Schützt Kaffee vor Demenz? Eine im Februar 2026 veröffentlichte JAMA-Studie mit 131.821 Teilnehmenden stellt einen Zusammenhang zwischen höherem Konsum koffeinierten Kaffees und einer niedrigeren Demenz-Hazard fest. Die viel zitierte Zahl von 18 Prozent ist jedoch keine bewiesene Schutzwirkung. Was tatsächlich gemessen wurde und welche Fragen offenbleiben.
131.821 Teilnehmende · 11.033 dokumentierte Demenzfälle · bis zu 43 Jahre Nachbeobachtung · adjustierte Hazard Ratio 0,82 (95-%-Konfidenzintervall 0,76–0,89) für den Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Quartil koffeinierten Kaffees.
Quelle: Zhang et al., JAMA 2026, DOI 10.1001/jama.2025.27259.
1. Wie lief die Untersuchung ab?
Das Forschungsteam um Yu Zhang analysierte Daten der Nurses’ Health Study mit 86.606 Frauen und der Health Professionals Follow-up Study mit 45.215 Männern. Ernährungsgewohnheiten wurden regelmäßig – ungefähr alle zwei bis vier Jahre – mit standardisierten Fragebögen erhoben. Die Beobachtung reichte bis 2023; die mittlere Nachbeobachtung betrug 36,8 Jahre, die maximale 43 Jahre.
Untersucht wurden der langfristige Verzehr koffeinierten Kaffees, entkoffeinierten Kaffees und Tees sowie später dokumentierte Demenzfälle. Weitere Endpunkte waren subjektive Gedächtnisbeschwerden und, in der Frauenkohorte, standardisierte kognitive Tests. Die Studie erschien am 9. Februar 2026 online in JAMA.
2. Was bedeuten die 18 Prozent?
Das zentrale Ergebnis für koffeinierten Kaffee lautet Hazard Ratio 0,82 für die höchste gegenüber der niedrigsten Konsumgruppe. Das entspricht einer um 18 Prozent geringeren adjustierten momentanen Ereignisrate im statistischen Modell, nicht einer nachgewiesenen individuellen Verringerung der Demenzwahrscheinlichkeit um 18 Prozent.
Niedrigste Konsumgruppe · 1,00
Höchste Konsumgruppe · 0,82
−18 % im adjustierten Modell
Eigene Darstellung nach Zhang et al. (2026). Es handelt sich um relative Hazard-Werte und keinen absoluten Risikovergleich. Ausgangsgruppe normiert auf 1,00.
Die Originalarbeit nennt außerdem unadjustierte Erkrankungsraten von 141 und 330 Fällen je 100.000 Personenjahre. Sie dürfen nicht direkt mit der adjustierten Hazard Ratio vermischt werden. Der frühere Artikel verwendete teils die Zahl 0,77, obwohl sich die Überschrift auf den 18-Prozent-Befund für koffeinierten Kaffee bezog – diese Verwechslung ist hier korrigiert.
3. Zeigten sich Unterschiede bei der Gedächtnisleistung?
Bei höherem Konsum berichteten 7,8 Prozent der Befragten über eine subjektive kognitive Verschlechterung, gegenüber 9,5 Prozent bei niedrigem Konsum. Der Unterschied beträgt 1,7 Prozentpunkte. Einzelne objektive Tests zeigten kleine Vorteile. Der globale kognitive Gesamtscore war jedoch statistisch nicht eindeutig verbessert (P = 0,06).
Niedriger Konsum · 9,5 %
Höherer Konsum · 7,8 %
Eigene Darstellung nach JAMA 2026. Die Balken zeigen Häufigkeiten subjektiver Beschwerden auf einer Skala von 0–10 Prozent, nicht die Lebenszeitwahrscheinlichkeit einer Demenz.
4. Was ist mit Tee und entkoffeiniertem Kaffee?
Für Tee wurden ähnliche günstige Zusammenhänge beobachtet. Entkoffeinierter Kaffee war dagegen in dieser Untersuchung nicht signifikant mit geringerem Demenzrisiko oder besseren kognitiven Tests verbunden. Das bedeutet nicht, dass entkoffeinierter Kaffee schädlich ist. Ebenso wenig ist damit bewiesen, dass Koffein allein den Unterschied verursacht.

5. Waren zwei bis drei Tassen besonders günstig?
Die stärkste beobachtete Assoziation lag bei ungefähr zwei bis drei Tassen koffeiniertem Kaffee oder ein bis zwei Tassen Tee pro Tag. Eine Studientasse entspricht etwa 237 Millilitern (8 US-fluid-ounces). Eine Espressoportion und ein großer Filterkaffee sind daher nicht einfach gleichzusetzen; auch der Koffeingehalt unterscheidet sich.
Aus der statistischen Kurve ergibt sich keine Empfehlung, mehr Kaffee zu trinken. Höhere Mengen brachten keinen durchgehend zusätzlichen beobachteten Vorteil und können etwa den Schlaf beeinträchtigen.
6. Warum beweist die Studie keine Ursache?
Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie und nicht um eine zufällige Zuteilung verschiedener Trinkmengen. Personen mit unterschiedlichem Kaffeekonsum können sich in weiteren Gesundheits- oder Lebensstilmerkmalen unterscheiden. Obwohl das Modell zahlreiche Faktoren berücksichtigt, sind unbekannte Störfaktoren möglich.
Auch eine umgekehrte Richtung ist denkbar: Frühe, noch unbemerkte gesundheitliche Veränderungen könnten dazu führen, dass Menschen weniger Kaffee trinken. Die Ernährungserhebung über Fragebögen ist zudem ungenauer als eine dauerhafte objektive Messung. Die Stichprobe stammt aus US-Gesundheitsberufen und ist nicht ohne Weiteres repräsentativ für alle Bevölkerungsgruppen.
7. Welche Wirkmechanismen werden diskutiert?
Koffein blockiert bestimmte Adenosinrezeptoren, die unter anderem mit Wachheit und Aufmerksamkeit zusammenhängen. In experimentellen Studien werden mögliche Auswirkungen auf Entzündungsprozesse und neurodegenerative Signalwege untersucht. Kaffee enthält darüber hinaus Polyphenole und weitere biologisch aktive Stoffe.
Solche Mechanismen sind plausible Hypothesen. Die JAMA-Auswertung selbst zeigt jedoch nicht, dass Koffein beim Menschen über Jahrzehnte hinweg Alzheimer-typische Veränderungen verhindert. Zwischen Laborversuchen und einer klinischen Präventionswirkung liegt eine erhebliche Beweislücke.
8. Was folgt für Kaffeetrinker und Cafés?
Wer Kaffee gern trinkt und gut verträgt, kann die Studie als interessante Forschung einordnen. Wer aus gesundheitlichen Gründen Koffein meidet, sollte daraus kein schlechtes Gewissen ableiten. Für den individuellen Umgang mit Koffein spielen beispielsweise Schlaf, Verträglichkeit und mögliche medizinische Gründe eine Rolle.
Für die Kaffeebranche gilt dieselbe Sorgfalt: „Koffeinierter Kaffee war in einer Langzeitstudie mit geringerem Demenzrisiko assoziiert“ beschreibt das Ergebnis. „Kaffee schützt vor Demenz“ wäre eine unbelegte Kausalaussage und als gesundheitsbezogene Werbebotschaft problematisch. Besser belegte allgemeine Ansatzpunkte zur Reduktion des Demenzrisikos umfassen Bewegung, den Umgang mit Bluthochdruck und Rauchverzicht.
Fazit: Ein interessantes Ergebnis – kein Schutzversprechen
Die 2026 erschienene JAMA-Studie ist groß, umfasst jahrzehntelange Beobachtungen und differenziert zwischen koffeiniertem und entkoffeiniertem Kaffee. Die zentrale Zahl von 18 Prozent beschreibt einen adjustierten statistischen Zusammenhang. Ob ein höherer Kaffeekonsum das Demenzrisiko tatsächlich ursächlich senkt, lässt sich damit nicht beantworten.
9. Quellen
- Zhang Y et al.: Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function. JAMA, 2026;335(11):961–974. Originalstudie.
- PubMed: Originalstudie und Abstract.
- Mazzoleni et al., 2026: Systematische Übersichtsarbeit zu Kaffee, Tee und Demenz.
- WHO: Demenz – Einordnung und Risikofaktoren.
Redaktionsstand Oktober 2026. Eigene Grafiken nach Studiendaten, keine persönlichen Risikoprognosen. Fotografien sind echte Symbolbilder. Der Artikel stellt keine individuelle medizinische Beratung dar.

