Kaffee schützt nicht sicher vor Demenz. In einer großen US-Studie bekamen Menschen mit zwei bis drei Tassen am Tag aber etwas seltener eine Demenzdiagnose.Daten und Grenzen der JAMA-Studie, frühere Meta-Analysen, deutsche Fachgesellschaften und Koffein-Richtwerte.

Die Studie erschien am 9. Februar 2026 im US-Fachblatt JAMA und ging danach durch viele Medien. Forschende aus Boston hatten die Trinkgewohnheiten von rund 132.000 Menschen über bis zu 43 Jahre ausgewertet. Viel Kaffee mit Koffein ging dabei mit 18 Prozent weniger Demenzdiagnosen einher.

Das klingt nach einem Schutzmittel aus der Tasse. Die Studie zeigt aber einen Zusammenhang und keine Wirkung, und der Unterschied ist in absoluten Zahlen klein. Frühere Übersichtsarbeiten kamen außerdem zu gemischten Ergebnissen.

Die Studie: zwei US-Kohorten über bis zu 43 Jahre

Ausgewertet wurden zwei bekannte Langzeitstudien aus Gesundheitsberufen. Die Nurses‘ Health Study begleitet Krankenpflegerinnen seit 1980, die Health Professionals Follow-up Study Männer aus Gesundheitsberufen seit 1986. Alle zwei bis vier Jahre gaben die Teilnehmenden an, wie viel Kaffee mit und ohne Koffein und wie viel Tee sie tranken.

Punkt Angabe
Titel Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function
Journal, Datum JAMA, online 9. Februar 2026
DOI 10.1001/jama.2025.27259
Design prospektive Beobachtungsstudie, zwei Kohorten gemeinsam ausgewertet
Teilnehmende 131.821 (86.606 Frauen, 45.215 Männer), zu Beginn im Mittel 46 bzw. 54 Jahre alt
Dauer bis zu 43 Jahre, im Median 36,8 Jahre
Demenzfälle 11.033
Tasse 237 ml Kaffee oder Tee
Finanzierung US-Gesundheitsinstitute NIH, ohne Einfluss auf Planung und Auswertung
Interessenkonflikte ein Autor nennt Forschungsförderung durch eine Beratungsfirma, sonst keine

Als Demenzfall zählte eine ärztliche Diagnose, ermittelt über Totenscheine und Angaben der Teilnehmenden. Alzheimer ließ sich nicht getrennt auswerten. Die Autoren rechneten viele andere Einflüsse heraus, darunter Alter, Bildung, Rauchen, Alkohol, Bewegung, Gewicht, Blutdruck, Diabetes, Depression und die Qualität der Ernährung. Eine Förderung durch die Kaffee- oder Teebranche ist nicht angegeben.

Eine Tasse Kaffee und ein Notizbuch auf einem Tisch
Alle zwei bis vier Jahre hielten die Teilnehmenden fest, wie viel Kaffee und Tee sie tranken.Foto: M. İkbal K / Unsplash

Die Ergebnisse: 18 Prozent relativ, rund 2 von 100 absolut

Verglichen wurde jeweils die Gruppe mit dem höchsten Konsum mit der Gruppe mit dem niedrigsten. Bei Kaffee mit Koffein lag das Demenzrisiko um 18 Prozent niedriger. Das Konfidenzintervall reicht von 11 bis 24 Prozent, der Zusammenhang ist also statistisch klar. Bei Tee war es ähnlich, bei entkoffeiniertem Kaffee nicht.

Getränk (höchste vs. niedrigste Gruppe) Demenzrisiko 95-%-Konfidenzintervall
Kaffee mit Koffein HR 0,82, also 18 % niedriger 0,76 bis 0,89
Tee HR 0,86, also 14 % niedriger 0,83 bis 0,90
entkoffeinierter Kaffee HR 0,97, kein klarer Unterschied 0,93 bis 1,01
selbst bemerkter Gedächtnisabbau, Kaffee mit Koffein 7,8 % statt 9,5 %, Verhältnis 0,85 0,78 bis 0,93

Die 18 Prozent sind ein relativer Wert. Der britische Statistiker Kevin McConway hat sie für das Science Media Centre in absolute Zahlen übersetzt. In der Gruppe mit dem wenigsten Kaffee hatten über die Studienzeit etwa 12 von 100 Teilnehmenden eine Demenzdiagnose. In einer vergleichbaren Gruppe mit dem höchsten Konsum wären es etwa 10 von 100.

Mehr half nicht mehr. Am niedrigsten lag das Risiko bei täglich zwei bis drei Tassen Kaffee, laut Studie rund 300 mg Koffein, oder ein bis zwei Tassen Tee. Darüber flachte die Kurve ab. In Gedächtnistests, die nur bei 17.139 Frauen ab 70 Jahren liefen, waren die Unterschiede sehr klein. Studienleiter Daniel Wang betont selbst, dass der Effekt klein ist.

Zwei Tassen Kaffee stehen bereit
Bei zwei bis drei Tassen am Tag lag das Demenzrisiko in der Studie am niedrigsten. Mehr brachte keinen weiteren Unterschied.Foto: Hanna Pysareva / Unsplash

Die Grenzen: ein Zusammenhang ist noch keine Wirkung

Eine Beobachtungsstudie kann nicht zeigen, dass Kaffee die Ursache ist. Das schreiben die Autoren selbst. Unabhängige Fachleute, die das britische Science Media Centre befragt hat, nennen vor allem drei Einwände.

  • Umgekehrte Richtung: Demenz beginnt Jahre vor der Diagnose. Menschen in dieser frühen Phase schlafen vielleicht schlechter und trinken deshalb weniger Kaffee oder steigen auf entkoffeinierten um. Dazu passt, dass Vieltrinker von entkoffeiniertem Kaffee häufiger Gedächtnisprobleme angaben.
  • Andere Einflüsse: Kaffee- und Teetrinker könnten insgesamt anders leben. Vieles wurde herausgerechnet, ein unerfasster Rest bleibt möglich.
  • Übertragbarkeit: Untersucht wurden fast nur Fachkräfte aus Gesundheitsberufen in den USA. „Viel Kaffee“ ist nur innerhalb dieser Gruppen definiert, bei Tee entspricht die höchste Gruppe etwa einer Tasse am Tag.

Der Fragebogen erfasste weder die Teesorte noch die Zubereitung. Espresso, Filterkaffee und ungefilterter Kaffee lassen sich also nicht unterscheiden. Welche Stoffe hinter dem Zusammenhang stehen könnten, ist offen. Die Autoren nennen Koffein als möglichen Faktor, daneben Polyphenole wie Chlorogensäure im Kaffee und Catechine im Tee.

Teekanne und eine Tasse Tee auf einem Holztablett
Auch Tee ging mit weniger Demenzdiagnosen einher. Welche Sorte im Kännchen war, fragte die Studie nicht ab.Foto: Ciprian Adrian / Unsplash

Einordnung: was Meta-Analysen zu Kaffee und Demenz finden

Die JAMA-Studie ist nicht die erste zum Thema. Übersichtsarbeiten, die viele Kohorten zusammenfassen, kamen bisher zu unterschiedlichen Ergebnissen. Auch sie beruhen fast nur auf Beobachtungsdaten, randomisierte Langzeitstudien gibt es nicht.

Arbeit Daten Ergebnis
Larsson und Orsini, Nutrients 2018 8 Kohortenstudien, 328.885 Personen, 7.486 Demenzfälle kein Zusammenhang, relatives Risiko 1,01 je Tasse am Tag (0,98 bis 1,05)
Zhu und Kollegen, Nutrition Reviews 2023 33 Studien, 389.505 Personen, auch Fall-Kontroll-Studien Kaffee: relatives Risiko 0,73 für kognitive Störungen, bei Alzheimer am niedrigsten um 2,5 Tassen am Tag
Pham und Kollegen, UK Biobank 2021 398.646 Personen, 4.333 Demenzfälle mehr als 6 Tassen am Tag: 53 % höhere Chance auf Demenz als 1 bis 2 Tassen (OR 1,53; 1,28 bis 1,83)

Zusammen ergibt sich kein klares Bild. Mäßiger Kaffeekonsum steht in den meisten Daten nicht mit mehr Demenz in Verbindung, ein Schutz ist nicht gesichert. Sehr viel Kaffee war in der britischen Biobank-Auswertung sogar mit einem höheren Risiko verbunden. Auch das ist eine Beobachtung und kein Beweis.

Fachgesellschaften: Kaffee ist keine Präventionsmaßnahme

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie hat die JAMA-Studie am 27. Februar 2026 kommentiert. Ihr Experte Peter Berlit hält den Effekt für nennenswert und die Ergebnisse für physiologisch plausibel. Zugleich betont er, dass es sich nur um Beobachtungsdaten handelt.

Bei der Vorbeugung setzen die Fachleute andere Schwerpunkte. Die Lancet-Kommission nennt 14 beeinflussbare Risikofaktoren, darunter Bluthochdruck, Hörverlust, Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes, Depression und soziale Isolation. Rund 45 Prozent der Demenzfälle weltweit ließen sich nach ihrer Schätzung verzögern oder verhindern. Für Deutschland kommt eine Auswertung mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen DZNE vom Dezember 2025 auf rund 36 Prozent.

Kaffee steht auf keiner dieser Listen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft leitet aus den 14 Faktoren zehn Maßnahmen ab, Kaffee gehört nicht dazu. Ernährung insgesamt zählt sie noch nicht zu den Faktoren, weil die Daten dafür nicht ausreichen.

Eine Tasse Kaffee auf einem Holztisch
Eine Tasse Kaffee darf Genuss bleiben. Für die Vorbeugung zählen laut Fachgesellschaften Blutdruck, Bewegung, Hören und Nichtrauchen mehr.Foto: Nicolas Keller / Unsplash

Wie viel Kaffee am Tag: die EFSA-Werte

Die zwei bis drei Tassen aus der Studie liegen innerhalb der Mengen, die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit für gesunde Erwachsene als unbedenklich einstuft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt dieselben Werte. Sie gelten nicht für Menschen mit Erkrankungen oder bei Einnahme bestimmter Medikamente.

Gruppe Orientierungswert Quelle
gesunde Erwachsene, auf einmal bis 200 mg EFSA, BfR
gesunde Erwachsene, pro Tag bis 400 mg, über den Tag verteilt EFSA, BfR
Schwangere und Stillende bis 200 mg pro Tag EFSA, BfR
Studienoptimum JAMA 2026 rund 300 mg pro Tag aus 2 bis 3 Tassen à 237 ml Zhang et al.

Wie viel Koffein in deiner Tasse steckt, hängt stark von Bohne und Zubereitung ab. Richtwerte für Espresso, Filter und Cold Brew stehen in Koffein in Espresso, Filterkaffee und Cold Brew. Auch Tee zählt mit, für grünen Pulvertee steht das in Matcha, Koffein und L-Theanin.

Die JAMA-Studie ist groß, lang und sorgfältig gemacht. Sie zeigt, dass mäßiger Kaffeekonsum nicht gegen das Gehirn spricht. Für einen Schutz vor Demenz bräuchte es Studien, die Ursache und Wirkung trennen können. Machst du dir Sorgen um dein Gedächtnis, sprich mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt.

Stand: 24. Oktober 2026.

Quellen

  1. Zhang, Y. et al., JAMA: Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function (doi:10.1001/jama.2025.27259), online 09.02.2026.
  2. Mass General Brigham, Pressemitteilung: Consuming coffee associated with lower dementia risk, 09.02.2026.
  3. Science Media Centre (UK): Expert reaction to study looking at tea and coffee intake and dementia risk, 09.02.2026.
  4. Deutsche Gesellschaft für Neurologie via idw: Demenzschutz durch Kaffee: was ist bekannt?, 27.02.2026.
  5. Larsson, S. C.; Orsini, N., Nutrients 10(10):1501: Coffee Consumption and Risk of Dementia and Alzheimer’s Disease: A Dose-Response Meta-Analysis of Prospective Studies, Oktober 2018.
  6. Zhu, Y.; Hu, C.-X.; Liu, X.; Zhu, R.-X.; Wang, B.-Q., Nutrition Reviews: Moderate coffee or tea consumption decreased the risk of cognitive disorders: an updated dose-response meta-analysis, 2023, Druck 2024.
  7. PsyPost: Moderate coffee and tea intake linked to lower risk of cognitive decline, 04.11.2023.
  8. Pham, K. et al., Nutritional Neuroscience 25(10): High coffee consumption, brain volume and risk of dementia and stroke, online 24.06.2021.
  9. Deutsche Alzheimer Gesellschaft, Alzheimer Info 1/2025: Alzheimer Info 1/2025 (Risikofaktoren und 10 Maßnahmen), 2025.
  10. DZNE, Pressemitteilung: Mehr als ein Drittel der Demenzfälle in Deutschland wäre vermeidbar, 09.12.2025.
  11. Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Caffeine (Themenseite zum Gutachten vom 27.05.2015), abgerufen 24.10.2026.
  12. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, einschließlich Energy Drinks, Stand 05.01.2026.