mio. US-Dollar, umgerechnet rund 18 Mio. € | FAO 2025, für 2019 |
| größter Abnehmer | Saudi-Arabien mit rund 63 % der Exporte | FAO 2025, für 2019 |
| Ernte 2025 laut Behörde in Sanaa | 42.000 bis 45.000 t | Xinhua, Oktober 2026 |
| erwartete Ernte 2026 laut Sanaa | rund 50.000 t | Xinhua, Oktober 2026 |
Die neueren Zahlen stammen von der Agrarbehörde im huthi-kontrollierten Sanaa. Unabhängig geprüft sind sie nicht. Bei einer nationalen Auktion brachte ein Kilo bis zu 976 US-Dollar, umgerechnet rund 871 Euro.
Schwierig ist der Weg zum Kunden. Ein Kilo Probe ins Ausland zu schicken, kostet laut der Behörde inzwischen bis zu 120 statt 20 US-Dollar, umgerechnet rund 107 statt 18 Euro. Proben brauchen 20 bis 30 Tage statt 3, größere Ladungen drei bis vier Monate statt einer Woche. Seit Ende 2023 weichen laut Al-Marashi viele Frachter wegen Angriffen der Huthi um das Kap der Guten Hoffnung aus.
Den Kaffeeanbau verdrängt seit Langem Kath, ein Strauch mit anregenden Blättern. Laut UNDP verbraucht er schätzungsweise ein Drittel des geförderten Grundwassers. Programme der Vereinten Nationen unterstützen Bauern beim Wechsel zurück zum Kaffee.
Die Kaufleute aus Saint-Malo waren von 1708 bis 1710 unterwegs, um an Kaffee aus dem Jemen zu kommen. Eine größere Ladung braucht heute wieder drei bis vier Monate bis zum Kunden. Und wo Mokka draufsteht, steckt meist kein Kaffee aus dem Jemen drin.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Edward J. Keall, Royal Ontario Museum, Rezension (Material Culture Review): zu Ralph S. Hattox: Coffee and Coffeehouses (1985), ohne Datum, abgerufen 25.10.2026.
- Juhan Björn, Orientalia Suecana 75, 1–20: On the Properties and Benefits of Coffee: Attributed to Muḥammad Badr al-Dīn al-Qūṣūnī, 2026.
- John Shipman, al-bab.com: Book review: A Voyage to Arabia Felix (Jean de La Roque, Faksimile Oleander Press 2004), ohne Datum, abgerufen 25.10.2026.
- Nancy Um, University of Washington Press, Project MUSE: The Merchant Houses of Mocha: Trade and Architecture in an Indian Ocean Port, 2009.
- Atlas of Mutual Heritage: Pieter van den Broecke in Mocha, abgerufen 25.10.2026.
- Salojärvi, J. u. a., Nature Genetics 56, 721–731: The genome and population genomics of allopolyploid Coffea arabica reveal the diversification history of modern coffee cultivars, 15.04.2024.
- W. G. Clarence-Smith, S. Topik (Hg.), Cambridge UP, Leseprobe: The Global Coffee Economy in Africa, Asia, and Latin America, 1500–1989, 2003.
- Ibrahim Al-Marashi, The Conversation (via Down To Earth): The Mocha monopoly: how Yemen’s dominance of the global coffee trade birthed the Houthi rebels, 01.09.2026.
- Duden online: Mokka, Mocca, der, abgerufen 25.10.2026.
- Duden online: Mokkatasse, die, abgerufen 25.10.2026.
- Online Etymology Dictionary: mocha, abgerufen 25.10.2026.
- museum-digital, Schlagwort: Moka pot (benannt nach der jemenitischen Stadt Mocha, 1933), abgerufen 25.10.2026.
- Cafe Imports (Rohkaffee-Importeur): Natural Process, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
- World Coffee Research: Yemeni coffee: how genetically diverse is it?, 19.09.2020, aktualisiert Dezember 2021.
- Montagnon, C. u. a., Genetic Resources and Crop Evolution: Unveiling a unique genetic diversity of cultivated Coffea arabica L. in its main domestication center: Yemen, 2021.
- UN OCHA, ReliefWeb: Yemen humanitarian crisis deepens: aid agencies appeal for US$2.16 billion, 18.03.2026.
- FAO Yemen, UN Yemen: Assessment Report: Coffee value chain in Yemen. Export potential and investment opportunities, 04.03.2025.
- Xinhua, über Malay Mail: Coffee is a treasure for Yemen (Agrarbehörde Sanaa), 04.10.2026.
- UNDP Yemen: Qat and Coffee value chain analysis in Yemen, 02.08.2022.
- Europäische Zentralbank: Euro foreign exchange reference rates, 22.10.2026.



