Die Zahlen des Deutschen Kaffeeverbands e.V. lesen sich seit Jahren ähnlich: Kaffee bleibt das meistgetrunkene Getränk in Deutschland, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei rund 168 Litern jährlich. Was sich 2026 verändert, ist die Zusammensetzung. Der Gesamtabsatz an Röstkaffee bewegt sich weiterhin auf einem Niveau von etwa 450.000 Tonnen, mit leichter Tendenz nach oben. Das Plus kommt nicht aus den privaten Küchen. Es kommt aus dem Außer-Haus-Geschäft und aus dem wachsenden Interesse an hochwertigen Spezialitäten.
Der Pro-Kopf-Verbrauch an Röstkaffee liegt stabil bei etwa 7,2 Kilogramm. Deutschland bleibt damit einer der größten Kaffeemärkte Europas. Diese Konstanz verdeckt jedoch, dass sich die Anteile innerhalb des Marktes verschieben.
Filterkaffee hält das Volumen, Espresso gewinnt Bedeutung
Klassischer Filterkaffee – als ganze Bohne oder gemahlen – stellt nach wie vor das größte Segment. Daran ändert sich 2026 nichts. Espressogetränke und Kaffeespezialitäten legen weiter zu. In städtischen Ballungsräumen ist der Anteil von Spezialitätenkaffee am Gesamtkonsum deutlich höher als auf dem Land. Diese geografische Spreizung ist kein neues Phänomen, sie verstärkt sich aber.
Außer-Haus: Wer mitziehen will, braucht mehr als eine Maschine
Cafés, Bäckereien, Restaurants und Coffeeshops melden steigende Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Kaffeegetränken. Der Grund ist wenig überraschend: Ein Teil der Verbraucher möchte auch unterwegs nicht auf Specialty Coffee verzichten. Für Betreiber heißt das, dass eine Siebträgermaschine allein nicht reicht. Erfolgreiche Konzepte setzen auf geschultes Personal, konsistente Extraktion und hochwertige Rohkaffees.
In professionellen Kreisen haben sich Maschinen etabliert, die reproduzierbare Ergebnisse liefern: die La Marzocco Linea Mini, die Decent Espresso DE1XL. Auch kompakte Lösungen wie die Profitec Go oder die Lelit Bianca V3 finden zunehmend Verbreitung, vor allem in kleinen Cafés und mobilen Konzepten.
Filterkaffee oder Espresso? Die Frage stellt sich so nicht mehr
Beide Zubereitungsarten bedienen unterschiedliche Geschmacksprofile und haben ihre Berechtigung. Filterkaffee, besonders als Handfilter mit Hario V60, Chemex oder Kalita Wave, erlebt im Specialty-Bereich eine Renaissance. Die klare Tassenpräsentation und die Betonung von Terroir und Verarbeitung machen ihn für viele Enthusiasten attraktiv.
Espresso bleibt die Grundlage für Milchgetränke wie Cappuccino oder Flat White, die im Außer-Haus-Markt stark nachgefragt werden. Präzise Temperaturkontrolle und Druckprofilierung – etwa bei Decent oder La Marzocco – haben dazu beigetragen, dass Espresso heute konsistenter zubereitet werden kann als in früheren Jahren.
Spezialitätenkaffee: kleines Niveau, wachsende Nachfrage
Der Markt für Spezialitätenkaffee wächst weiter, allerdings von einem niedrigen Ausgangspunkt. Laut Specialty Coffee Association (SCA) und Cup of Excellence (CoE) steigt die Nachfrage nach rückverfolgbaren, hochbewerteten Kaffees. In Deutschland etablieren sich mehr Mikroröstereien, die direkt mit Produzenten kooperieren oder über Plattformen wie Ally Coffee oder Coffee Circle beziehen. Viele Betreiber lassen ihre Qualität von Q-Gradern des Coffee Quality Institute (CQI) bewerten.
Für Profis bedeutet das eine größere Auswahl an hochwertigen Rohkaffees – bei gleichzeitig höheren Anforderungen an sensorische Bewertung und Röstprofilierung. Bei Handmühlen haben sich der Comandante C40 MK4 und die 1Zpresso JX-Pro als Standard für die manuelle Vermahlung etabliert. Im professionellen Umfeld dominieren die Mahlkönig EK43 und die Victoria Arduino Mythos.
Kooperationen zwischen Röstern und Betreibern
Steigende Rohkaffeepreise und logistische Herausforderungen treiben Röster und Cafés, Restaurants oder Einzelhändler zu stabileren Partnerschaften. Röster liefern nicht mehr nur Bohnen, sondern auch Schulungen, technischen Support und Marketingunterstützung. Cafés sichern sich im Gegenzug verlässliche Qualität und profitieren vom Markenimage des Rösters.
La Marzocco geht Partnerschaften mit ausgewählten Röstern ein, um Maschinen und Kaffee aufeinander abzustimmen. Victoria Arduino fördert den Austausch zwischen Baristas und Röstern über Veranstaltungen und Schulungszentren. Für kleinere Betriebe ohne eigene Röstkapazitäten sind solche Kooperationen besonders relevant.
Was 2026 zählt
Der Markt differenziert sich weiter. Filterkaffee und Espresso bestehen nebeneinander, Spezialitätenkaffee etabliert sich in der Nische, der Außer-Haus-Markt bietet Chancen für qualitätsorientierte Anbieter. Wer erfolgreich sein will, setzt auf fundierte Ausbildung, präzise Technik und belastbare Partnerschaften – von der Bohne bis zur Tasse.

