Hojicha ist japanischer Grüntee, der zum Schluss noch geröstet wird. Er schmeckt nussig, kaum bitter und hat etwa so viel Koffein wie Sencha.Herkunft und Röstung, Koffein im Vergleich, Zubereitung heiß, auf Eis und als Latte.

Hojicha beginnt als ganz normaler japanischer Grüntee. Die Blätter werden gedämpft, gerollt und getrocknet. Danach kommen sie noch einmal in die Hitze, diesmal trocken und viel heißer. Der Name beschreibt genau das, hōji heißt rösten und cha heißt Tee.

Das trockene Blatt wird dabei rotbraun, der Aufguss bernsteinfarben. Im Duft erinnert Hojicha eher an Röstnüsse als an Gras oder Seetang. Weil er so leicht zuzubereiten ist, gilt er in Japan als Alltagstee für die ganze Familie.

Herkunft: ein Tee aus Kansai, der lange regional blieb

Hojicha hat sich in der Region Kansai um Kyoto entwickelt. Das schreibt ein Teeprojekt der Tokyo University of the Arts. Tee, der durch Feuchtigkeit sein Aroma verloren hatte, wurde dort in Porzellangefäßen noch einmal erhitzt. So bekam er wieder Duft.

Lange blieb der geröstete Tee eine Spezialität des Westens. Im Raum Tokio wurde er laut derselben Quelle noch vor etwa 50 Jahren kaum getrunken. Bekannt wurde er im ganzen Land erst mit der Kyotoer Küche. In Tohoku im Norden heißt Hojicha bis heute oft einfach Bancha. Inzwischen steht er auch als Fertiggetränk in der Flasche im Kühlregal.

Alte Teeröstmaschine vor einem Teeladen in Kyoto, aus der Rauch aufsteigt: So entsteht Hojicha
Teeröster vor einem Laden in Kyoto. Aus der Region um Kyoto stammt der Hojicha.Foto: Markus Winkler / Pexels

Rohstoff und Röstung: von 100 bis über 300 °C

Für Hojicha nehmen Hersteller oft einfachere Qualitäten. Häufig ist Bancha aus späten Ernten mit großen, festen Blättern. Auch Stängel, die beim Sortieren von Sencha übrig bleiben, kommen in die Röstung. Es gibt aber auch Hojicha aus der ersten Ernte des Jahres.

Wie breit das Feld ist, zeigt ein Bericht des japanischen Teeverbands Nihon Chagyō Chūōkai. Für das Geschäftsjahr 2024 hat er 38 Hojicha von 38 Betrieben untersucht. Die Betriebe rösteten bei 100 bis 335 °C, und zwar zwischen 30 Sekunden und 80 Minuten. Eine feste Regel ließ sich daraus nicht ablesen.

Rohstoff laut Verbandsbericht Zahl der Proben
Erste Ernte (Ichibancha) 17
Mischung aus zwei Teesorten 11
Herbst- und Winter-Bancha 6
Zweite Ernte (Nibancha) 4

Die Zahlen stammen aus Proben, die japanische Betriebe für ein Exportprogramm eingereicht haben. Sie zeigen also keinen Durchschnitt des Markts. Sie zeigen aber, dass Hojicha kein Resteverwerter sein muss. Fast die Hälfte der Proben kam aus der ersten Ernte.

Lose, getrocknete Teeblätter in Nahaufnahme; Ausgangsmaterial für Hojicha ist ungerösteter Grüntee
Lose Grünteeblätter. Aus solchem fertigen Tee entsteht Hojicha durch eine zweite, trockene Erhitzung.Foto: Tang Don / Unsplash

Geschmack: weniger Gerbstoffe, mehr Röstaroma

Was die Hitze im Blatt verändert, hat eine japanische Forschungsgruppe 2020 an Teestängeln gemessen. Sie röstete bei 180, 200 und 220 °C. Je heißer die Röstung, desto mehr Pyrazine entstanden. Diese Stoffe riechen nussig und geröstet und prägen auch das Aroma von Kaffee.

Zugleich nahm der blumige Duftstoff Geraniol mit der Temperatur zu. Catechine und Aminosäuren gingen bei hoher Hitze dagegen schnell zurück. Catechine sind die Gerbstoffe des Grüntees, sie machen ihn bitter und herb. Die Aminosäuren sorgen für Umami. Beides fehlt dem Hojicha deshalb weitgehend.

Die japanische Lebensmitteltabelle zeigt den Unterschied auch im Aufguss. Sie nennt für Hojicha 40 mg Gerbstoffe pro 100 ml, für Sencha 70 mg. Hojicha schmeckt deshalb runder und verzeiht auch kochendes Wasser. Die Farbe des Blatts wandert beim Rösten von Gelbgrün ins Rötliche.

Dunkle, stark gefärbte Teeblätter in Nahaufnahme
Dunkle Teeblätter. Wie stark Hojicha geröstet wird, legt jeder Hersteller selbst fest.Foto: Oleg Guijinsky / Unsplash

Koffein: etwa so viel wie Sencha

Hojicha hat den Ruf, fast koffeinfrei zu sein. Das stimmt nicht. Die japanische Lebensmitteltabelle nennt für den Aufguss 20 mg Koffein pro 100 ml, genauso viel wie für Sencha. Ein japanischer Teehersteller schreibt ausdrücklich, dass Hojicha nicht koffeinarm ist.

Getränk Koffein pro 100 ml Gerbstoffe pro 100 ml
Gyokuro 160 mg 230 mg
Sencha 20 mg 70 mg
Hojicha 20 mg 40 mg
Bancha 10 mg 30 mg
Genmaicha 10 mg keine Angabe
Mugicha (Gerstentee) 0 mg keine Angabe

Gyokuro, Sencha, Hojicha und Bancha stammen aus der Lebensmitteltabelle, Genmaicha und Mugicha vom Teehersteller. Die Tabelle misst Hojicha nur 30 Sekunden, Sencha 1 Minute. Bei gleicher Ziehzeit könnte Hojicha also eher mehr Koffein abgeben.

Der Verbandsbericht hat das Koffein vor und nach der Röstung gemessen. Im Mittel sank es nur um etwa 10 Prozent. Die Proben streuten von 58 Prozent weniger bis 18 Prozent mehr, sieben Proben enthielten nach der Röstung sogar mehr. Einen klaren Zusammenhang mit Temperatur oder Dauer fand der Verband nicht.

Mild wirkt Hojicha eher wegen des Rohstoffs und der Zubereitung. Bancha aus späten Ernten enthält laut dem Teehersteller 10 bis 15 Prozent weniger Koffein als junge Blätter. Eine Tasse mit 130 ml kommt nach der Tabelle auf rund 26 mg (von uns umgerechnet). Ein Espresso hat laut BfR rund 80 mg. Wie viel in einer Schale Matcha steckt, zeigt Wie viel Koffein hat Matcha.

Zubereitung: kochendes Wasser, kurze Ziehzeit

Hojicha brauchst du nicht abzukühlen. Die Präfekturen Shizuoka und Saitama empfehlen kochendes Wasser und nur 30 Sekunden Ziehzeit. Für fünf Tassen nimmst du rund 15 g Tee, das sind 3 g pro Tasse. Nach dem zweiten Aufguss kommen frische Blätter in die Kanne.

Variante Tee Wasser Ziehzeit
Kanne (Präfektur Shizuoka) 15 g rund 650 ml, kochend 30 s
Kanne (Kyotoer Teehändler) 10 g 240 ml, 100 °C 30 s
Große Kanne (deutscher Teefachhändler) 12 g 1 l, 90 °C 2 min
Auf Eis (Kyotoer Teehändler) 10 g 240 ml, 100 °C 60 s, dann auf viel Eis
Latte mit Pulver (deutscher Teefachhändler) 10 g Pulver, 2 TL 200 ml Milch einrühren

Die Mengen klingen hoch, weil das geröstete Blatt groß und leicht ist. 15 g Hojicha füllen deutlich mehr Volumen als 15 g Sencha. Ein Kyotoer Teehändler rechnet für 10 g mit etwa 4 Esslöffeln. Gieß jede Kanne bis zum letzten Tropfen aus, sonst zieht der Rest weiter. Mehr zu Temperatur und Ziehzeit allgemein steht in Tee richtig aufgießen.

Für einen Hojicha Latte gibt es gemahlenen Tee, der mitsamt Blatt in die Tasse kommt. Ein deutscher Händler rührt 10 g Pulver in 200 ml Milch, heiß oder kalt. Weil du das ganze Blatt trinkst, nimmst du mehr Koffein auf als mit dem Aufguss. Wie die Milch fein schäumt, auch Haferdrink, steht in Milchschaum für Cappuccino.

Teekanne und zwei Tassen auf einem Glasregal
Teekanne und zwei Tassen. Für Hojicha reichen kochendes Wasser und eine halbe Minute.Foto: Hoyoun Lee / Unsplash
Unser Tipp

So gelingt dir Hojicha:

  • Wieg den Tee ab, mit dem Löffel unterschätzt du die Menge wegen der großen Blätter leicht.
  • Gieß mit sprudelnd kochendem Wasser auf, das Röstaroma braucht Hitze.
  • Halte die erste Ziehzeit kurz und gieß danach vollständig ab.
  • Für Eis-Hojicha brühst du doppelt so lange und gießt direkt auf viel Eis.
  • Möchtest du abends weniger Koffein, nimm Mugicha, Hojicha ist nicht koffeinfrei.

Einkauf: Preise, Rösttiefe und Rückstände

Hojicha ist meist günstiger als Matcha oder Gyokuro. Ein japanisches Frauenmagazin nannte 2020 rund 300 bis 1.200 Yen pro 100 g. Hierzulande liegt guter Blatttee deutlich darüber.

Angebot Preis pro 100 g in Euro
Japan, typische Spanne (2020) 300 bis 1.200 Yen pro 100 g umgerechnet rund 1,80 bis 7 €
Stängel-Hojicha, Kyotoer Teehändler 16 US-Dollar pro 100 g umgerechnet rund 14 €
Bio-Hojicha, deutscher Teefachhändler 12,90 € pro 100 g 12,90 €
Hojicha-Pulver für Latte, deutscher Teefachhändler 21,90 € pro 200 g 10,95 €

Manche Händler geben an, wie tief der Tee geröstet ist, etwa als milde Röstung. Gute Händler nennen außerdem den Rohstoff, also Blatt oder Stängel, und die Ernte. Ein deutscher Teefachhändler beschreibt seinen mild gerösteten Hojicha als nussig, mit Anklängen an Kakao und Kaffee.

Der Verbandsbericht nennt auch ein Problem beim Export. Der Stoff Phthalimid fand sich in 20 von 38 Proben. In der EU zählt er zum Rückstand des Pilzmittels Folpet, das in Japans Teegärten laut Bericht nie eingesetzt wurde. Von 13 Proben für die EU erfüllten 9 die europäischen Vorgaben, 4 nicht.

Woher das Phthalimid stammt, ist laut Verband offen. Er hält eine Bildung beim Rösten oder Verunreinigungen etwa aus Weichmachern für möglich. Eine Turiner Studie von 2021 fand den Stoff auch in Kaffee, der ohne Folpet geröstet wurde. Er entstand dort aus Phthalaten und Aminosäuren, am stärksten bei 200 °C. Kaufst du Hojicha in der EU, kannst du den Händler nach Rückstandsanalysen fragen.

Für den Anfang reicht ein Beutel Blatt-Hojicha und eine Kanne. Gieß 3 g pro Tasse mit kochendem Wasser auf und gieß nach 30 Sekunden ab. Schmeckt er dir zu dünn, nimm beim nächsten Mal etwas mehr Blatt.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Tokyo University of the Arts, Projekt Geicha: Beitrag zu Hojicha (ほうじ茶), 09.09.2019.
  2. Nihon Chagyō Chūōkai (Japanischer Teeverband): ほうじ茶 残留農薬調査報告, Geschäftsjahr 2024 (Reiwa 6), 2025, ohne genaues Datum, abgerufen 24.10.2026.
  3. Sasaki, T.; Yuikawa, N.; Tanihiro, N.; Michihata, T.; Enomoto, T., Food Science and Technology Research 26(5): The Effects of Roasting Conditions on the Physical Appearance Traits and Aroma and Taste Components of Roasted Stem Tea, 19.10.2020.
  4. MEXT, Standard Tables of Food Composition in Japan, 8. Aufl., Ergänzung 2023, über calorie.slism.jp: Hojicha, Aufguss (dazu Sencha 116037, Bancha 116039, Gyokuro 116034), abgerufen 24.10.2026.
  5. Yamamotoyama (Herstellerangabe): Is Hojicha low in caffeine? Actually, that’s not true!, 10.12.2024.
  6. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, einschließlich Energy Drinks, Stand 05.01.2026.
  7. Präfektur Shizuoka: おいしいお茶の入れ方 (So gelingt Tee), 11.01.2023.
  8. Präfektur Saitama: お茶のおいしいいれ方 (So gelingt Tee), 15.09.2026.
  9. Ippodo Tea (Händlerangabe): Kuki Hojicha, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  10. Ippodo Tea (Händlerangabe): Iced Hojicha, ohne Datum, abgerufen 24.10.2026.
  11. TeeGschwendner, Produktseite: Japan Hôjicha Mild Roast Bio, abgerufen 24.10.2026.
  12. TeeGschwendner, Produktseite: Hôjicha for Latte Bio, abgerufen 24.10.2026.
  13. FRaU, Kodansha (Hanada Yoko): Beitrag zu japanischen Teesorten mit Preisspannen, 02.05.2020.
  14. Menzio, J.; Tagliapietra, S.; Calegari, E.; Serito, B.; Binello, A.; Cravotto, G., Journal of Agricultural and Food Chemistry 69(16): Phthalimide Residue in Coffee: Does It Solely Derive from Folpet?, 2021.