Kaffee wächst künftig seltener in tiefen, heißen Lagen wie in Brasilien und Vietnam und öfter in höheren Bergen oder weiter vom Äquator entfernt.Modellstudien zu Anbauflächen, Hitzegrenzen von Arabica und Robusta, Wetterlage 2026 und Wege der Anpassung.
Ein Kaffeestrauch steht rund 30 Jahre auf dem Feld. Pflanzt ein Betrieb heute, muss die Fläche also auch um 2050 noch passen. Deshalb berechnen Klimaforscher, wo Kaffee künftig gut wächst.
Die Modelle unterscheiden sich in der Methode, in der Richtung sind sie sich einig. Tiefe Lagen nahe am Äquator verlieren, höhere und kühlere Gegenden gewinnen etwas dazu.
Modellstudien: etwa die Hälfte der guten Flächen in Gefahr
Die Studien übertragen heutige Anbaubedingungen auf das Klima der Zukunft. Sie bewerten die Eignung einer Fläche, nicht den Ertrag eines Betriebs.
| Studie | Design | Ergebnis | Grenzen |
|---|---|---|---|
| Bunn u. a., Climatic Change, online 2014, Heft 2015 | maschinelles Lernen mit bekannten Anbauorten, mehrere Modelle und Emissionsszenarien | rund 50 % weniger geeignete Fläche, am stärksten in tiefen Lagen und niedrigen Breiten | Eignung statt Ertrag, Bewirtschaftung nicht berücksichtigt |
| Grüter u. a., PLOS ONE, 26.01.2022 | Eignungsmodell nach FAO-Schema, Raster von etwa 1 km², 14 Klimamodelle, drei Szenarien, Zeitraum 2041 bis 2060 | über 50 % weniger hoch geeignete Fläche in allen drei Szenarien | ohne Bewässerung, Sorten, Schädlinge und Extremwetter |
| Moat u. a., Nature Plants, Juni 2017 | Klimamodelle für 16 Anbauregionen Äthiopiens, dazu drei Jahre Befragungen von Bauern | bei ungebremster Erwärmung bis zu 60 % der heutigen Fläche bis Ende des Jahrhunderts ungeeignet | ein Land, Szenario ohne Gegenmaßnahmen |
Laut Bunn und Kollegen leidet Arabica vor allem unter höheren Durchschnittstemperaturen, Robusta eher unter Temperaturschwankungen innerhalb einer Saison. Brasilien und Vietnam könnten nach ihrer Rechnung viel Fläche verlieren.
Die Schweizer Gruppe um Grüter hat vier große Erzeuger genauer betrachtet. Brasilien, Vietnam, Indonesien und Kolumbien lieferten 2018 zusammen 64 % des Weltkaffees. Dort schrumpft die hoch geeignete Fläche je nach Land und Szenario um 48 bis 97 %. Treiber ist vor allem die steigende Jahresmitteltemperatur.
Hitzegrenzen: wie viel Wärme Arabica und Robusta vertragen
Lehrbücher nennen für Arabica oft 18 bis 21 °C im Jahresmittel und für Robusta 22 bis 26 °C. Robusta galt deshalb lange als die hitzefeste Art. Wie sich beide sonst unterscheiden, steht in Arabica oder Robusta.
| Art | Lehrbuchwert | Wildstandort (Studie 2021) | Ertragsdaten |
|---|---|---|---|
| Arabica | 18 bis 21 °C | rund 18,1 bis 18,7 °C (von uns aus der Differenz berechnet) | empfindlicher als Robusta |
| Robusta | 22 bis 26 °C | rund 23 °C | beste Erträge bei 20,5 °C, je Grad darüber rund 14 % weniger |
| Stenophylla | kein Lehrbuchwert | 24,9 °C | noch keine Ertragsdaten |
Die Ertragsdaten stammen von 2020. Forscher um Jarrod Kath verglichen zehn Jahre lang die Ernten von fast 800 Robusta-Farmen in Vietnam und Indonesien. Die besten Erträge lagen bei 20,5 °C, also deutlich kühler als im Lehrbuch. Es handelt sich um Beobachtungsdaten aus einer Region, nicht um Versuche.
Kath und Kollegen verglichen 2022 auch jahrzehntelange Produktionsdaten der großen Arabica-Länder mit Klimadaten. Am besten erklärte das Dampfdruckdefizit die Ernten. Es beschreibt, wie stark trockene, warme Luft der Pflanze Wasser entzieht.
Steigt dieser Wert während der Fruchtentwicklung über 0,82 kPa, sinken die Erträge laut der Studie rasch. In Kenia, Mexiko und Tansania ist die Schwelle schon überschritten. Bei 2 bis 3 °C Erwärmung werden Länder mit 81 % der Arabica-Ernte deutlich gefährdeter, darunter Brasilien, Kolumbien und Äthiopien.
Die Studie arbeitet mit Landesdurchschnitten und gilt nur für Arabica. Bewässerung hilft laut den Autoren bei sehr trockener Luft nur begrenzt.

Hitze ist schon heute messbar. Climate Central wertete die Jahre 2021 bis 2025 in 25 Anbauländern aus. Im Schnitt gab es dort 47 Tage mehr im Jahr mit über 30 °C, als ohne menschengemachten Klimawandel zu erwarten wären. In Brasilien waren es 70 Tage, in Vietnam 59 und in El Salvador 99.
Die Auswertung zählt nur Hitzetage, Ernteverluste hat sie nicht berechnet. Arabica leidet oft schon zwischen 25 und 30 °C.
Wo Kaffee künftig wachsen kann: höher, südlicher, oft im Wald
Laut Grüter und Kollegen werden bis 2050 einige Gegenden neu geeignet. Dazu zählen der Süden Brasiliens, Uruguay, Argentinien, Chile, die USA, Ostafrika, Südafrika, China, Indien und Neuseeland. Dort werden vor allem die Nächte im kältesten Monat milder, das Frostrisiko sinkt.
Äthiopien zeigt, wie schnell das gehen müsste. Kaffee wächst dort heute auf 1.200 bis 2.200 m. Laut Moat und Kollegen müsste der Anbau um rund 32 m pro Jahrzehnt nach oben rücken, um mit der Erwärmung Schritt zu halten. Bei rechtzeitiger Planung ließe sich die Fläche nach ihrer Rechnung sogar vergrößern.
Viele dieser höheren Flächen sind aber bewaldet. Schon Bunn und Kollegen wiesen 2015 darauf hin, dass neue Eignung in Ostafrika und Asien teils im Wald liegt. Rodungen würden selbst Treibhausgase freisetzen. Für Kaffee, der in die EU geht, sind Flächen tabu, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden.

Paraná 1975: wie ein Frost die Kaffeekarte verschob
Dass das Klima den Anbau verlagert, hat Brasilien schon erlebt. In den 1960er- und frühen 1970er-Jahren kamen rund 64 % des brasilianischen Kaffees aus Paraná. Das waren etwa 21,3 Millionen Sack zu 60 kg im Jahr.
In der Nacht zum 17. Juli 1975 kam der Frost, in Brasilien Geada Negra genannt. Rund 60 % der 1,8 Millionen Hektar Kaffee im Bundesstaat wurden zerstört. Viele Bauern stiegen danach auf Soja, Mais und Bohnen um. Der Anbau wanderte nach Minas Gerais, Bahia und Mato Grosso.
Heute erntet Paraná weniger als 1 Million Sack im Jahr auf gut 26.000 Hektar. Mit milderen Wintern könnte der Süden Brasiliens laut den Modellen wieder besser geeignet werden.

Die Lage 2026: Rekordernte, aber El Niño im Nacken
Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet für 2026/27 eine Rekordernte von 189,7 Millionen Sack. Brasilien soll 71,9 Millionen Sack liefern, Vietnam 32,5 Millionen. Vietnam stellt damit gut ein Drittel des Robusta, mehr dazu in Fine Robusta aus Vietnam.
Der Sammelindikator der Internationalen Kaffeeorganisation ICO fiel im September 2026 um 8,7 % auf 262,18 US-Cent pro Pfund. Das sind umgerechnet rund 5,16 € pro Kilo Rohkaffee. Der Robusta-Indikator lag bei 167,49 US-Cent, umgerechnet rund 3,30 € pro Kilo.
| Land oder Region | Wetter 2026 | Quelle |
|---|---|---|
| Brasilien | Regen störte die Ernte, Septemberregen half der Blüte, örtlich Hitze Ende September | ICO, September 2026 |
| Vietnam | zu viel Regen und Schädlinge in Teilen des Hochlands; für die Regenzeit 20 bis 40 % weniger Regen erwartet | Reuters, 19.10.2026; Wetterdienst Vietnam, 26.09.2026 |
| Honduras, Nicaragua | Dürrewarnungen, weniger gewaschener Arabica möglich | ICO, September 2026 |
| Indonesien | Starkregen störte Blüte und Fruchtansatz auf Sumatra und Java | USDA, Juli 2026 |
Größtes Risiko ist El Niño, eine natürliche Erwärmung des tropischen Pazifiks. Die US-Wetterbehörde NOAA meldete am 8. Oktober 2026 eine Abweichung von 2,1 °C im zentralen Pazifik. Ein starkes bis sehr starkes Ereignis gilt bis Anfang 2027 als wahrscheinlich, möglicherweise das stärkste seit 1950.
In Vietnam erwartet der staatliche Wetterdienst 1 bis 2,5 °C mehr als üblich. Im Hochland dürfte das Wasser ab Ende 2026 knapp werden. Rund 735.300 Hektar Dauerkulturen wie Kaffee und Pfeffer liegen außerhalb jedes Bewässerungsnetzes. Bauern befürchten laut Reuters eine kleinere Ernte 2027/28, beziffern lässt sich das noch nicht.
Anpassung: Schatten, neue Sorten und andere Kaffeearten
Die Modelle rechnen ohne Gegenmaßnahmen. Auf den Farmen gibt es aber mehrere Hebel. Schattenbäume dämpfen Hitze und Schwankungen von Temperatur und Feuchte. Sie kosten je nach Sorte etwas Ertrag, die Studien dazu stehen in Kaffee unter Schattenbäumen.
Neue Sorten sind der zweite Hebel. In einem Feldversuch im Norden Vietnams auf 780 m entzog man fünf Arabica-Sorten mit Planen rund 35 % des Regens. Nur die F1-Hybride Mundo Maya hielt ihren Ertrag. Getestet wurde an einem Standort, im Schatten und über rund zwei Erntejahre.
Der dritte Hebel sind andere Kaffeearten. Die westafrikanische Stenophylla wächst wild bei 24,9 °C im Jahresmittel. Das sind laut der Studie 6,2 bis 6,8 °C mehr als bei wildem Arabica und 1,9 °C mehr als bei Robusta. In einer Blindverkostung hielten 81 % der Fachleute sie für Arabica. Saatgut und Ernten für den Handel gibt es aber noch nicht, mehr in Coffea stenophylla.
Ein Ausweichen auf Robusta stößt an ähnliche Hitzegrenzen. Die Autoren der Studie von 2022 halten Anpassung im globalen Maßstab deshalb für sehr unsicher.
Kaffee wird es weiter geben, aber an anderen Orten und mit anderen Pflanzen. Am stärksten trifft es tiefe, heiße Lagen in Brasilien, Vietnam und Mittelamerika. Wie schnell das geht, hängt davon ab, wie stark sich die Erde erwärmt.
Stand: 24. Oktober 2026.
Quellen
- Bunn, C.; Läderach, P.; Ovalle Rivera, O.; Kirschke, D., Climatic Change 129, 89–101: A bitter cup: climate change profile of global production of Arabica and Robusta coffee, online 2014, Heft März 2015.
- Grüter, R.; Trachsel, T.; Laube, P.; Jaisli, I., PLOS ONE 17(1): e0261976: Expected global suitability of coffee, cashew and avocado due to climate change, 26.01.2022.
- Phys.org (zu Moat, J. u. a., Nature Plants 3:17081): Climate imperils Ethiopia’s coffee output: study, Juni 2017.
- Kath, J.; Craparo, A.; Fong, Y. u. a., Nature Food 3, 871–880: Vapour pressure deficit determines critical thresholds for global coffee production under climate change, 2022.
- Jarrod Kath, Scott Power, Daily Coffee News (aus The Conversation): Global Warming Puts Arabica Coffee at Risk, and We’re Barreling Towards a Crucial Threshold, 17.10.2022.
- Alliance of Bioversity International and CIAT (zu Kath, J. u. a., Global Change Biology 26(6)): Not so robust: robusta coffee more sensitive to warming than previously thought, 29.06.2020.
- Davis, A. P. u. a., Nature Plants 7, 413–418: Arabica-like flavour in a heat-tolerant wild coffee species, 19.04.2021.
- Climate Central: More coffee-harming heat due to carbon pollution, 18.02.2026.
- Célio Yano, Gazeta do Povo: Paraná aposta em qualidade para resgatar cafeicultura devastada pela Geada Negra de 1975, 15.05.2026.
- USDA Foreign Agricultural Service: Coffee: World Markets and Trade, 02.07.2026.
- International Coffee Organization: Coffee Market Report, September 2026, Oktober 2026, abgerufen 25.10.2026.
- NOAA Climate Prediction Center: ENSO Diagnostic Discussion, 08.10.2026.
- Viet Nam News (Nationales Zentrum für hydrometeorologische Vorhersage): Việt Nam braces for long, uncertain El Niño, 26.09.2026.
- Reuters, via The Star: Vietnam coffee output forecast flat; El Niño threatens next crop, 19.10.2026.
- Sarzynski, T. u. a., Frontiers in Plant Science 15:1443900: Contrasted agronomical and physiological responses of five Coffea arabica genotypes under soil water deficit in field conditions, 08.10.2024.
- Europäische Zentralbank: Euro foreign exchange reference rates, 22.10.2026.



