Eine French Press lässt nicht nur Aroma, sondern auch Kaffeeöle durch. Darin stecken die natürlichen Diterpene Cafestol und Kahweol. Besonders Cafestol kann das LDL-Cholesterin erhöhen. Eine kontrollierte Studie zeigte bei fünf bis sechs starken Tassen täglich einen messbaren Anstieg. Doch wie groß ist der Effekt wirklich – und warum macht ein Papierfilter einen Unterschied?
Quelle: Urgert et al., BMJ 1996; Vergleich zur Gruppe mit Filterkaffee. Das Ergebnis gilt für das konkrete Studienszenario und ist keine individuelle Prognose.
1. Was sind Cafestol und Kahweol?
Cafestol und Kahweol sind natürliche fettlösliche Bestandteile des Kaffees, sogenannte Diterpene. Sie stammen aus den Bohnen selbst und werden während des Brühens in unterschiedlichem Ausmaß in das Getränk übertragen. Sie entstehen also nicht erst durch die French Press oder durch besonders langes Brühen.
Vor allem Cafestol beeinflusst die Regulation des Cholesterinstoffwechsels. Kontrollierte Versuche haben gezeigt, dass diterpenreicher Kaffee die LDL-Cholesterinkonzentration erhöhen kann. LDL ist ein Lipoprotein, das Cholesterin im Blut transportiert. Dauerhaft erhöhte Werte können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern.
Entscheidend für die Aufnahme von Diterpenen ist die Art, wie der Kaffee gefiltert wird. Bei der French Press hält das Metallsieb grobe Partikel zurück, aber nicht alle feinen Tröpfchen und ölhaltigen Bestandteile. Ein Papierfilter hält einen erheblichen Teil dieser Stoffe dagegen zurück.
2. Was wurde in der Studie tatsächlich gemessen?
Eine randomisierte Studie von Urgert und Kollegen, veröffentlicht 1996 im British Medical Journal, teilte 46 gesunde Erwachsene in zwei Gruppen. 22 Personen tranken Cafetière-Kaffee (French Press), 24 Personen papiergefilterten Kaffee. Beide Gruppen konsumierten fünf bis sechs starke Tassen täglich, zusammen etwa 0,9 Liter, über 24 Wochen.
Nach sechs Monaten lag der LDL-Wert in der French-Press-Gruppe gegenüber der Filtergruppe im Mittel um 0,26 mmol/l höher. Das entspricht ungefähr 10 mg/dl und etwa neun Prozent relativ zum Ausgangswert. Zu anderen Messzeitpunkten wurden relative Anstiege bis zu 14 Prozent beobachtet. Diese Spanne bedeutet nicht, dass jeder Mensch bei einer normalen Tasse French Press einen Anstieg um 14 Prozent erfährt.
Zusätzlicher LDL-Wert im Vergleich zu papiergefiltertem Kaffee
95-%-Konfidenzintervall: +0,04 bis +0,47 mmol/l. Der Balken visualisiert den Punktschätzer relativ zu 0,50 mmol/l Skalenende; er zeigt keinen individuellen Laborwert.
Eigene Darstellung auf Grundlage der randomisierten BMJ-Studie (1996), n=46, 24 Wochen. Ein Unterschied zwischen Gruppen ist keine allgemeine Dosis-Wirkungs-Kurve.
Auch bei der Leberenzymkonzentration ALT zeigten sich im Versuch Veränderungen: Nach 24 Wochen lag sie in der French-Press-Gruppe gegenüber der Filtergruppe um 9 U/l höher. Acht der 22 Teilnehmenden dieser Gruppe überschritten während der Untersuchung den oberen Normalwert. Nach dem Ende der Intervention waren die beobachteten Veränderungen reversibel. Diese Befunde lassen sich nicht pauschal auf gelegentlichen French-Press-Konsum übertragen.
3. Warum macht ein Papierfilter einen Unterschied?
Ein Papierfilter hält nicht nur Kaffeepartikel zurück, sondern bindet beziehungsweise entfernt einen großen Teil der diterpenhaltigen Öle. Ein Metallsieb kann das je nach Konstruktion und Feinheit nicht in gleichem Maß. Das erklärt, weshalb die Zubereitung bei der Beurteilung des Cholesterineffekts wichtiger ist als die Frage, ob die Bohne als Arabica oder Robusta verkauft wird.
Metallsieb: viele Kaffeeöle und darin enthaltene Diterpene gelangen ins Getränk.
Papier: hält einen großen Teil der diterpenhaltigen Öle zurück.
Eigene redaktionelle Prozessgrafik nach Urgert & Katan (1997); keine quantitative Messung an diesen beiden Geräten.

4. Wie unterscheiden sich die Zubereitungsmethoden?
Die Menge an Cafestol und Kahweol hängt von Bohne, Mahlgrad, Rezeptur, Filtration und Portionsgröße ab. Deshalb sind exakte Milligrammangaben pro Tasse nur zusammen mit der jeweiligen Zubereitung und Messmethode sinnvoll.
| Methode | Diterpene im Getränk | Einordnung |
|---|---|---|
| French Press / Cafetière | Vergleichsweise hoch | Metallsieb lässt ölhaltige Bestandteile passieren |
| Skandinavisch gekochter Kaffee | Vergleichsweise hoch | Kein Papierfilter |
| Türkischer Kaffee | Vergleichsweise hoch | Feines Kaffeemehl bleibt im Getränk |
| Espresso | Je nach Rezeptur vorhanden | Kleinere Portion; nicht diterpenfrei |
| Handfilter und Filtermaschine mit Papier | Gering | Papier hält einen großen Teil zurück |
| Löslicher Kaffee | Üblicherweise gering | Herstellungsprozess unterscheidet sich |
Ein Espresso ist nicht automatisch „sicherer“ als French Press in jeder Trinkmenge: Mehrere Espressi können sich ebenfalls summieren. Ebenso ist nicht jedes Metallsieb gleich. Entscheidend ist letztlich die tägliche aufgenommene Menge der relevanten Verbindungen.
5. Was bedeutet die Dosis für das Risiko?
Die BMJ-Studie untersuchte eine relativ hohe Menge starken Kaffees – etwa 900 Milliliter täglich. Wer am Wochenende eine einzelne Tasse French Press trinkt, kann aus dem Versuch keinen identischen Effekt ableiten. Wer dauerhaft mehrere große Tassen ungefilterten Kaffee konsumiert, nimmt hingegen mehr Diterpene auf.
Zur Beurteilung des persönlichen Risikos reicht die Getränkewahl allein nicht. LDL-Werte werden unter anderem von Ernährung, Veranlagung, Medikamenten und Lebensstil beeinflusst. Eine einzelne Studie kann nicht für jede Person einen bestimmten Prozentanstieg vorhersagen.
6. Ist entkoffeinierter French-Press-Kaffee anders?
Koffein und Cafestol sind unterschiedliche Stoffe. Die Entkoffeinierung entfernt in erster Linie Koffein, aber nicht automatisch sämtliche Diterpene. Deshalb macht „entkoffeiniert“ eine French Press nicht automatisch diterpenarm. Wer den Diterpengehalt reduzieren möchte, sollte eher auf die Art der Filtration achten.
7. Was können Kaffeetrinker und Cafés daraus lernen?
Für Menschen, die ihre LDL-Werte besonders im Blick behalten müssen, kann ein Wechsel von häufig getrunkenem ungefiltertem Kaffee zu papiergefiltertem Kaffee eine praktikable Maßnahme sein. Bei bestehenden erhöhten Blutwerten oder Erkrankungen sollte die individuelle Einordnung mit einer medizinischen Fachperson erfolgen.
Für Cafés und Röstereien ist eine sachliche Erklärung hilfreicher als ein pauschales Verbot der French Press. Sie liefert ein anderes Mundgefühl und andere Aromen als Papierfilterkaffee. Gäste können die Zubereitung bewusst wählen, wenn sie die Unterschiede kennen.
Fazit: Für LDL zählt auch, wie der Kaffee gefiltert wird
Die Verbindung zwischen diterpenreichem Kaffee und erhöhtem LDL-Cholesterin ist durch kontrollierte Untersuchungen gut belegt. Am klarsten ist der Unterschied zwischen regelmäßigem, starkem French-Press-Kaffee und papiergefiltertem Kaffee. Die oft genannte Erhöhung von 9 bis 14 Prozent stammt jedoch aus einem konkreten Versuch mit hoher täglicher Trinkmenge – nicht aus einer allgemeingültigen Vorhersage für jeden French-Press-Trinker.
Quellen und Einordnung
- Urgert R. et al. (1996): Comparison of effect of cafetiere and filtered coffee on serum concentrations of liver aminotransferases and lipids: six month randomised controlled trial. BMJ 313:1362. Primärstudie, DOI 10.1136/bmj.313.7069.1362.
- Urgert R. & Katan MB (1997): The Cholesterol-Raising Factor from Coffee Beans. Annual Review of Nutrition 17:305–324. Überblick zu Diterpenen und Brühmethoden.
- Urgert et al. (1997): Separate effects of the coffee diterpenes cafestol and kahweol. American Journal of Clinical Nutrition.
Redaktionsstand Oktober 2026. Die Forschungen sind älter, bilden aber wichtige experimentelle Grundlagen. Die Grafiken sind eigene Darstellungen; die Fotografien sind reale Archivbilder und keine Aufnahmen der genannten Studie.

