In Vietnam kann Robusta günstiger werden, obwohl Londoner Kaffeefutures an einem einzelnen Handelstag steigen. Das ist kein Widerspruch: Lokale Einkaufspreise und Börsenkurse messen unterschiedliche Dinge. Im September 2026 zeigt der Monatsbericht der International Coffee Organization (ICO) zudem einen breiteren Rückgang – der weltweite Referenzindex sank um 8,7 Prozent. Warum kurzfristige Bewegungen täuschen können und welche Zahlen Röster und Produzenten wirklich vergleichen sollten.
Quelle: ICO Coffee Market Report, September 2026. Monatsdurchschnitte, keine Tages- oder Farm-Gate-Preise.
- Warum lokale Preise und Börsenkurse auseinanderlaufen
- Was im September 2026 tatsächlich geschah
- Die Preisdaten im Vergleich
- Was Vietnam mit dem Preisrückgang zu tun hat
- Welche Faktoren den Weltmarkt beeinflussen
- Was das für Einkauf und Röstereien bedeutet
- Was die Daten nicht aussagen
- Quellen und Methodik
1. Wie können Inlandspreise fallen und Börsenkurse steigen?
Ein vietnamesischer Erzeugerpreis bezeichnet den Preis, den ein Händler in einer bestimmten Region für eine konkrete Warenqualität anbietet. Die Futuresbörse ICE London hingegen handelt standardisierte Kontrakte auf Robusta für festgelegte Liefermonate. Zwischen beiden Werten liegen Währungskurse, Transport, Finanzierung, Qualität, Lagerkosten und sogenannte Differenziale – Auf- oder Abschläge zum Börsenpreis.
Außerdem müssen die Zeiträume zusammenpassen. Ein Rückgang der lokalen Preise über eine Woche und ein Kursplus an einem einzelnen Börsentag können gleichzeitig korrekt sein. Ein solcher Vergleich beweist weder, dass der Markt „auseinanderbricht“, noch dass eine neue Preisrichtung begonnen hat.
2. Was geschah im gesamten September 2026?
Die Monatszahlen der International Coffee Organization liefern einen belastbareren Blick auf die Gesamttendenz als isolierte Tagesmeldungen. Der ICO Composite Indicator Price (I-CIP) lag im September bei durchschnittlich 262,18 US-Cent je Pfund. Im August waren es 287,29 US-Cent je Pfund. Damit sank der Index um 8,7 Prozent.
Auch alle vier von der ICO beobachteten Kaffeegruppen verloren im Monatsvergleich. Der Robusta-Gruppenindikator ging um 7,3 Prozent auf 167,49 US-Cent je Pfund zurück; die Brazilian Naturals sanken um 9,9 Prozent auf 290,19 US-Cent je Pfund. An den Terminbörsen betrug der Rückgang der monatlichen ICE-Durchschnittspreise nach ICO-Angaben 8,0 Prozent für Robusta in London und 10,4 Prozent für Arabica in New York.
US-Cent je Pfund · Monatsdurchschnitt, Skala beginnt bei null
−8,7 %
Eigene Darstellung nach ICO Coffee Market Report – September 2026, Seite 1–2. Keine Prognose und kein Live-Börsenkurs.

3. Welche Kaffeesorten gaben am stärksten nach?
Die ICO veröffentlicht separate Gruppenindikatoren, um die Preisentwicklung verschiedener Kaffeequalitäten sichtbar zu machen. Die monatlichen Rückgänge waren nicht gleich groß: In Prozent verloren die Brazilian Naturals besonders stark. Das ist plausibel im Umfeld der großen brasilianischen Ernte, aber ein einzelner Faktor erklärt nie den gesamten Markt.
September gegenüber August 2026 · Rückgang in Prozent
Eigene Datengrafik aus dem ICO-Bericht September 2026. Balken zeigen die absolute Höhe des prozentualen Rückgangs, nicht die Preisniveaus.
4. Warum spielt Vietnam dabei eine so wichtige Rolle?
Vietnam ist der wichtigste Robusta-Anbieter der Welt. Die ICO meldete für August 2026 einen Anstieg der vietnamesischen Robusta-Rohkaffeeexporte um 69,2 Prozent gegenüber August 2025 auf 1,78 Millionen 60-Kilogramm-Säcke. Exporte aller Kaffeeformen Vietnams erreichten im selben Monat 2,24 Millionen Säcke, ein Plus von 48,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mehr exportierte Ware kann das verfügbare Angebot am Weltmarkt erhöhen. Allerdings sind Exporte nicht dasselbe wie die Ernte: Ein Teil der Ware kann aus bestehenden Lagerbeständen stammen. Und eine Monatszahl beweist nicht, dass jeder vietnamesische Produzent mehr verdient oder dass die gesamte kommende Ernte bereits gesichert wäre.

5. Welche Faktoren beeinflussten den Weltmarkt?
Der Septemberbericht der ICO führt das rückläufige Preisniveau vor allem auf zusätzliche Mengen aus Brasilien und die Erwartung eines entspannteren Angebots zurück. Gleichzeitig blieben Risiken bestehen: geringe zertifizierte Arabica-Bestände, Unsicherheit über Wetterereignisse und Unterschiede zwischen den verfügbaren Qualitäten konnten einzelne Teilmärkte stützen.
Auch die Positionierung von Finanzmarktteilnehmern kann starke Tagesbewegungen verursachen. Wenn Händler zuvor auf sinkende Preise gesetzt haben und Kontrakte zurückkaufen, um diese Positionen zu schließen, spricht man von Short Covering. Das kann Kurse vorübergehend anheben, ohne dass sich die fundamentale Lage vollständig geändert hat.
Im alten Artikel wurden einzelne Terminpreise und Lagerbestände ohne ausreichende zeitliche Einordnung miteinander verglichen. Für diese Überarbeitung stehen deshalb die überprüfbaren Monatswerte aus dem offiziellen ICO-Bericht im Zentrum.
6. Was heißt das für Röstereien und Cafés?
Ein niedrigerer Börsenpreis ist nicht automatisch ein entsprechend niedrigerer Einkaufspreis für Rohkaffee. Lieferverträge, Fracht, Versicherungen, Währungen, Qualität und die zeitliche Absicherung bestimmen, wann eine Änderung beim Röster ankommt. Auch der Endkundenpreis im Café enthält zahlreiche weitere Kostenpositionen.
Wer Robusta einkauft, sollte mindestens die gewünschte Qualität, den konkreten Lieferzeitraum, die Basis zum ICE-Terminpreis und die Konditionen für Transport sowie Zahlung vergleichen. Eine Preisbewegung allein ist kein verlässliches Signal, sofort große Mengen zu kaufen oder zu verkaufen.
7. Was lässt sich aus den Daten nicht ableiten?
Die monatlichen ICO-Indikatoren sind aussagekräftig für die Preisrichtung im Berichtsmonat, bilden aber keinen konkreten Preis ab Hof in Đắk Lắk oder Lâm Đồng ab. Ebenso wenig lassen sich aus ihnen direkt Produktionskosten, Einkommen einzelner Bauern oder Gewinne eines Cafés berechnen.
Die älteren regionalen Preisangaben von rund 93.000 bis 93.800 VND pro Kilogramm können eine datierte lokale Momentaufnahme gewesen sein. Ohne verlässlich zuordenbaren Erhebungstag, Produktstandard und bestätigte Originalquelle sind sie jedoch kein geeigneter „aktueller Preis“ für Oktober 2026. Deshalb werden sie hier nicht als Gegenwartswert wiederholt.
Fazit: Ein Börsentag ist kein Markttrend
Dass lokale Kaffeepreise in Vietnam an einzelnen Tagen gegenläufig zu Londoner Futures laufen, ist unter unterschiedlichen Zeiträumen, Qualitäten und Vertragsbedingungen erklärbar. Der vollständige September 2026 zeigt laut ICO aber einen deutlichen Rückgang im internationalen Kaffeemarkt. Für Produzenten und Einkäufer ist entscheidend, welchen Preis, für welche Ware und über welchen Zeitraum sie vergleichen.
8. Quellen und Datenbasis
- International Coffee Organization: Coffee Market Report – September 2026. Primärquelle für Preisindizes, Futures-Durchschnitte, Exportmengen und Marktfaktoren.
- ICO – Coffee Market Report, monatliche Berichte. Offizielle Berichtsübersicht und Methodenkontext.
- ICO – Public Market Information. Definition und Veröffentlichung der ICO-Preisindikatoren.
- Vietnam.vn: Gia cà phê trong nước đi ngược thế giới. Ausgangsmeldung zum gegenläufigen lokalen Tages- beziehungsweise Wochenvergleich; hier nicht als Quelle aktueller Oktoberpreise verwendet.
Redaktionsstand: 11. Oktober 2026. Preisangaben sind historisch auf August und September 2026 datiert; keine Live-Kurse, Handelsberatung oder kurzfristige Preisprognose. Beide Fotografien sind echte Archivbilder mit Quellenangaben. Die Diagramme sind eigene Darstellungen der ICO-Daten.

