Die Kaffeepreise steigen – und dennoch bleibt der Konsum konstant. Diese Beobachtung aus Österreich, konkret aus Salzburg, wirft Fragen auf: Warum lassen sich Kaffeetrinker nicht vom Preis abschrecken? Und was bedeutet das für die Branche?
Die aktuelle Meldung des ORF (Stand 29.09.2026) zeigt: Trotz steigender Preise für Rohkaffee und geröstete Bohnen bleibt die Nachfrage in der Gastronomie stabil. Diese Entwicklung ist kein lokales Phänomen, sondern Teil eines globalen Musters, das Produzenten, Röster und Cafés gleichermaßen fordert.
Die Ursachen für die Preissteigerungen sind vielfältig: Klimawandel, Ernteausfälle, gestiegene Logistikkosten und eine wachsende Nachfrage aus Asien. Doch der Kaffeekonsum in Österreich – und in weiten Teilen Europas – erweist sich als erstaunlich preisunelastisch. Das hat Konsequenzen für die gesamte Wertschöpfungskette.
Preisentwicklung: Ein Blick auf die Zahlen
Die Kaffeepreise befinden sich seit Jahren im Aufwärtstrend. Bereits 2024 erreichten die Notierungen für Arabica und Robusta Rekordstände. Die Gründe liegen in knapper werdenden Ernten in Brasilien, Vietnam und Kolumbien, aber auch in spekulativen Bewegungen an den Rohstoffbörsen. Für die Gastronomie bedeutet das: Der Einkaufspreis für eine Tasse Kaffee steigt kontinuierlich.
Interessant ist jedoch, dass die Verbraucherpreise in Österreich nicht im gleichen Maße angehoben wurden. Viele Cafés und Restaurants haben ihre Preise moderat angepasst, um Kunden nicht zu verlieren. Die Folge: geringere Margen, aber stabile Absätze. Diese Strategie scheint aufzugehen, denn die Nachfrage bleibt konstant.
Warum der Konsum nicht einbricht
Kaffee ist für viele Menschen ein Grundnahrungsmittel und ein fester Bestandteil der täglichen Routine. Die Preiselastizität der Nachfrage ist gering – das zeigt sich nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen europäischen Ländern. Hinzu kommt: Die Qualität des Kaffees hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Verbraucher sind bereit, für eine gute Tasse mehr zu zahlen.
Ein weiterer Faktor ist die Gastronomie selbst. Der Kaffee wird oft als Umsatzbringer in Kombination mit Speisen und anderen Getränken gesehen. Ein höherer Einkaufspreis für Bohnen wird daher nicht eins zu eins an den Endverbraucher weitergegeben, um die Frequenz nicht zu gefährden.
Regionale Unterschiede und die Rolle der Gastronomie
In Salzburg, dem Ursprung der Meldung, ist die Kaffeehauskultur tief verwurzelt. Die Dichte an Cafés ist hoch, der Wettbewerb entsprechend intensiv. Steigende Preise treffen hier auf eine Kundschaft, die Qualität und Atmosphäre schätzt. Viele Betriebe setzen auf Differenzierung: Single-Origin-Bohnen, alternative Zubereitungsmethoden und hausgemachte Spezialitäten.
Gleichzeitig kämpfen Gastrobetriebe mit gestiegenen Kosten für Personal, Energie und Miete. Der Kaffee ist nur ein Posten von vielen, doch seine Bedeutung als Frequenzbringer ist enorm. Ein Blick auf die Umsatzstruktur zeigt: Kaffee macht oft einen zweistelligen Anteil am Gesamtumsatz aus, bei geringem Wareneinsatz – zumindest bisher.
Auswirkungen auf Röster und Einkäufer
Für Röster bedeutet die Situation eine Gratwanderung. Sie müssen höhere Rohkaffeepreise an ihre Kunden weitergeben, ohne diese zu verlieren. Langfristige Verträge und direkte Handelsbeziehungen zu Produzenten werden wichtiger, um Preisrisiken zu minimieren. Einkäufer sind gefordert, Qualität und Kosten noch genauer abzuwägen.
Gleichzeitig eröffnen sich Chancen: Wer auf Transparenz und Nachhaltigkeit setzt, kann sich vom Wettbewerb abheben. Kunden sind zunehmend bereit, für ethisch produzierte und hochwertige Kaffees mehr zu zahlen. Das zeigt sich auch in der stabilen Nachfrage nach Specialty Coffee.
Zahlen & Fakten
- Kaffee-Preise steigen, Konsum bleibt konstant (ORF, 29.09.2026)
- Die Nachfrage in der Gastronomie bleibt stabil.
- Verfügbarkeit der Sendung bis 29.10.2026, 19:00 Uhr.
- Die Ausstrahlung erfolgte am 29.9.2026 um 19:00 Uhr auf ORF 2.
Was das für die Branche bedeutet
Röster sollten ihre Preiskalkulation überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Cafés müssen entscheiden, ob sie die Kosten selbst tragen oder an Gäste weitergeben – mit dem Risiko, Frequenz zu verlieren. Einkäufer sind gut beraten, langfristige Lieferverträge zu sichern und auf Qualität zu setzen. Produzenten wiederum profitieren von stabiler Nachfrage, stehen aber vor der Herausforderung, Ernten nachhaltig zu sichern.
Die stabile Nachfrage ist ein Zeichen für die Resilienz des Kaffeemarktes. Doch sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Kosten steigen. Wer jetzt in Effizienz, Qualität und Kundenbindung investiert, wird auch in Zukunft bestehen.
Quelle: ORF (https://on.orf.at/video/14341476/16162165/kaffee-preise-steigen-konsum-bleibt-konstant)

