Ein Espresso kostet in zehn untersuchten deutschen Großstädten im Mittel 2,58 Euro, ein Cappuccino 3,80 Euro. Die 2026 veröffentlichte Auswertung von 1.232 Cafés zeigt: Die Wahl des Getränks macht oft mehr aus als die Wahl der Stadt. Doch die Zahlen erzählen nicht, wie profitabel ein Café arbeitet – und auch nicht, welche Bohnenqualität in der Tasse steckt.
Quelle: Coffee Friend, Preiserhebung Juni 2026. Gesamtwerte sind ungewichtete Mittelwerte der zehn Stadtmittel, keine repräsentativen Deutschlanddurchschnitte.
1. Wie wurde der Kaffee-Preisatlas 2026 erstellt?
Der Kaffeehändler Coffee Friend wertete im Juni 2026 die online zugänglichen Getränkepreise von 1.232 Cafés in Berlin, Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Stuttgart aus. Als Quellen dienten Café-Websites, digitale Speisekarten, Google-Maps-Einträge und aktuelle Speisekartenfotos.
Für die Aufnahme in die Stichprobe mussten mindestens fünf Google-Bewertungen vorhanden sein und Preise für Espresso, Cappuccino und Latte erkennbar sein. Bei unterschiedlichen Varianten wurde der niedrigste angegebene Standardpreis verwendet. Die veröffentlichten Gesamtwerte sind die ungewichteten Mittel der zehn Stadtmittelwerte. Jede Stadt zählt also gleich stark – nicht jedes Café.
Eine Besonderheit: Die Kategorie „Latte“ umfasst Latte, Caffè Latte und Latte Macchiato. Unterschiedliche Getränkegrößen und Rezepturen schränken den direkten Vergleich ein.
2. Wie viel teurer sind Cappuccino und Latte wirklich?
Der durchschnittliche Espresso liegt bei 2,58 Euro. Für Cappuccino werden 3,80 Euro verlangt – ein Aufpreis von 1,22 Euro beziehungsweise rund 47 Prozent. Die Latte-Kategorie kostet im Schnitt 4,33 Euro, also 1,75 Euro beziehungsweise rund 68 Prozent mehr als Espresso.
Euro pro Getränk · Vergleich gleicher Zehner-Städteauswahl
Eigene Darstellung nach Coffee Friend (2026). Balken beginnen bei 0. Die Latte-Kategorie umfasst mehrere Rezepturen.
Der Preisabstand entsteht nicht nur durch den Einkauf der Milch. Ein Cappuccino benötigt in der Regel mehr Tassenvolumen und zusätzliche Arbeitsschritte: Milch kühlen, dosieren, aufschäumen und die Dampflanze reinigen. Hinzu kommen Becher, Energie, Personal, Miete und allgemeine Betriebskosten. Wie hoch die tatsächliche Gewinnspanne ist, lässt sich aus den Verkaufspreisen allein nicht bestimmen.

3. Köln oder Bremen: Wie groß ist der regionale Preisunterschied?
Im Städtevergleich ermittelte Coffee Friend für Köln den niedrigsten und für Bremen den höchsten durchschnittlichen Espressopreis: 2,44 Euro gegenüber 2,78 Euro. Die Differenz beträgt 34 Cent. Sie ist damit kleiner als der durchschnittliche Abstand zwischen Espresso und Cappuccino von 1,22 Euro.
| Vergleich | Günstig | Teuer | Differenz |
|---|---|---|---|
| Espresso (Stadtmittel) | Köln 2,44 € | Bremen 2,78 € | 0,34 € |
| Cappuccino (Stadtmittel) | Köln 3,65 € | Bremen 3,95 € | 0,30 € |
| Getränkewahl (Mittel über Städte) | Espresso 2,58 € | Cappuccino 3,80 € | 1,22 € |
Diese Zahlen beschreiben Stadtmittelwerte, keine Festpreise. Ein Specialty-Café in Köln kann deutlich teurer sein als eine einfache Espressobar in Bremen. Die Unterschiede zwischen zwei konkreten Lokalen können viel größer sein als jene zwischen den Stadtmitteln.
4. Was kostet der tägliche Kaffee im Jahr?
Für einen fairen Vergleich lässt sich mit fünf Cafébesuchen pro Woche und 52 Wochen rechnen, also 260 Getränken pro Jahr. Mit den mittleren Preisen der Studie ergeben sich rund 671 Euro für Espresso, 988 Euro für Cappuccino und 1.126 Euro für die Latte-Kategorie.
Eigene Rechnung: Preis × 5 × 52; gerundet. Keine Aussage über individuelle Konsumhäufigkeit.
Der Wechsel von Espresso zu Cappuccino macht bei dieser Häufigkeit rechnerisch etwa 317 Euro pro Jahr aus. Wer nur an Arbeitstagen oder unregelmäßig Kaffee kauft, kommt natürlich auf andere Summen. Und der Cafébesuch bietet außer dem Getränk oft noch Aufenthaltsqualität, Service und Begegnung.
5. Warum ist der günstigste Espresso nicht unbedingt der erschwinglichste?
Coffee Friend stellte die Stadtpreise den von Numbeo ausgewiesenen durchschnittlichen Nettomonatsgehältern gegenüber. Daraus entstand ein hypothetischer „Espresso-Kaufkraft-Index“: Wie viele Espressi zum jeweiligen Stadtmittelpreis ließen sich rechnerisch von einem Durchschnittsmonatsgehalt bezahlen?
Nach diesem Maßstab lag Stuttgart vorn, Bremen hinten. Das ist ein anschaulicher Vergleich, aber kein präzises Abbild der Lebenshaltungskosten. Durchschnittsgehälter verdecken Einkommensunterschiede; Miete, Familiengröße und andere Ausgaben bleiben unberücksichtigt. Auch beruhen die Numbeo-Zahlen auf einer anderen Datenerhebungsmethode als amtliche Einkommensstatistiken.
6. Was sagt der Preisatlas Cafébetreibern und Röstereien?
Die Daten sind ein brauchbarer erster Orientierungspunkt, wenn ein Café seine Speisekarte mit anderen Betrieben vergleichen möchte. Eine Preisentscheidung sollte aber auf der eigenen Kalkulation beruhen: Getränkerezept, Milch- und Bohnenmenge, Schwund, Becherkosten, Personalzeit, Standortkosten, Umsatzsteuer und gewünschter Deckungsbeitrag.
Wer aus dem durchschnittlichen Cappuccino-Aufpreis von 1,22 Euro direkt auf einen entsprechend höheren Gewinn schließt, begeht einen Rechenfehler. Gewinn entsteht erst nach Abzug sämtlicher zurechenbarer Kosten. Dasselbe gilt für die Annahme, eine Stadt mit höheren Durchschnittspreisen sei automatisch der lukrativere Standort.
Für Spezialitätenkaffee kommt eine weitere Dimension hinzu: Die Studie erfasst keine Bohnenqualität, keinen Einkaufspreis des Rohkaffees, keine Zubereitungsparameter und keine sensorischen Bewertungen. Sie ist daher ein Preisatlas, kein Qualitätsranking.
7. Wo liegen die Grenzen dieser Untersuchung?
Die Stichprobe von 1.232 Betrieben ist breit, jedoch nicht zufällig aus sämtlichen deutschen Cafés gezogen. Erfasst wurden nur zehn ausgewählte Städte und Lokale mit öffentlich auffindbaren Preisen und mindestens fünf Bewertungen. Das kann die Auswahl verzerren. Preise aus Online-Speisekarten können zudem von tatsächlich verlangten Ladenpreisen abweichen.
Die Ergebnisse sind eine Momentaufnahme vom Juni 2026 – kein Live-Preisindex für Oktober. Die Originalveröffentlichung liefert auch keinen statistischen Signifikanztest, aus dem sich belastbar schließen ließe, dass alle beobachteten Städteunterschiede statistisch signifikant sind.
Vor allem bleibt die Größe beziehungsweise Rezeptur des Getränks relevant: Ein kleiner Cappuccino und ein großer Caffè Latte sind keine identischen Produkte. Damit sind einfache Aussagen wie „die Milch kostet 1,22 Euro extra“ nicht gerechtfertigt.
Fazit: Die Tasse entscheidet – aber nicht über die Marge
Die große Stärke der Coffee-Friend-Auswertung ist der verständliche Vergleich von Listenpreisen: Zwischen Espresso, Cappuccino und Latte liegen größere durchschnittliche Preisabstände als zwischen den betrachteten Großstädten. Doch die Studie sagt weder etwas über den Geschmack noch über die Rentabilität einzelner Cafés. Für Gäste ist sie eine Orientierung, für Betreiber ein Ausgangspunkt – nicht die fertige Preiskalkulation.
8. Quellen und Datengrundlage
- Coffee Friend: Wie viel kostet Kaffee in Deutschland? Preise in mehr als 1.200 Cafés – Originalerhebung und vollständige Methodik; Preiserhebung Juni 2026.
- t-online: Kaffee-Preise – So teuer sind Espresso, Cappuccino und Latte in Ihrer Stadt – journalistische Einordnung der Auswertung.
- Numbeo: Cost of Living – Datengrundlage für die in der Originalstudie verwendeten Gehaltsschätzungen; Abruf der Verfasser laut Coffee Friend: 28. Juli 2026.
Redaktionsstand: Oktober 2026. Sämtliche Preisangaben sind beobachtete Durchschnittswerte aus der Erhebung vom Juni 2026. Jahreskosten sind eigene Modellrechnungen. Die Fotografien zeigen allgemeine Café-Szenen, nicht die konkret untersuchten Lokale.

